Heute etwas fürs Selbstbewusstsein der Sortimenter/innen: Warum sich BuchMarkt bei einer Redaktion in New York bedankt

Das Magazin The New Yorker erscheint monatlich. Es ist immer ein wenig weniger aufgeregt als seine Nachbarn am Zeitungskiosk. Auch die Moden der Saison irritieren es nicht so recht. Etwas betulich, meinen einige, verschnarcht, würden wohl junge Magazinmacher in München oder Hamburg sagen. Von Anbeginn bis heute werben nicht Schlagzeilen oder Pressefotos, sondern Arbeiten bildender Künstler auf der Titelseite um die Käufer.

Dass der New Yorker eine Institution weit über die Stadt hinaus ist, wird jedoch keiner bestreiten. Und dass sie höchst profitabel sei, sicherlich auch nicht, mit Auflagen, von denen Verleger hierzulande nicht einmal zu träumen wagen.

In den Rubriken „Was die Stadt erzählt“, „Worüber die Stadt spricht“, „Gebrüll und Gemurmel“ und anderen findet sich Journalistisches und Literarisches auf hohem Niveau, die Zeichnungen und Cartoons sind in Grafikkabinetten der großen Museen dieser Welt zu finden. Mit Gelassenheit, Ironie und großer Empathie wollen die Autor/innen ihrer Rolle als Chronisten gerecht werden.

Jetzt hat die Redaktion entschieden, im Dezember eine eigene Anzeigenserie mit dem Slogan „Have You Booked Your Holiday?“ in anderen Zeitschriften zu veröffentlichen, zu der ihre Cartoonisten Danny Shanahan und Mort Greenberg ganzseitig Bilder aus dem Alltag der Buchhändler eingefangen haben.

„Die Anzeigenabteilung des New Yorker lädt Sie ein“, so steht es in der ersten Anzeige, „die Feiertage zu buchen. Egal, welche Neigungen die Menschen haben, die auf Ihrer Geschenkliste stehen, Sie können entspannt damit rechnen, dass Sie etwas Einzigartiges und für jeden Besonderes bei nur einem einzigen Ausflug in Ihre nächste Buchhandlung finden. Sparen Sie in diesem Jahr Zeit und nehmen Sie Geschenke, die immer aufs Neue geöffnet werden.“ Und am Ende der Seite wird behauptet: „Etwas für jeden. Buchstäblich.“

David Carey, Verleger des Magazins, begründet die Aktion damit, dass das Buchgewerbe einer der bedeutensten Bausteine für den Erfolg der Zeitschrift und seine Lesekultur sei und sie eine enge Verwandtschaft mit Buchverlegern und Buchhändlern empfinden. Daher möchten sie auf ihre Weise den Buchmarkt in dem sehr wichtigen Weihnachtsgeschäft unterstützen.

Ob zu dieser uneigennützigen Nachbarschaftshilfe auch dazu beiträgt, dass die Mannschaft des New Yorker gelassener die anderen Medien betrachtet, weil sie sich ihrer eigenen Substanz bewusst ist?
Dass sie vielleicht immer noch die Ausstrahlung wahrnimmt, die von den meisten Büchern ausgeht?
Dass sie sich selbst deren vielfältigen Reizen nicht entziehen kann?
Jedenfalls von hier aus ein großes Dankeschön.
vh

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