Kiepenheuer & Witsch wehrt sich gegen Einschüchterungsversuch der Pharmaindustrie

Der deutsche Pharmakonzern Schaper & Brümmer, Hersteller der Echinacin-haltigen Mittel Esberitox N und Esberitox mono, droht dem Verlag Kiepenheuer & Witsch mit gerichtlichen Schritten gegen das soeben auf den Markt gekommene Buch „3 x täglich. Kritische Gebrauchsinformationen zu 11.000 Arzneimitteln“.

Die Anwälte des Pharmakonzerns wollen folgende Aussagen verbieten lassen:
„Es gibt keinen seriösen Nachweis, dass dieses pflanzliche Mittel die Häufigkeit, Schwere oder Dauer von Infektionen medizinisch bedeutsam vermindern kann. Wir raten von der Verwendung dieses Mittels ab, weil ein überzeugender Wirksamkeitsnachweis fehlt und in seltenen Fällen lebensbedrohliche Nebenwirkungen auftreten können.“

Der Autor des Buches Dr. Hans Weiss und der medizinische Gesamtgutachter Prof. Jörg Remien sehen in Übereinstimmung mit dem Verlag keine Veranlassung, diese Behauptungen zurückzuziehen. Kiepenheuer & Witsch will geeignete juristische Maßnahmen ergreifen, um die Weiterverbreitung dieser Informationen zu gewährleisten.

Esberitox N und Esberitox mono stehen im Buch „3 x täglich“ in einer Liste von insgesamt 84 Medikamenten, die nach Meinung des Autors und des Gesamtgutachters von den Gesundheitsbehörden verboten werden sollten.

Bereits 1991 erhielt die Berliner Fachzeitschrift „arznei-telegramm“ von einem Arzt für Allgemeinmedizin eine Meldung über eine lebensbedrohliche Nebenwirkung nach der Einnahme von Esberitox N Tabletten:
„20 Minuten nach Einnahme Schwellung an beiden Händen mit Rötung und starkem Juckreiz; bei erneuter Einnahme am nächsten Tag nach 20 Minuten zusätzlich monströse Zungenschwellung und Schlundschwellung mit Schluckstörungen und Atemnot; Einweisung auf Intensivstation durch Notarzt. Schweregrad/Folgen: lebensbedrohlich.“ (Fall Nr. 4.510 im „Netzwerk der gegenseitigen Information“). Laut Gesetz wäre der Pharmakonzern Schaper & Brümmer dazu verpflichtet, solche lebensbedrohlichen Nebenwirkungen in den Beipackzetteln anzuführen.

Eine neue, von den amerikanischen Gesundheitsbehörde mitfinanzierte Studie über die Wirksamkeit von Echinacin kam im Dezember 2002 zu dem eindeutigen Ergebnis: „Echinacin: kein Nutzen bei Erkältungskrankheiten“. Ähnliche Aussagen gibt es von der österreichischen „Pharmainformation“, vom deutschen „Arzneiverordnungsreport“ und von der weltweit angesehenen Harvard Medical School.

Für die Pharmakonzerne geht es in dieser Sache um viel Geld: Mit Echinacin nehmen sie allein in Deutschland jährlich 30 Millionen Euro ein.

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