Genf und Basel teilten sich die Buchwelt

Zwei Buchmessen am selben Wochenende im selben Land in zwei unterschiedlichen Städten, doch für eine Sache; das Buch: „Ist das der Sonderzug nach Genf?“ „Nein, das ist der Schnellzug nach Basel, aber da sind Sie auch richtig.“

So begann der Samstag Morgen im Hauptbahnhof Zürich. Der Zürcher Buchhändlerverein hatte einen ganzen Zug gemietet und Lesende, Schreibende und Zahlende zu einer Spritztour nach Genf eingeladen. Dass die Buchbranche überschaubar und familiär ist, wird vom Händeschütteln über das Schulterklopfen bis zum Zuwinken in allen Waggons bestätigt. Sonnendurchflutet fährt der Zug nach Genf, für die Kurzweil sorgen Lesungen und die rollende Minibar.

Basel oder Genf … Basel nach Genf … oder Genf und Basel, alle Variationen der Zukunft beider Buchmessen finden in Diskussionen lauschende Ohren.

Andere Stadt, andere Szenen Genf: Im Airport- und Messegeländebahnhof erwartet die Besucher ein Alphorn und eine Klarinette. Als Begrüssung in einer Sprache, die Zürcher und Genfer verstehen: dem Jazz. Die riesige Ausstellungshalle rumort und lärmt uns entgegen und kündigt an, dass das Medium Buch zum prallen Leben gehört. Kaum hat sich der unbedarfte Fremde umgesehen, so kann er ein Koran auf Deutsch mit Fussnoten sein Eigen nennen, überreicht vom Saudiarabischen Messestand.

Basel: Eine Uniformierte weist bestimmt aber sympathisch den Weg zum offiziellen Eingang. Im Eingangsbereich wähnt man sich dank den Drehkreuzen an einem Skilift. Ist die Schleuse geschafft, so lachen uns schon Garderobendamen und die Aussteller entgegen. Die Erstgenannten hüten für zwei Franken den Mantel, die zweitgenannten zeigen zum Beispiel eine Anthologie mit Texten aus der Weltliteratur. Für Schlaflose, wie der Titel verspricht.

Genf: Da ist sie, die deutschsprachige Pavillon-Insel im frankophonischem Meer. Der Buchhändler- und Verlegerverband wie Verlage aus Bern oder Zürich bestätigen die Ambivalenz des Besuchers; einerseits die Beruhigung, dass es hier Bücher in Deutsch zu haben gibt, andererseits das störende Gefühl, das man vom Urlaub her kennt, wenn in fremder Gegend ein allzu vertrauter Dialekt vernommen wird.

Basel: Auf der grossen Messe-Bühne vor hausgrossen und aufgeschlagenen Buchseiten lesen und reden soeben Autorinnen und Autoren über ihr Los im Künstlerleben.

Genf: Inmitten von Grossleinwänden und mit Ballons bewaffneten Kinderscharen steht deutsch und deutlich das nachgebaute Literatencafé Odeon in dem gerade gezeigt wird, wie ein Kinderbuch entsteht oder dass ein neues Taschenbuch mit den besten SMS-Sprüchen durch die Leseförderung entstanden ist.

Basel: An Ständen erläutern unermüdliche Kleinverleger mit herzerweichenden Worten die Gründe, warum ihre Bücher zur Weltliteratur gehören und der Nobelpreis nur eine Frage der Zeit sei. Sie stocken beim vorbeiziehenden Fernsehteam, doch die suchen den Initiator dieses Anlasses fürs nächste Interview, womit auch bestätigt wird, dass seine Tochter namens Zoë nun einen berühmten Vater hat.

Genf: Der Vertreter des grössten belletristischen Verlages möchte wissen, ob der Kaffee mit oder ohne serviert werden darf, die Vertreterin eines Lehrmittelverlages gibt schüchtern dem Radiojournalisten aus Solothurn zu einem Hörbuch Red und Antwort und der Mann eines landesweit operierenden Landkartenverlages möchte wissen, ob man sich an der OLMA in St.Gallen wiedersehen werde.

Basel: In Zelten auf dem Messeplatz verzaubert der Autor bei prasselndem Regen die Kinder in eine Märchenwelt.

Genf: Eine Kinderbuchautorin aus Frankreich besucht zum ersten Mal die Schweiz und versucht einer Journalisten aus Zürich zu erklären, warum ihr erstes Kinderbuch im deutschsprachigen Raum ein Bestseller ist.

Genf oder Basel? Das ist hier im Lande der unbegrenzten Ambitionen die Frage. Beantworten werden es die jeweiligen Buchhalter und Sponsoren. Die Leserin und der Leser sind sich jedoch einig, sie fahren auch in einem Jahr wieder hin…
Die Links zu den beiden Buchmessen: http://www.salondulivre.ch , http://www.buchbasel.ch

Urs Heinz Aerni

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