Buchlobby befürchtet Verlagssterben / Manifest der 100 Verlage im Wortlaut

Mit einem dringenden Apell hat sich Lucien Leitess, Vorsitzender der Buchlobby und Verleger des Unionsverlags an die Schweizer Regierung gewandt und die dramatische Lage der Schweizer Verlage geschildert [mehr…]. Seine Rede, die er auf einer Medienkonferenz der „Buchlobby Schweiz“ gehalten hat, liegt jetzt auch in Deutschland im Wortlaut vor. Offenbar fürchten die Verleger ein Verlagssterben. Leitess monierte, dass weite Teile der Medien, wie Radio, Fernsehen und Zeitungsverlage in der Schweiz zwar gefördert würden, die Buchverlage aber dabei hinten runterfallen.

Weiter sagt er, dass es in einzelnen Bereichen der Verlgslandschaft schon fast zu spät sei. „In der Romandie zum Beispiel lassen sich die literarischen Verlage für junge Autoren an einer Hand abzählen, und einen klassischen Kunstverlag gibt es nicht mehr. In der deutschen Schweiz sind, so der Verband der Autorinnen und Autoren der Schweiz, die Publikationsmöglichkeiten durch das schleichende Verlagssterben der letzten 15 Jahre zur Hauptsorge des Verbands geworden.“

Leitess zitierte aus einer Untersuchung der Buchlobby: „Die Buchlobby Schweiz hat Modelle der Verlagsförderung erarbeitet und geprüft. Sie kommt zum Schluss, dass mit einem Bruchteil der Mittel, die zur Unterstützung der privaten Radio und Fernsehprogramme budgetiert sind, eine wirksame, zukunftsträchtige Verlags- und Buchförderung möglich ist.“

Deshalb forderte Leitess, dass 10 Prozent der Gebühren für die Schweizer Fernseh- und Rundfunkantalten den Verlagen zugute kommen sollen. Mit dem Geld könnten Maßnahmen zur leseförderung finanziert werden, so der Vorschlag des Züricher Verlegers.

Im Anschluss an die Rede stellte er ein Manifest von 100 Schweizer Verlagen aus der deutsch-, französisch-, italienisch- und rätoromanischsprachigen Schweiz vor, das wir im Wortlaut zitieren:

100 Verlage der Schweiz
fordern eine aktive Politik für das Buch
und Verlagsförderung

> Weil das Buch, ob Roman, Sachbuch, Kinderbuch, Hörbuch oder
Bildband, das zentrale Medium der Bildung, Kultur und Geschichte
des Landes ist …
> Weil die Lesefähigkeit und der vertraute Umgang mit Büchern in
allen Lebensphasen heute gefährdet ist …
> Weil ohne eine vielfältige Buch- und Verlagsszene in allen
Landessprachen keine Vielfalt des geistigen und politischen Lebens
möglich ist …
> Weil das Buch als Medium genauso Förderung braucht und verdient
wie die anderen heute bereits geförderten Medien Film, Theater,
Presse…

…fordern die unterzeichnenden Schweizer Verlage:

> Massnahmen zur gezielten Buchförderung, Verlagsförderung und
Leseförderung durch Bund, Kantone und Gemeinden
> Eine aktive, systematische Politik zugunsten des Buches auf allen
Ebenen, in Kultur, Schule, Wirtschafts- und Sozialpolitik

Aus der deutschsprachigen Schweiz haben unter anderem namhafte Verlage unterzeichnet wie: Ammann, Atlantis, AT, Diogenes, Doerlemann, Faksimile, Haupt, Kain & Aber, Lenos, Libelle, Limmert, Nagel&Kimche, Nord-Süd, NZZ Libro, Orell Füssli, Pendo, Scheidegger, Schwab, Unionsverlag und Zytglogge.

Nach eigener Darstellung hat sich die Buchlobby Schweiz am 23. April 2004 (Weltbuchtag) gegründet. Gründungsmitglieder sind die Verbände der Autorinnen und Autoren, der Verlage und Buchhandlungen und der Bibliotheken. Seit die Wettbewerbskommission und das Bundesgericht die Preisbidnung für wettbewerbswidrig erklärt hat, steht diese in der Schweiz auf der Kippe. Jetzt bemühen sich Lobby und Verbände um eine gesetzliche Regelung. Dabei soll vor allem der noch nicht so alte Kulturartikel 6 in der Schweizer Verfassung helfen, siehe BuchMarkt September/2006, Seite 32

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