IPA: Der feste Ladenpreis gewinnt international wieder an Boden

Zwar haben sich die Argumente pro und contra Buchpreisbindung im Grundsätzlichen nicht geändert. Angesichts der massiven Veränderungen, die für den Buchmarkt auf Grund einer rasant zunehmenden Globalisierung und im eskalierenden Konflikt mit Amazon stattfinden und weiter drohen, sind jedoch die alten Fronten international in Bewegung gekommen. Das stellt der Internationale Verlagverband (IPA) in einer Übersicht der aktuellen Entwicklungen fest.

Gewiss, in Griechenland ist der feste Ladenpreis wegen der finanziellen Notlage breiter Bevölkerungsschichten aufgehoben worden – in der Erwartung, dass Bücher so billiger und für mehr Menschen erschwinglich werden. In Dänemark hat die Regierung es abgelehnt, eine Buchpreisbindung einzuführen, für welche die Buchhändler und Verleger sich ausgesprochen hatten. In Kanada war bereits ein Preisbindungsgesetz beschlossen und angekündigt – doch umgesetzt wird es wegen eines Regierungswechsels nun wohl doch nicht. Und in Mexiko gibt es zwar seit 2008 den festen Ladenpreis für Bücher, nur greift er nicht wirklich, weil es an Kontrollen fehlt – was wieder einmal beweist, dass er nur funktionieren kann, wenn die Buchbranche sich geschlossen an die entsprechenden Gesetze und Regeln hält.

In Israel aber gibt es seit dem vergangenen Jahr für die ersten 18 Monate einer Novität feste Ladenpreise für Bücher. Slowenien hat am 24. Januar dieses Jahres ein Preisbindungsgesetz eingeführt, das einen festen Ladenpreis für die ersten sechs Monate einer Neuerscheinung vorschreibt. Und in Norwegen treten mit dem 1. Januar 2015 neue Richtlinien in Kraft, die eine Buchpreisbindung einschließen.

Des weiteren berät das polnische Parlament eine Gesetzesvorlage zur Preisbindung nach dem französischen Modell und das Parlament in Ungarn ein Preisbindungsgesetz nach deutschem Muster. Und – falls es in zwei Monaten per Volksabstimmung zu einer politischen Trennung
vom preisbindungsfeindlichen England kommen sollte, so wäre dann auch im unabhängigen Schottland ein fester Ladenpreis nicht unwahrscheinlich.

Das alles muss nicht so explizit gegen Amazon und seine die Verlage und den Buchhandel gefährdenden Grenzüberschreitungen gerichtet sein wie die französischen Gesetzeszusätze, die der Senat vor einem halben Jahr in Paris verabschiedet hat. Doch es zeichnet sich eine Tendenz ab, die ein neues politisches Verständnis von der Bedeutung des Kulturguts für die Gesellschaft spiegelt.
Gerhard Beckmann

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