„Alle Bestellungen werden bedient“: Antworten zur kritischen Edition von „Mein Kampf“

Magnus Brechtken

Die große Nachfrage nach der zweibändigen kritischen Edition von Mein Kampf hat viele deutsche Buchhandlungen überrascht, etliche haben sich nicht an die Sache herangetraut. BuchMarkt hat den Stellvertretenden Direktor Prof. Dr. Magnus Brechtken des Institut für Zeitgeschichte izur Situation befragt.

Denn: Nun steht seit dem Erscheinen des Werkes das Institut im Mittelpunkt der aktuellen politischen Debatte. Es gibt überwiegend Zustimmung zu dieser Veröffentlichung und auch dazu, wie die Ausgabe aufbereitet wurde. Die Erstauflage von 4.000 Exemplaren war schon bei Auslieferung ausverkauft.

BuchMarkt: Michael Lemling von Lehmkuhl [mehr…] in München hat sich klar entschieden: Wir bieten die kritische Ausgabe von Mein Kampf offensiv an. Wie erklären Sie sich die Zurückhaltung bei vielen anderen Buchhändlern?

Magnus Brechtken: Sofern es eine Zurückhaltung bei Buchhändlern gibt, sollten diese selbst ihre Haltung beschreiben. Das Institut spürt eine Zurückhaltung nicht, sondern eher im Gegenteil eine Nachfrage, die über den Erwartungen liegt und entsprechend bedient wird.

Erwarten Sie, dass nun mit der Rückendeckung von anerkannten und prominenten Experten wie Ian Kershaw und Norbert Frei mehr Buchhändler das Werk offensiv und nicht nur unter dem Ladentisch auf Bestellung verkaufen?

Wir freuen uns selbstverständlich über jede Expertenmeinung, die den wissenschaftlichen und aufklärerischen Gehalt unseres Werkes würdigt, namentlich wenn es sich um so ausgewiesene Kenner wie die von Ihnen Genannten handelt. Zugleich ist seit vielen Tagen unübersehbar, dass uns eine hohe Nachfrage erreicht, die ein großes Interesse des Buchhandels anzeigt. Dagegen ist uns nicht bekannt, dass irgendjemand etwas „unter dem Ladentisch“ verkauft und können dergleichen auch nicht kommentieren.

Was raten Sie den Buchhändlern, die jetzt ungeduldig auf die Nachauflage warten?

Alle Bestellungen werden bedient, jede Buchhandlung wird so viele Exemplare erhalten wie sie möchte. Wir drucken flexibel nach, müssen aber um Verständnis bitten, dass diejenigen Händler, die erst jetzt bestellen, natürlich etwas Wartezeit in Kauf nehmen müssen.

Viele haben ja die Sorge, dass die Auseinandersetzung mit Hitlers Pamphlet längst erledigt sei und nur dem heutigem Rechtsradikalismus helfe. Können Sie diese Befürchtung kurz und überzeugend zerstreuen?

Die Auseinandersetzung mit Mein Kampf kann sich schon deshalb nicht erledigt haben, weil es eine laufende Diskussion gibt und bislang keine historisch umfassende, auf den Stand der Forschung argumentierende Auseinandersetzung vorliegt – wie es sie übrigens für zahlreiche andere Quellen schon gibt. Unsere kritische Edition schließt diese Lücke als ein Werk der Aufklärung und Information. Jede Leserin und jeder Leser wird sich bei Lektüre selbst davon überzeugen.

Gibt es Interesse aus dem Ausland an einer übersetzten Fassung?

Ja, wir haben bereits zahlreiche Anfragen.

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