Rechte an Alfred Döblin wieder beim S. Fischer Verlag / Vier Hörbuch-Lizenzen und eine Dünndruck-Lizenz bleibt bei Patmos

Das Werk von Alfred Döblin kehrt im Jahre 2008 zu S. Fischer zurück. Das gibt der Verlag jetzt in einer Pressemitteilung bekannt. Der in Paris lebende Sohn des großen Schriftstellers, Stephan Döblin, und das Frankfurter Verlagshaus unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung über die Weltrechte an dem umfangreichen Oevre, das bisher im Patmos Verlagshaus erschien. In bestehende Lizenzverträge tritt S. Fischer als Lizenzgeber ein.

Im Hause Fischer nimmt man das Datum offensichtlich als ein historisches wahr. „Wir sind sehr glücklich. Dass einer der Kühnsten, der Spannungsreichsten und Folgenreichsten unter den Großen der deutschsprachigen Moderne nun wieder im S. Fischer Verlag erscheint, ist für unser Haus ein großes Ereignis“, so Monika Schoeller, die Verlegerin des S. Fischer Verlags.

Patmos dankt für die Nutzung der Lizenzen

Wie es in einer zeitgleichen Erklärung aus dem Hause Patmos heißt, hatte der Düsseldorfer Verlag den Döblin-Erben vorgeschlagen, die Rechte einem anderen Verlag anzubieten, um das Werk Alfred Döblins dem deutschen Publikum wieder neu zugänglich zu machen. „Die dafür notwendigen Publikations- und Marketingmaßnahmen sind im Rahmen der programmatischen Ausrichtung von Patmos nicht realisierbar. Patmos pflegt zwar unter dem Label Artemis & Winkler literarische Klassiker, versteht sich jedoch nicht als Autorenverlag, der die Gesamtwerke einzelner Autoren pflegt“, heißt es darin.

Allerdings: Auf ausdrücklichen Wunsch der Erben gewährt der Fischer-Verlag Patmos eine Lizenz für die Hörbuchrechte für vier Titel, darunter „Berlin Alexanderplatz“, sowie die Lizenz für eine Dünndruckausgabe von „Berlin Alexanderplatz“.

Bereits im September 2008 werden zentrale Werke Döblins als gebundene Bücher in preisgünstigen Leseausgaben erscheinen, kündigt Fischer an. „Die drei Sprünge des Wang-lun“, „Wallenstein“, „Giganten“, „Pardon wird nicht gegeben“, „Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende“ und der vierbändige Roman „November 1918. Eine deutsche Revolution“, lauten die Titel. Bereits lieferbar ist „Berlin Alexanderplatz“ mit dem Nachdruck des legendären Umschlag der Erstausgabe.

Patmos setzt Ausverkaufsfrist

Die Ausverkaufsfrist für die Patmos-Bücher endet am 31.12.2008. Die Taschenbuchausgaben sind bis auf Weiteres bei dtv lieferbar. „Das Patmos Verlagshaus dankt den Döblin-Erben für die Zusammenarbeit und die Möglichkeit, die Rechte in den letzten Jahrzehnten verwerten zu können“, heißt es aus dem Düsseldorfer Verlagshaus.

Der am 10. August 1878 in Stettin geborene Alfred Döblin war (nach ersten Veröffentlichungen in der Expressionistenzeitschrift „Der Sturm“ und einem Novellenband im Verlag Georg Müller) mit seinem 1912 entstandenen Roman „Die drei Sprünge des Wang-lun“ zu S. Fischer gekommen.

Betreut von Oskar Loerke, erschien der Roman Ende 1915 und wurde zu einem ersten beachtlichen Erfolg. Es folgten anderthalb Jahrzehnte, in denen Alfred Döblin, der praktizierende Neurologe und Psychiater, zu einem der wichtigsten Autoren der europäischen Moderne wurde. Im S. Fischer Verlag erschienen seine Romane und Novellen; und die von Samuel Fischer begründeten Kulturzeitschrift „Neue Rundschau“ wurde für Döblin zu einem wichtigen Ort seiner temperamentvollen publizistischen, kritischen, theoretischen, glossierenden Texte. 1929 erschien dann „Berlin Alexanderplatz“, unbestritten ein Höhepunkt der Romankunst des 20. Jahrhunderts.

Während der Exilzeit wurden weitere Werke im mit S. Fischer verbundenen Querido Verlag, Amsterdam veröffentlicht – nach dem Zweiten Weltkrieg trennten sich jedoch die publizistischen Wege von Autor und Verlag. Am 26. Juni 1957 starb Alfred Döblin in Emmendingen.

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