Erklärung der Literaturwerkstatt Berlin zur Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich der Eröffnung des internationalen Literaturfestivals

Die Literaturwerkstatt Berlin spricht sich in einer Erklärung gegen die Ankündigung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann aus, das Poesiefestival der Literaturwerkstatt unter das Dach der Berliner Festspiele zu holen [mehr…]. Darin heißt es u. a.: „Das Herauslösen des poesiefestival berlin aus dieser Gesamtkonzeption der Literaturwerkstatt Berlin würde die gesamte Statik des entstehenden Gebäudes zum Einsturz bringen und jahrelange Aufbauarbeit zunichte machen.“ Gleichzeitig erklärt die Literaturwerkstatt sich jederzeit zu Gesprächen bereit.

Die Literaturwerkstatt im Internet: www.literaturwerkstatt.org

Die Erklärung im Wortlaut:

In seiner Eröffnungsrede zum 7. Internationalen Literaturfestival kündigte Herr Staatsminister Neumann an, sowohl das poesiefestival berlin als auch das ilb erhalten zu wollen. Diese Ankündigung begrüßen wir aus vollem Herzen.

Nicht verständlich hingegen ist der Vorschlag des Kulturstaatsministers, das poesiefestival berlin fortan auch unter dem Dach der KBB (Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH), d.h. der Berliner Festspiele, zu verorten.

Das poesiefestival berlin ist fester Bestandteil einer Gesamtkonzeption zur Förderung und Stärkung der Poesie in unserem Land, wie sie von der Literaturwerkstatt Berlin als einziger Institution seit etwa zehn Jahren betrieben wird. Zu dieser Gesamtkonzeption gehören neben der kontinuierlichen ganzjährigen Arbeit der Literaturwerkstatt Berlin auch weltweit einzigartige und international vernetzte Arbeitszusammenhänge wie die mit dem Grimmepreis geehrte lyrikline.org, der ZEBRA Poetry Film Award – das Filmfestival der Dichtung und p0es1s – die Präsentations- und Kommunikationsplattform zur digitalen Poesie.

Das poesiefestival berlin gilt als Europas größtes Poesiefestival und sorgt dafür, dass in Deutschland geschriebene Dichtung in anderen Sprachen wieder wahrgenommen wird, weil sie im Ausland verlegt oder anderweitig distribuiert wird. Es ist das einzige Festival, das Poesie in all ihren zeitgenössischen Erscheinungsformen präsentiert, ob als Gedicht im herkömmlichen Sinne oder in künste- und medienübergreifenden Konstellationen, und für deren weltweite Verbreitung sorgt.

Die Projekte der Literaturwerkstatt Berlin sind über Jahre von Bund und Land geförderte Bausteine zu einer Institution, die ein kompetentes Zentrum für Poesie ist und sich der Belange von Dichterinnen und Dichtern sowie ihres Publikums in unserem Land endlich annimmt und die einer beherzten kulturpolitischen Begleitung und deutlicher Unterstützung bedarf. Auch die Bundesrepublik Deutschland braucht einen Ort, wo die Belange der Poesie als eigenständige Kunst verhandelt werden,
wie das in vielen anderen Ländern längst der Fall ist, sprich: Deutschland braucht ein Poesiezentrum.

Seit es die erwähnten Projekte und Strukturen um das poesiefestival berlin der Literaturwerkstatt Berlin gibt, wird Dichtung aus unserem Land international wieder wahrgenommen und Dichtung aus aller Welt kann auch in unserer Sprache ansatzweise rezipiert werden. Das Herauslösen des poesiefestival berlin aus dieser Gesamtkonzeption der Literaturwerkstatt Berlin würde die gesamte Statik des entstehenden Gebäudes zum Einsturz bringen und jahrelange Aufbauarbeit zunichte machen.

Dichterinnen und Dichter, letztlich auch die beiden Festivals, die Medien und unser Publikum erwarten zurecht, dass Lösungen entwickelt werden, die den Interessen der Künste und Künstler sowie der Öffentlichkeit dienen und die grundverschiedenen Inhalte beider Festivals gedeihen lassen.

Die Literaturwerkstatt Berlin erklärt erneut, dass sie jederzeit zu Gesprächen bereit ist und gerne an Lösungen mitarbeitet, die geeignet sind, den Dingen, um die es geht, gerecht zu werden: Förderung, Entwicklung, Produktion, Distribution von in Deutschland entstehender und entstandener Dichtung im internationalen Austausch.

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