Martin Walker auf Deutschland-Tournee / Gestern bei Literatur Moths in München

Rappelvoll war es am Donnerstagabend bei Literatur Moths in München, als Martin Walker (Foto) seinen neuen Bruno-Roman vorstellte. Walker kann schreiben, er kann erzählen, er kann recherchieren, er kann kochen – und er kann sogar singen: „An Tagen wie diesen …“. Unterwegs im Auto hat er mit Diogenes-Vertreter Mario Max sein ohnehin schon respektables Deutsch weiter verbessert, er kennt den Text der Toten Hosen, und so stimmt es einfach: „… erleben wir das Beste, und kein Ende ist in Sicht.“

Kein Ende ist in Sicht für die Beliebtheits- und Erfolgskurve dieses schottischen Autors, der noch bis zum 2. Juni unermüdlich durch Deutschland reist. Provokateure – Der siebte Fall für Bruno, Chef de police ist sofort auf die ersten Plätze der Bestsellerlisten gesprungen. Kein Wunder, gelingt es ihm immer wieder, seine liebevollen Schilderungen des guten Lebens und der guten Leute des Périgord nicht zur falschen Idylle werden zu lassen. Im neuen Buch wird das fiktive, aber völlig authentisch geschilderte Städtchen in Machenschaften des islamistischen Untergrunds verwickelt. Walker verriet ein bisschen, was uns im neunten Fall erwartet, an dem er gerade schreibt (übrigens mit strenger Disziplin, wo immer er ist, drei Seiten pro Tag): Vom „schönsten Auto der Welt“, einem Bugatti Atlantic Type 57, hat Ettore Bugatti ganze vier Exemplare gefertigt, eines davon ist kürzlich für 10 Millionen $, ein zweites für 38 Millionen $ verkauft worden; das dritte wurde im 2. Weltkrieg zerstört und das vierte versteckt: natürlich im Périgord. Übrigens eine wahre Geschichte. Auf die Frage einer Leserin, was denn aus der Beziehung zu Isabelle werde, verriet er nur, eine andere Femme fatale werde Bruno verführen.

Wer die Zeit bis zum Erscheinen des achten Bandes auf Deutsch überbrücken will, findet in Brunos Kochbuch jede Menge Ablenkung mit Rezepten und Geschichten aus dem Périgord. Walker stellt klar, dass seine Frau Julia hier die eigentliche Expertin ist, er habe immer nur Berge von Tellern abgewaschen. Das Buch ist nämlich nicht wie so viele Kochbücher im Studio mit Hilfe von Food-Stylisten entstanden, sondern echt in Walkers Küche fotografiert. Die Eier stammen übrigens von den eigenen Hühnern und bestärken seinen Glauben an eine gute Zukunft Europas: der Hahn heißt Sarko und das (vor Carla Bruni, Hillary Clinton und Margaret Thatcher) legefreudigste Huhn heißt Angela. Diogenes wird damit nicht zum Kochbuchverlag, aber für seine ganz großen Krimi-Autoren macht er auch das möglich, siehe Georges Simenon und Donna Leon.

Spät am Abend verabschiedet sich der sinnenfrohe Autor mit einem letzten Schluck Bergerac und dem Hinweis auf Hemingway, dem er den Rat verdankt, eine Schreibphase nie mit einem Kapitelende abzuschließen, sondern mittendrin – so finde man am nächsten Morgen leichter den Anschluss. Freuen Sie sich auf den neuen Bruno, und freuen Sie sich, dass kein Ende in Sicht ist.

Ulrich Störiko-Blume

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