Jean Ziegler als Eröffnungsredner für die Salzburger Festspiele ausgeladen

Die Wahl des diesjährigen Redners zur Eröffnung der Salzburger Festspiele am 26. Juli durch Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) war auf den Schweizer Soziologen, Sachbuchautor, ehemaligen UNO-Sonderberichterstatter und gegenwärtigen Vizepräsidenten des beratenden Ausschusses des UNO-Menschenrechtsrats Jean Ziegler gefallen. Am vergangenen Donnerstag erfolgte die offizielle Ausladung Zieglers – Begründung: seine vermeintliche Nähe zu Gaddafi.

Auch ein Menschenrechtspreis, den Ziegler angeblich von Gaddafi erhalten habe, wurde zur Begründung für die Absage ins Feld geführt. „Ich muss die Festspiele vor solchen Diskussionen schützen, denn wer weiß schon, was bis Ende Juli in der Welt passiert“, wird Burgstaller im ORF zitiert.

Dazu äußert sich Jean Ziegler wie folgt: „Ich bin zutiefst verwundert über das Vorgehen der Landeshauptfrau. Von Gaddafi habe ich mich längst distanziert, seinen Preis sofort abgelehnt. Das hätte Frau Burgstaller leicht überprüfen können.“
Bereits am 5. März forderte Ziegler in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung ein sofortiges Eingreifen in Libyen und sagte: „Gaddafi hat einen absoluten Realitätsverlust erlitten. Sein Fall könnte einen Psychiater interessieren, mit politischen Kategorien ist ihm nicht mehr beizukommen. Gaddafi ist völlig verrückt.“

Inzwischen haben sich dazu die Autoren Elfriede Jelinek, Michael Scharang und Peter Turrini zu Wort gemeldet und in einem Schreiben mit Jean Ziegler solidarisiert. Für sie ist der Umgang mit dem Schweizer Intellektuellen inakzeptabel: „Wir empfehlen den Salzburger Festspielen, sich diesmal selbst auszuladen und den Festspielsommer mit der Schmach und der Schande zu verbringen, mit der sie sich überhäuft haben.“

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