Sonntagsgespräch von Gerhard Beckmann mit Michael Henkel und Maria Steinkreß von Pustet Passau

Michael Henkel, Maria Steinkreß

Michael Henkel ist 1991 als Auszubildender in das Unternehmen Pustet eingetreten und ist seit 2003 Filialleiter von Bücher Pustet in Passau. Maria Steinkreß ist stellvertretende Filialleiterin und betreut darüber hinaus insbesondere die Warengruppen Belletristik und Geschichte.

BECKMANN: Die Höhe der gegenwärtigen Remissionen bereitet Ihnen Kummer…
HENKEL: …weil die heutige Remissionspraxis ein kostenintensives und zum Teil sogar unnötiges Verfahren darstellt.

BECKMANN: Wie hoch ist die Remissionsquote denn in Ihrer Buchhandlung?
HENKEL: Wir haben sie Gott sei Dank bereits erheblich reduzieren können. Vor fünf Jahren lag sie für Belletristik, Sachbuch, Ratgeber, Kinder- und Jugendliteratur, für das allgemeine Sortiment also, noch bei 20, hin und wieder sogar bei bis zu 25 Prozent. Heute beträgt sie im Schnitt noch 10 Prozent. Wobei ich anmerken muss, dass wir die Remissionsquote dadurch berechnen, dass wir den Wert der eingekauften Bücher eines bestimmten Zeitraums dem Wert der zurückgeschickten Bücher dieses Zeitraums gegenüberstellen.

BECKMANN: Und wie haben Sie die Remissionsquote um rund die Hälfte senken können?
STEINKRESS: Zunächst einmal durch vorsichtigeres Einkaufen. Ein Problem ist bekanntlich die Überproduktion der Verlage. Schon allein die 50 bis 80 Leseexemplare von belletristischen Hardcover-Novitäten sind für Sortimenter neben dem Alltagsgeschäft schlicht nicht mehr zu bewältigen. Und was sonst noch alles mit oft fragwürdigen PR- und Werbeversprechungen angepriesen wird – wie soll man sich da noch ein solides Urteil bilden können? Deshalb steigen wir beim Erstbezug mit kleineren Mengen je Titel ein und beobachten, wie sich der Titel weiter entwickelt. So bestelle ich häufig nicht mehr wie früher 5, sondern nur noch 3 Exemplare.
HENKEL: Auf eine verstärkte Nachfrage nach einem bestimmten Buch können wir durch unser ausgefeiltes Warenwirtschaftssystem heute ohnehin recht zügig reagieren. Auch die laufende Bestandskontrolle ist dadurch erheblich leichter geworden.

BECKMANN: Eine 10-prozentige Remissionsquote macht Sie aber noch immer unglücklich…
HENKEL: Es wäre für den Buchhandel wie für die Verlage vorteilhaft, sie weiter drastisch zu reduzieren. Sie verursacht einfach für alle Beteiligten entschieden zu hohe Kosten und zu viel administrativen Aufwand, der schließlich ebenfalls irgendwo zu Buche schlägt. Das ist das generelle Problem. Damit hat sich’s aber noch nicht.

BECKMANN: Und wo drückt Sie der Schuh im besonderen?
HENKEL: Wenn eine Buchhandlung Glück hat, werden ihr die Remittenden zu den Bezugskonditionen gutgeschrieben…
STEINKRESS: …das ist der positive Fall…
HENKEL: …häufig kommt es jedoch anders: Da wird die Gutschrift mit einem erhöhten Rabattabzug erstellt. Weil die zurückgeschickten Exemplare sich angeblich nicht in einem wiederverkaufsfähigem Zustand befinden.

BECKMANN: Trifft das oft nicht tatsächlich zu?
STEINKRESS: Sicher, das kommt vor. Nur stellt sich hier die Frage der Überprüfung und der Kontrolle. Waren die fraglichen Exemplare bereits in der Buchhandlung in einem schlechten Zustand, oder wurden sie erst bei der Remission beschädigt? Und wer kann sich noch an ein konkretes Buch erinnern, wenn die Gutschrift Wochen später ins Haus flattert?
HENKEL: Sehr viele Vertreter stellen bei ihrem Besuch eine Blanko-Remi-Genehmigung aus. Sie schauen sich die zu remittierenden Bücher nicht genau oder überhaupt nicht an. Das ist natürlich auch eine Zeitfrage. Oft ist ihnen sogar selbst nicht bekannt, zu welchen Konditionen die Verlage oder Auslieferungen die Remissionen gutschreiben.
STEINKRESS: Und dann erstellen wir hinterher unsere Remissionsrechnung und senden sie an den Verlag…
HENKEL: …und der Verlag schickt uns die Gutschrift, bei der er uns Titel um Titel nicht den Bezugspreis gutschreibt, sondern einen erhöhten Rabatt von bis zu 70 – mitunter sogar 80 – Prozent ansetzt. Da läppert sich dann am Ende ein ganz hübscher Verlust für uns zusammen.
STEINKRESS: Nicht selten mit dem Aufschlag einer zusätzlichen Bearbeitungsgebühr…
HENKEL: …die wir nicht mehr akzeptieren können. Wie sich gezeigt hat, erhöht so mancher Verlag daraufhin kurzerhand den Rabattsatz, um die Bearbeitungsgebühr damit zu „verschleiern“.

BECKMANN: Und wie könnte Ihrer Meinung nach eine Lösung dieser Probleme mit den Remissionen aussehen?
STEINKRESS: Indem Remissionen aktuell vor Ort entschieden werden. Unter Anschauung der fraglichen Exemplare, im Gespräch mit den Vertretern. Das heißt: kontrolliert. Indem die Sache nicht Wochen später entschieden wird, irgendwie pauschal und willkürlich durch die Verlagsauslieferung oder wen auch immer. Wo die zurückgesandten Exemplare dann wohl kaum in jedem Einzelfall genau angeschaut werden und zu einem Zeitpunkt, zu dem eben auch der Buchhändler längst nicht mehr über den Zustand jedes einzelnen Buches im Bilde ist.
HENKEL: Die Lösung des Problems muss allen Beteiligten Vorteile bringen. Es muss einfach pragmatischer vorgegangen werden.

BECKMANN: Zum Beispiel wie?
HENKEL: Es wäre in vielen Fällen, insbesondere für niedrigpreisige Titel, für alle günstiger, wenn das ganze umständliche, kostenspielige Tralala aufhörte. Oft könnte man sich das aufwändige Bearbeiten und Versenden solcher Titel sparen und die betreffenden Bücher – nach Genehmigung des Verlagsvertreters – gleich an Ort und Stelle zu einem herabgesetzten Preis verkaufen bzw. sie sofort in der Buchhandlung makulieren. Im Gegenzug notiert der Vertreter dann beim Neuauftrag einen entsprechenden Ramschersatz.

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