„A Cowboys work is never done…“ – „Querdenker“ Georg Schumacher auf der Messe und im Gespräch

Georg Schumacher

„Die verrücktesten Buchhandlungen der Welt“ stellt Georg Schumacher während der Buchmesse in einem Mini-Workshop des BuchmarktFORUMs vor. Schumacher, Autor und Missionar in Sachen Querdenken, findet vieles im Handel zu brav und zu bieder. Mit ein paar kleinen Kniffen, so seine Empfehlung, könne der Handel sich deutlich besser in Szene setzen.
 
BuchMarkt: Im Rahmen des Fachbesucherprogramms der Buchmesse treten Sie unter dem Titel: „Die verrücktesten Buchhandlungen der Welt“ an. Haben Sie den Eindruck, es gäbe zu wenig Verrückte in der Branche?
Georg Schumacher: Ja. Wenn ich „Verrückte“ als Menschen definiere, die die Maßstäbe ein bisschen ver-rücken. Buchhandlungen können fröhlicher, menschlicher, faszinierender, schräger sein. Vieles ist mir zu brav, zu bieder, zu austauschbar. Das ist in der heutigen Wettbewerbslandschaft nett, aber nicht ausreichend, um Kunden für sich zu gewinnen.

Was kann man denn als Buchhändler – oder auch als Verlagsmensch – bei Ihrem Messeevent lernen?
Zwei Dinge. Schon mit kleinen Ideen kann ich eine Menge erreichen. Und: Ich kann aus dem „Ver-rücken“ eine Geschäftsidee machen, die das ganze Geschäft widerspiegelt. Ich zeige durch solche Aktivitäten, dass ich anders bin als alle anderen Buchhändler. Offline. Und online. Oder anders gesagt: Es sind die „menschlichen Algorithmen“, auf die es mir ankommt.
 
Heißt das, in Sachen Such-Algorithmus wird man Amazon oder allgemein die Online-Recherche kaum schlagen können, folglich müssten stationäre Händler sich auf andere Weise auszeichnen?
Genau. Amazon hat einiges perfektioniert. Doch der Buchhändler hat auch Chancen, einiges anders – und perfekt – zu machen. Chancen, die selbst Amazon nicht hat.
 
Würden Sie so weit gehen, dass Erfolg im Handel heute nur noch durch maximale Unterschiedlichkeit zu vergleichbaren Unternehmen zu erzeugen ist?
Um Relevanz zu erzeugen, müssen die Unterschiede nicht so gigantisch sein, wie man oft denkt. Aber: sie müssen echt sein, authentisch. Und im Buchladen spürbar. Ein Beispiel, das Lutz Heimhalt, Buchhändler aus Hamburg Fuhlsbüttel, beim Libri.Campus vorgezeigt hat: Er verpackt Geschenke in Geschenkpapier, auf das er einen alten Stadtplan von Fuhlsbüttel hat drucken lassen. Wer das einmal gesehen hat, vergißt den Händler nicht mehr. Viele Händler halten sich viel auf Eigenschaften oder Faktoren zugute, durch die sie sich angeblich von der Konkurrenz abhöben. Aber meistens bemerkt ein Kunde die gar nicht. Entweder, weil sie aus Kundensicht nicht relevant sind. Oder, weil sie so schwach ausgeprägt sind, dass man sie gar nicht wahrnimmt. Im schlimmsten Fall, weil sie gar nichts besonderes sind, sondern eine Grundanforderung.
 
Sie sind als Querdenker unter anderem Autor (von Spielen und spielerischen Anleitungen) bei Moses, Sie sind als Dozent in der Disziplin „Querdenken“ in Hessen an einer Universität tätig – wie wird man denn Querdenker oder was zeichnet einen solchen aus?
Ich habe in den 80er und 90er sehr viel Zeit in Schweden verbracht. Unternehmen wie IKEA und H&M sind deshalb so erfolgreich, weil sie Querdenken. Wenn A etwas so und so macht, sollte ich als B nicht kopieren. Sondern es ANDERS machen. BESSER machen. Und mich stets fragen: Was kann ich tun, damit es meinen Kunden besser geht? Querdenker wird man, indem man „ver-rückte“ Fragen stellt. Und Fragen sind immer wichtiger als Antworten. Nur ver-rückte Fragen provozieren aussergewöhnliche Antworten.

Gehen Querdenker an die Alltagsaufgaben eines Unternehmers anders heran als „Normale“? Können Sie uns ein paar Beispiele nennen, an denen das nachvollziehbar wird?
Querdenker sehen die Dinge, wie sie ein KUNDE sieht. Denn nur der Kunde entscheidet über Erfolg und Misserfolg. „Normale“ Produktmanager fragen sich, was kann ich tun, damit mein Deckungsbetrag um 10,- Euro steigt? Als Querdenker frage ich mich: „Was kann ich als Unternehmen für den Kunden tun, damit er bei
mir gerne 10,- Euro mehr ausgibt?“.
 
Wie viel Budget braucht man eigentlich für Ihre Ideen, oder plump gefragt: können sich Buchhändler Ihre Art des Querdenkens überhaupt leisten?
Sagen wir es so: Die Frage ist nicht, was es kostet. Sondern, was es bringt. Ich mache Menschen wieder zu Querdenkern. Denn jeder Mensch war als Kind ein Querdenker. Meine Aufgabe ist es, die Menschen zu ermutigen, Dinge wieder wie ein Kind zu sehen. Mit Fantasie, mit Freude, mit dem Glauben, alles ist machbar. Und das geht schneller als die meisten glauben.
 
Was war bei Ihren Klienten denn die günstigste Idee mit dem höchsten Effekt?
Dass sie lernen, selber verrückte Fragen zu stellen. Schon seit vielen Jahren beziehe ich die Mitarbeiter ein. Normale Berater kommen von außen, bringen Lösungen von außen und überlassen die Umsetzung dann den Mitarbeitern. Mein Ansatz seit vielen Jahren: Schnelle effektive Workshops mit Mitarbeitern, um gemeinsam und mit viel Spaß querzudenken. Die Lösungen – und es kommen immer gute bis sehr gute Lösungsansätze – kommen dann von innen, werden von innen gelebt, umgesetzt und ständig erneuert.
 
Sie hatten einen gefeierten Einsatz beim diesjährigen LibriCampus. Wer Sie dort erlebt hat, sollte der zu Ihrem Messeevent kommen, oder ist alles gesagt?
A cowboy´s work is never done.

„Die verrücktesten Buchhandlungen der Welt“: Freitag, 10. Oktober, Buchmesse Halle 4.2, Hotspot Bildungsforum. Von 12 bis 13 Uhr.

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