Bildungsverleger blicken mit Sorge auf die Entwicklung der Budgets – und fordern Statement zum Schutz des Urheberrechts

Bericht von der 55. Hauptversammlung 2010 der VdS Bildungsmedien

Ob der Tatsache, dass die Gesetzgebungsarbeiten am sog. „III. Korb“ zum Urheberrecht in nächster Zeit beginnen werden, forderte die 55. Hauptversammlung des VdS Bildungsmedien e.V. in Hamburg von der Politik ein eindeutiges Votum für eine nachhaltige und klare Stärkung der Position der Rechteinhaber. „Der Rechtefundus der Bildungs- und Schulbuchverlage darf nicht zu einem Selbstbedienungsladen für jedermann werden“, betonte Verbandsvorsitzender Wilmar Diepgrond (Bildungsverlag EINS) und verwies auf zahlreiche Rechtsverletzungen durch unerlaubte Digitalisierungen von Unterrichtswerken.
Während der Versammlung wurde der Vorstand des 87 Mitglieder zählenden Verbandes im Amt bestätigt. Besonders im Fokus der Verleger stand zudem die Entwicklung der Schul- und Bildungsbudgets in den Bundesländern, die in 2009 einen erneut negativen Trend nachwiesen und vor allem ob der Finanzschwäche der Kommunen in 2010 voraussichtlich einen weiteren Tiefststand erreichen werden.
Die Bildungsverlage diskutierten intensiv die digitalen Entwicklungen im Bereich des Bildungswesens und sich daraus ergebende mögliche Nutzungsszenarien für digitale Unterrichtsmaterialien. In diesem Zusammenhang betonten sie die definitive Notwendigkeit eines wirksamen und konkreten Urheberrechtsschutzes – ohne den die Branche nicht existieren kann. Sie forderten die Bundesregierung auf, in den kommenden Verhandlungen um die Novellierung des Urhebergesetzes die Forderungen nach kostenlosen Nutzungsmöglichkeiten und einem uneingeschränkten Zugang zu Werken für Bildungszwecken zurückzuweisen. Wesentlich für die Schulbuch- und Bildungsverleger ist, dass ihre Werke nicht ohne ihre Zustimmung digitalisiert werden dürfen – ansonsten würde der fragile Markt für Bildungsmedien kollabieren und es könnten keine qualitativ hochwertigen Medien für Schule, berufliche Bildung, Erwachsenenbildung und Pädagogik mehr angeboten werden. Die Vorstellung, dass in den verschiedenen Bildungsinstitutionen mit wahllos aus dem Internet herausgegriffenen Materialien sinnvoller wie erfolgreicher Unterricht gestaltet werden könnte, bezeichnete der Geschäftsführer des Verbandes, Andreas Baer, als „komplett absurd.“

Mit großer Sorge betrachteten die Verleger die Entwicklung der Budgets für Bildungsmedien. 2009 ging der Branchenumsatz mit analogen und digitalen Medien für das Lernen und Unterrichten in den Schulen auf knapp 460 Mio. Euro zurück – ein Minus von 2 % verglichen mit 2008. In den beruflichen Schulen sanken die Umsätze sogar um 5 %, da die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zurückging. Auch in den Vollzeitberufsschulen des BGJ, die die jüngeren Schulabgänger besuchen müssen, wenn sie keinen Ausbildungsplatz erhalten, gab es trotz Schülerzahlenplus keine verstärkte Mediennachfrage. Negative Daten ergaben sich auch für die privaten Schulbuchausgaben: Die privaten Haushalte gaben 2009 3 % weniger als in 2008 für den Bildungsmedienkauf ihrer Kinder aus. Für diesen Rückgang machen die Verleger nicht die Familien, sondern die Politik verantwortlich. So wurden in den letzten Jahren die Elternbeiträge – z.B. in Bayern, Nordrhein-Westfalen oder in Thüringen – stark zurückgefahren, ohne dass die fehlenden Elterngelder durch die Länder mit eigenen Mehrausgaben ausgeglichen wurden. Insofern werde „Raubbau“ an der Schulausstattung betrieben und eine unzutreffende Unterrichtsqualität vorgegaukelt, erklärte Verbandsvorsitzender Diepgrond.

Die wirtschaftliche Situation für 2010 wird von den Verlegern weiter als sehr kritisch bewertet. Insbesondere die Kommunen – die für die Finanzierung von Bildungsmedien in etlichen Bundesländern zuständig sind – versuchen, Teile ihrer Schuldenlast durch Einsparungen bei Unterrichtswerken auszugleichen. „Dies ist ein unverantwortliches Handeln“, erklärte Baer, „da somit wesentliche Zukunftsinvestitionen, die sich später positiv auszahlen, abgewürgt werden“. Die Versammlung appellierte folgerichtig an die Städte und Gemeinden, ihre Budgets für Bildungsmedien wieder deutlich anzuheben, da ansonsten weitflächige „Reformruinen“ erwartet werden. Es wäre nicht im Geringsten nachvollziehbar, dass den Schulen und der Lehrerbildung z.B. mitten im Reformprozess elementare Mittel verweigert würden.

Im Vorstand des Verbandes wurden Wolf-Rüdiger Feldmann (stellv. Vorsitzender, Cornelsen Verlag), Hans-Dieter Möller (Bildungshaus Schulbuchverlage Westermann Schroedel Diesterweg Schöningh Winklers) und Dr. Gerd-Dietrich Schmidt (DUDEN Schulbuchverlag) in ihren Ämtern bestätigt.

Der VdS Bildungsmedien organisiert 87 Anbieter von Bildungsmedien, die jährlich ca. 3.000 bis 4.000 neue Titel auf den Markt bringen (Gesamttitelangebot rund 40.000).
(Auszug aus der Pressemitteilung)

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