Dresden: Keine Veränderung der Lage / Banges Warten auf Flutwelle ungekannten Ausmaßes / Lage in Bitterfeld, Magdeburg und Dessau

Keine Nachricht ist eine gute Nachricht: Dieser alte Spruch dürfte sich zumindest in Hinblick auf die Hochwasserkatastrophe in Sachsen erledigt haben. Tom Kirsch ist von seinem Inspektionsgang in Freital wieder zurück im immer noch trockenen Haus des Buches in Dresden. „Die Freitaler Buch & Kunst-Filiale existiert nicht mehr. Der gesamte innerstädtische Bereich ist zerstört, und im Prinzip ist die gesamte Stadt bis auf Erdgeschosshöhe vernichtet“, so Kirsch. Was auch auf das inzwischen gesperrte Prina zutreffen dürfte, wo die nächste Buch & Kunst-Filiale nach einer 11 Meter hohen Flutwelle zerstört wurde. Eben musste in Dresden die bislang noch intakte Filiale „Elbpark“ geschlossen werden.
„Wie man hört, soll die kommende Flutwelle alles Bekannte in den Schatten stellen“, sagt Kirsch, der sein Auto an sicherer (und hoher) Stelle geparkt hat und dort aller zwei Stunden sein Handy aufzulädt, um mit der Welt in Kontakt bleiben zu können. Versorgungsprobleme kennt er noch nicht: „Das völlig überschwemmte Café Novell, unser Nachbar, versorgt uns ausgezeichnet.“
Jetzt wird die Flutwelle – angekündigt gestern bereits zum Mittag – nicht vor Mitternacht erwartet. „Für Naturgewalten dieses Ausmaßes gibt es bislang keinen Vergleich“, so Kirsch, „und deshalb können wir im Moment nur das tun, was alle hier am meisten zermürbt: untätig warten auf irgendetwas, das mit Sicherheit nichts Gutes verheißt.“

Neue Nachrichten auch von unserer Leipziger Korrespondentin Ute Grundmann:

Im Dresdner Hauptbahnhof wurden am bereits Dienstag auch die beiden Wittwer-Buchhandlungen überschwemmt. Das Wasser kam so schnell, dass der Bahnhof in 30 Minuten geräumt werden musste. In beiden Geschäften gibt es keinen Strom, die Mitarbeiter stehen im Schlamm, räumen auf und entsorgen die total nasse Ware. Man hofft auch hier, dass das Elbe-Hochwasser aus Tschechien nicht bis in den Bahnhof schwappt; aber derzeit werden in Dresden schon über 8 Meter gemessen, gegen Mitternacht werden 8,70 Meter befürchtet – dann könnte es auch den Hauptbahnhof noch mal erwischen.

Wenig Neues aus Bitterfeld, wo wohl vom Chemiepark keine akute Gefahr mehr ausgeht: Die Stadt wird nach einem Dammbruch derzeit evakuiert.

In Magdeburg müssen bis Samstagabend 12 000 Menschen ihre Wohnungen räumen; bedroht sind aber vor allem die ostelbischen Gebiete, wo es, so Ernst Holtermann, keine Buchhandlungen gibt. Seine Evangelische Buchhandlung liegt 20 bis 25 Meter über dem Elbpegel, er hofft, dass sie nicht gefährdet ist.

Auch die Buchhandlung 7 Säulen in Dessau liegt derzeit nicht in gefährdetem Gebiet, wo die Hochwasser von Elbe und Mulde zusammentreffen. Man liegt 5 Meter über der Elbe, hat sich aber vorsorglich die Schlüssel der über der Buchhandlung liegenden, leeren Wohnungen besorgt, um notfalls in höhere Etagen flüchten zu können. Man hofft, unbeschadet davonzukommen, ist sich aber nicht sicher: Das Warten sei bedrückend. Karstadt im Rathaus-Center nimmt keine Ware mehr an, weil das Lager in der Tiefgarage liegt.

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