Minipressen-Messe aufwerten

Jürgen Kipp und Annette Ludwig

Gestern Abend trafen sich etwa 50 Interessierte im Rathaus von Mainz, um über die künftige Gestaltung der Mainzer Minipressen-Messe zu diskutieren.

Zu dieser Runde hatten der langjährige Kurator Jürgen Kipp und die seit 2010 amtierende Direktorin des Gutenberg-Museums, des Veranstalters der Messe, Dr. Annette Ludwig eingeladen.

Die Idee für eine Messe der Kleinverleger und Handpressen hatte Victor Otto Stomps bereits 1953. Nach Vorläufern in Frankfurt fand 1970 auf Initiative von Norbert Kubatzki die erste Minipressen-Messe in Mainz statt, seit 1987 hat sie ihren festen Platz in Zelten am Rheinufer und wird alle zwei Jahre veranstaltet. So kamen zur letzten Messe 2011, der mittlerweile 21. Präsentation, etwa 300 Verlage aus 15 Ländern, fast 10.000 Besucher schauten sich an vier Tagen in den Zelten um.

Seit 1979 wird der V. O. Stomps-Preis für außergewöhnliche kleinverlegerische, buchgraphische oder literarische Leistungen vergeben. Die Verleihung findet am ersten Messetag statt.

Ist die Minipressen-Messe noch zeitgemäß? Sollte sie in einem festen Haus abgehalten werden? Wären zwei separate Bereiche einerseits für Kleinverlage und andererseits für Buchkünstler zweckmäßig? Müsste man Eintritt verlangen? Sollte die Anmeldegebühr erhöht werden? Könnte eine Jury vorab eine Auswahl der Teilnehmer vornehmen? Um all diese Fragen ging es.

Jürgen Kipp hatte fünf verschiedene Konzepte erarbeitet, die Kosten für die einzelnen Varianten überschlagen und stellte diese Vorschläge zur Diskussion.

Johannes Strugalla erinnerte daran, dass bereits 1989 über Veränderungen gestritten wurde, stets sei es um den Konflikt zwischen einer breiten und einer höherwertigen Messe gegangen. Eine Jury zur Bewertung der Teilnehmer, die seit Jahren nach Mainz kommen, sei nicht wünschenswert. Aber solle man nicht neue Aussteller eingehender betrachten?
Von dem Vorschlag, die Buchkünstler zu separieren, hielt Johannes Strugalla nicht viel. Entsprechende Versuche, die es bereits gegeben hatte, schlugen fehl. „Bei uns werden künstlerische und literarische Ansätze nicht diskutiert. In Frankreich und den USA ist das anders. Auch in diesen Ländern beteiligen sich deutsche Aussteller an ähnlichen Messen“, stellte Strugalla fest. Allerdings seien diese Veranstaltungen privat organisiert und finanziert. Ein großer, über den regionalen und nationalen Rahmen hinausgehender Werbeauftritt könne die Mainzer Messe befördern.

Von vielen Diskutanten wurde die einzigartige Atmosphäre in den Zelten am Rheinufer gelobt und das Engagement von Jürgen Kipp gewürdigt. Die Zelte am Fluss sollten auf jeden Fall beibehalten werden. Allerdings sind Verbesserungen angebracht, gerade die Produkte der Buchkünstler leiden unter dem Zeltklima. Vielleicht könnten für sie im Rahmen der bestehenden Messe bessere Bedingungen geschaffen werden?

Auch eine Kooperation mit branchennahen Fachhochschulen und Museen könnte der Messe nützen. So sollten die Verantwortlichen beispielsweise Studierende einbeziehen, das würde sich auch positiv auf das Interesse der jungen Leute auswirken.

Die Messe sollte außerdem stärker in die Stadt hineingetragen werden. Zwar sei das Gutenberg-Museum integriert, aber es müsse gelingen, weitere Orte für Veranstaltungen zu gewinnen. Die Gastronomie sollte dabei nicht vergessen werden.

Im gut zweistündigen Disput wurden viele Vorschläge unterbreitet. Auf die Mainzer Minipressen-Messe wollte allerdings kaum jemand verzichten.

Die Messe, deren Durchführung die Veranstalter etwa 45.000 Euro kostet, kann eher nicht mit einem wesentlich höheren Budget in Zeiten angespannter Finanzlage in den Kommunen rechnen. Aber sie kann mit Unterstützung der Stadt rechnen, so versicherte Kulturreferent Jan-Sebastian Kittel. Man werde das Rathaus einbeziehen, es an den Messetagen öffnen. Auch kostenfreie Parkplätze für die Aussteller könnten in den Parkdecks am Rathaus zur Verfügung gestellt werden.

Ob die nächste Mainzer Minipressen-Messe 2013 wieder wie gewohnt am Himmelfahrtswochenende stattfindet, ist noch nicht geklärt; eine Kollision mit dem zum gleichen Termin geplanten Marathon in Mainz sollte jedenfalls vermieden werden.

JF

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