Lesetipp: Christian Wulff will als erster Ministerpräsident die Rechtschreibreform kippen

Heute in der BAMS: Nur 13 Prozent der Deutschen sind laut der jüngsten Umfrage des Allensbach-Instituts mit der Rechtschreibreform einverstanden. Aber bisher war jeder Widerstand vergeblich. Vergangene Woche beschloss die Kultusministerkonferenz (KMK): Ab 1. August 2005 sollen die umstrittenen Regeln an allen Schulen und Universitäten verbindlich gelten. Doch jetzt stellt sich überraschend der erste Spitzenpolitiker hinter die Kritiker.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff fordert, im letzten Moment die Notbremse zu ziehen und die Rechtschreibreform zu kippen!„Deutschland sollte bis auf wenige Ausnahmen zur alten Rechtschreibung zurückkehren und einen Schlussstrich unter diese unselige Diskussion ziehen“, so Wulff zu BILD am SONNTAG.

„Wir haben jetzt noch die Chance dazu – auch wenn darunter nur einige Schülerjahrgänge leiden, trifft es immer noch eine Minderheit der Deutschen, die zudem sehr verunsichert ist.“

Viele Lehrer wüssten nicht genau, was sie vom kommenden Jahr an den Kindern beibringen sollten. „Es darf bei der korrekten Schreibweise aber keine Grauzonen geben“, sagt er. „Deshalb sollte zum Beispiel bei der Getrennt- und Zusammenschreibung wieder die alte Rechtschreibung verbindlich gelten.“

Gleichgültigkeit bei Fragen der Orthographie sei für die deutsche Sprache „eine schlichte Katastrophe“, so der CDU-Vize. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“

Die Verantwortlichen für die Rechtschreibreform greift Wulff scharf an: „Die Reform ist der Arroganz vermeintlicher Experten und der zuständigen Gremien geschuldet. Nie wurde beachtet, dass Sprache gewachsenes Kulturgut und dem Zugriff der Politik in hohem Maße entzogen ist.“

Vergangene Woche hatten die Kultusminister die „Zwischenstaatliche Kommission“, die bisher für die neuen Regeln verantwortlich war, durch einen „Rat für deutsche Rechtschreibung“ ersetzt. Er hat die Aufgabe, der KMK in fünf Jahren einen Bericht über den Stand der Rechtschreibung vorzulegen.

Doch nach Ansicht von Wulff ist das Gremium überflüssig: „Was nützt es, wenn der ‚Rat für Rechtschreibung‘ in fünf Jahren die Entwicklung der Rechtschreibung beobachtet und erst dann Regeln möglicherweise ändert?“

Bis dahin habe sich „viel Unsinniges verfestigt“, kritisiert der Regierungschef. „Was falsch ist, darf aber nicht zur Regel werden!“

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