EMVD: Digitalisierung bringt religiöse Medien in Schwung / Scharfe Kritik an Datenschutznovelle der Bundesregierung

Rekordbeteiligung beim Treffen der EMVD

„Medien sind wie Schokoriegel“, unter diesem Motto haben gestern die Evangelischen Medientage in der Evangelischen Akademie Hofgeismar bei Kassel begonnen. Organisiert vom Evangelischen Medienverband Deutschland EMVD, der neben den Zeitschriftenverlegern seit zwei Jahren auch evangelische Buchhändler und Verleger vertritt, ging es um die Frage, wie in Zukunft christliche Inhalte auch über elektronische Trägermedien transportiert werden können.

Die neuen Medien bringen auch die evangelischen Medienmacher in Schwung. So verzeichnete die EMVD mit an die 60 Teilnehmern einen Rekord, wie der EMVD-Vorsitzende Bernd Friedrichs zu Beginn feststellte. Prominenter Höhepunkt war am Abend der Besuch des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, der per Hubschrauber eingeflogen wurde. Heute wird auf der Mitgliederversammlung der EMVD ein neuer Vorstand gewählt werden. Bernd Friedrich, der bisherige Vorsitzende steht für das Amt aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung. Für die insgesamt drei Vorstandsposten stehen sechs Kandidaten zur Verfügung.

Bernd Friedrichs kritisierte
des Entwurf zum neuen
Datenschutzgesetz

Mit dem Motto wollte die EMVD Ideen für neue Strategien bei der Produktion von christlichen Medien vermitteln. Klarer Tenor in allen Vorträgen: Auch christliche Inhalte werden in Zukunft nicht mehr nur an ein Trägermedium wie dem Buch bzw. einem Printprodukt gebunden bleiben. Darauf müssten sich auch Buchhandlungen und Verlage einstellen. Friedrich wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass christlich geprägte Produkte vom Nutzen her entwickelt werden müssen.

Friedrich kritisierte in seiner Begrüßungsrede scharf die Datenschutznovelle, die im Bundestag jetzt zur Lesung gebracht werden soll. „Man kann hoffen, dass das Gesetz vor der Wahl nicht mehr kommt und mit der Bildung der neuen Regierung im Papierkorb landet“, sagte er. Er forderte Koch auf, innerhalb der Partei, seinen Einfluss gegen das Gesetz geltend zu machen. Das Gesetz verhindere es, mit den Abonnenten in Kontakt zu bleiben, kritisiert er.

Wilfried Ruf rief dazu auf,
nicht vom Produkt, sondern
vom Kunden her zu denken

Kundenorientierung bei der Gestaltung von Medienprodukten war das Credo von Wilfried Ruf vom Fachmedien Institut Mering, der seine Thesen in „zehn Gebote und ein Verfahren für konfessionelle Medienmacher kleidete. „Das erste Gebot lautet, du sollst Dich auf den Kunden ausrichten, und ihn als Teil deines Unternehmens betrachten“, sagte er. Als Beispiel nannte Ruf Nivea: Die Marke um ihren Kern, der Creme, werde auch um andere Pflegemittel fortentwickelt. „Täten die das nicht, wäre es so, als ob Sie immer nur Bücher machen wollten“, so Ruf.

Holger Behrens: Glaubt,
dass sich die Preisbindung für
elektronische Bücher nicht
halten lassen wird

Holger Behrens, Geschäftsführer der Digitalen Virtuellen Bibliotheken (DiViBib) und früherer kaufmännischer Geschäftsführer bei Falken nannte die Gründe, warum der E-Book-Reader sich auf dem Markt etablieren werde. Die Lesegeräte fänden im Gegensatz zum ersten Versuch ihre Akzeptanz, es gäbe eine kritische Masse an Inhalten und Schwergewichte im Markt hätten sich hinter das Konzept gestellt. Er bezweifelte aber, dass sich die Buchpreisbindung für elektronische Bücher aufrecht erhalten lassen werde.

Gerd-Matthias Höffchen:
Stellte überzeugendes Konzept
für die Kombination von
Print und Online vor

Als Beispiel für einen erfolgreichen Schritt in die Online-Welt stellte Gerd-Matthias Höffchen, Stellvertretender Chefredakteur der Zeitung „Unsere Kirche“ in Bielefeld den neuen Online-Auftritt seines Mediums vor und nannte Kriterien für den sinnvollen Einsatz von Homepages. „Das Printprodukt bleibt im Zentrum“, sagte er. Aber: Nur Texte aus der Zeitung als pdfs ins Internet zu stellen reiche nicht. „Internetseiten müssen bieten, was den Möglichkeiten des Mediums entspricht“, lautete seine Überzeugung für den sinnvollen Einsatz von Homepages für die kommenden fünf bis zehn Jahre. Nicht wie schön die Homepage werden solle, sondern „Was wollen Sie mit Ihrem Auftritt erreichen?“, sei die erste Frage, die sich jeder stellen müsse, empfahl er.

Dem Medium entsprechende Features seien Blogs, Tagebücher von Großveranstaltungen wie dem Kirchentag, Podcasts und andere. „Sie können die Arbeit am Printprodukt befruchten“, so der Redakteur. Mit redaktionellen Beiträgen im Internet Geld zu verdienen, sehe er allerdings mittelfristig nicht.

Michael Pijahn: Zeigte,
worin die Potenziale eines
richtigen Online-Auftritts liegen

Dass dieser erst eineinhalb Jahre alte Auftritt bereits ein Erfolg sei, bestätigte Michael Pijahn, Kaufmännischer Leiter des Evangelischen Presseverband Westfalen Lippe. Er rechnete zwar vor, dass die Werbung auf diesen Seiten zwar erst knappe 30000 Euro pro Jahr einbringe, aber die Wachstumskurven zeigten von Monat zu Monat nach oben. Er sah es als gutes Zeichen, dass über den neuen Internetauftritt der Zeitung auch die anderen Produkte des Medienverbandes einen um ein vielfaches stärkeren Absatz verzeichnen konnten als vorher. Das betreffe die Reiseveranstalteraktivitäten, den Absatz der Bücher des zum Hause gehörenden Luther Verlags und die Gewinnung von Abonnenten für die Zeitung. Er riet: „Wenn Sie es machen, machen Sie es richtig, am Anfang brauchen Sie immer einer Frustrationstoleranz.“

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