Soll sich der Deutsche Jugendliteraturpreis stärker auf die originär deutschsprachige Kinder- und Jugendbuchproduktion konzentrieren?

Eine Initiative deutschsprachiger Kinder- und JugendbuchautorInnen und IllustratorInnen fordert in einem offenen Brief an Bundesministerin Dr. Kristina Schröder eine Änderung der Statuten des einzigen deutschen Staatspreises für Literatur, des Deutschen Jugendliteraturpreises.

Die Forderung, die inzwischen über 400 Autoren und Illustratoren unterschrieben haben, lautet: „Eine Änderung der Vergaberichtlinien des Deutschen Jugendliteraturpreises in folgenden zwei Punkten ist unabdingbar und überfällig:
1. Zugelassen werden sollen in der Bewertung durch Kritiker- und Jugendjury deutschsprachige Originalwerke in den Sparten Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch.
2. Deutsche Übersetzungen von fremdsprachigen Werken sollen separat, das heißt in einer eigenen Sparte/ eigenen Sparten prämiert werden.“

Der 1956 ins Leben gerufene Preis wird jährlich an deutschsprachige oder übersetzte Werke lebender Autoren vergeben, die jeweils im Vorjahr zum ersten Mal im deutschsprachigen Markt erschienen sind. „Abgesehen davon, dass also dieser Staatspreis – anders als in anderen Ländern – nicht der Anerkennung und Förderung der eigenen Literaturproduktion dient, wird Übersetzungen zudem noch ein starker Vorteil gewährt: Sie haben jahrelang Zeit, sich in ihrem Heimatland zu bewähren, Preise zu gewinnen, Bestsellerlisten anzuführen und hohe mediale Anerkennung zu erlangen – kurz: sich zu etablieren, bevor sie hier in der Übersetzung erscheinen und in den Wettbewerb gehen“, argumentiert die Initiative und rechnet vor: „Bei Betrachtung der Nominierungslisten der vergangenen zehn Jahre zeigt sich: 70% der nominierten Kinder- und Jugendbücher sind keine deutschsprachigen Originalwerke. Im Nominierungsjahr 2013 betrug die Anzahl der nominierten Kinderbücher von deutschsprachigen AutorInnen: 0%. Wie auch bereits in den Jahren 2005, 2006 und 2007.“ Der gesamte offene Brief ist hier nachzulesen.

Der Verband der deutschsprachigen Literaturübersetzer (VdÜ) widerspricht dem Anliegen der Initiative: „Die internationale Ausrichtung des Deutschen Jugendliteraturpreises muss bewahrt bleiben.“

Weiter heißt es: „Die InitiatorInnen und Unterzeichnenden des Offenen Briefes haben für meine Begriffe bei ihrer Klage deutlich zu kurz gedacht. Denn die beklagte mangelnde Aufmerksamkeit liegt vor allem daran, dass in Deutschland Jahr für Jahr immer mehr Bücher für Kinder- und Jugendliche produziert und verkauft werden (2012 mehr als 8000 Titel) – das Angebot ist gewaltig und unüberschaubar, es wird eine Fülle von Büchern für Kinder und Jugendliche auf den Markt geworfen, die mit Literatur wenig zu tun haben und für den DJLP überhaupt nicht in Frage kommen, aber gute Umsätze und damit Geld in die Kassen bringen – nur nicht in die aller an dem Geschäft Beteiligten. Das ist sicherlich ein Problem – aber wie sollte ein Staatspreis das lösen?“ Den gesamten Text gibt es als pdf im Pressebereich auf der Website des VdÜ: literaturuebersetzer.de/download/presse/PM-internationale-Ausrichtung-DJLP.pdf. Die Stellungnahme des Arbeitskreises für Jugendliteratur, der den Preis ausrichtet, findet sich hier.

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