Auszeichnungen im Preis Junge Kritiker

Die Gewinner im zweiten „Wettbewerb Preis Junge Kritiker“ stehen fest: Der 18-Jährige Daniel Jütte aus Stuttgart erhält den ersten Preis für seine Rezension von Yoram Kaniuks „Der letzte Berliner“, in der er „mit großer Eigenständigkeit ein umstrittenes Buch zur deutsch-jüdischen Problematik mit all seinen Ambivalenzen einzuschätzen weiß“. Auf den zweiten Platz kam Peter Thiessen (19) aus Mannheim mit seiner Rezension von Michael Houellebecq‘s Roman „Plattform“; er habe das Buch gegen das reißerische Image des Autors und mit großer Sprachbegabung besprochen, so die Jury. Den dritten Preis erhält Anne Sturm, 19 Jahre alt, aus Leiha für ihre Besprechung von Jurek Beckers „Jakob der Lügner“, in der sie mit unsentimentaler Einfühlung einen Klassiker der Moderne für ihre Generation wiederentdeckt hat. Alle drei haben eine Reise nach Barcelona gewonnen.
Die Jury vergab außerdem einen Sonderpreis für Originalität an Thorsten Gallin (18) aus Großkarolinenfeld für seinen Versuch, mit der Besprechung von Molières „Amphitryon“ die klassische Rezension zu unterlaufen, in dem er in eigenwilligem Umgang mit der literarischen Situation versucht, Alexandriner nachzubilden und den Protagonisten Jupiter zum Kritiker zu machen.
Von den insgesamt 50 ausgelobten Preisen (Abos der Zeitschrift „Literaturen“, Buchpakete) vergab die Jury diesmal nur 40. Die Jury-Vorsitzende Sigrid Löffler: „Das Interessante an diesem Wettbewerb ist, dass die jungen Leute motiviert sind, sich ganz individuell mit Literatur auseinanderzusetzen und eine eigenständige Meinung zu formulieren. Und es ist wichtig, dass es für die Schüler hier eher darum geht, ihren persönlichen Zugang zu einem Buch zu beschreiben; das eigene Leseerlebnis ist wichtiger als Sekundärliteratur und vorgekaute Meinungen.“ Almut Hoppe, Vorsitzende des Fachverbands deutsch im deutschen Germanistenverband, die den Wettbewerb pädagogisch begleitet, sagte: „Den Wettbewerb kann man als kreative, anspruchsvolle, motivierende Lernsituation beschreiben, bei der genaues Lesen, inhaltliche und sprachliche Erarbeitung sowie das Produzieren eines eigenen Textes miteinander verbunden werden.“
Die Jury war sich aber einig, dass an sprachlichem Ausdruck, Vielfalt und Eigenständigkeit der Formulierung noch viel getan werden muss. Qualität und Ernsthaftigkeit der Einsendungen sind so hoch wie im Vorjahr. 80 Prozent der Kritiken waren positiv, 15 Prozent kamen zu keinem eindeutigen Urteil.
Den weitesten Weg hatten die Texte, die elf Schülerinnen und Schüler der deutschen Schule Alexander von Humboldt in Lima (Peru) schickten; eine Einsendung kam aus der Schweiz. Von den 89 Titeln der diesjährigen Vorschlagsliste wurden 34 gewählt, Favoriten waren J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“, Morton Rhues „Ich knall euch ab!“, Benjamin von Stuckrad-Barres „Deutsches Theater“ und Paulo Coelhos „Der Alchimist“. Dazu kamen 156 frei gewählte Titel, die meist nur einmal besprochen wurden. Das Spektrum der kritisierten Bücher und Autoren reichte von „Star Wars“ bis zu „Nathan der Weise“, von Donna Leon bis Franz Kafka.
Zwei Drittel der Jungen Kritiker waren Mädchen, die Altersgruppe der 17- bis 19-Jährigen war am häufigsten vertreten und 85 Prozent der Teilnehmer besuchen ein Gymnasium. Teilnahmeberechtigt am Wettbewerb, der ausschließlich per Email ausgetragen wurde, waren Schülerinnen und Schüler zwischen 15 und 21 Jahren. Aber auch eine 12-Jährige wagte sich an die Rezension von „Das geheimnisvolle schwarze Buch“, erschienen in der Reihe „Grusel & Co-Club“. Sie kann dann am Wettbewerb des Jahres 2005 teilnehmen. Der Wettbewerb 2002 ist beendet und geht nahtlos weiter: Ab sofort können unter http://www.junge-kritiker.de wieder Rezensionen eingesandt werden, um die Besten des Wettbewerbs Preis Junge Kritiker 2003 zu ermitteln.
ug

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