Steigt GU bei Hallo Pizza ein?

Wie im Umfeld der Leipziger Buchmesse bekannt gegeben wurde, will sich die Verlagsgruppe Ganske über ihren Verlag Gräfe und Unzer an der Franchise-Kette Hallo Pizza, Langenfeld, beteiligen.

Was zunächst wie ein abwegig erscheinender Schachzug von Ganske Buch-Vorstand Frank F. Häger und Georg Kessler, Hägers Nachfolger in der GU-Geschäftsführung, wirkt, könnte eine strategische Meisterleistung sein wie vor Jahren die von der Branche zunächst belächelte Übernahme der äußerst renditeträchtigen GU-Gruppe und seinen Premium-Marken FEINSCHMECKER, HALLWAG und TEUBNER.

Denn das 1989 von Axel Fassbach gegründete Unternehmen „Hallo Pizza“ (mit bundesweit 105 Franchise-Filialen die Nr. Eins der Fast-Food Lieferdienste) soll im Verbund mit dem Ganske eigenen Lesezirkel DAHEIM durch die gemeinsame Vertriebskraft endgültig den Wettbewerb um die Marktführerschaft im Kochbuchbereich entscheiden helfen – für GU natürlich.

Auch wenn GU (Jahresumsatz geschätzt 60 Mio. € ) und Hallo Pizza (Jahresumsatz 2002: 36,5 Mio. €) zusammen „nur 100 Mio.“ gegen den ausgewiesenen Gegner Oetker Gruppe (5,12 Mrd. €) auf die Waage bringen: Wichtiger scheint der psychologische Vorteil, wirklich an allen Fronten – eben auch im Massenmarkt – den Kontakt zum Endverbraucher zu bekommen. Denn dort ist bislang Oetker in zehn von seinen elf Teilmärkten Marktführer – u.a. eben auch bei Tiefkühl-Pizzen.

Dass sich bei GU ein Strategiewechsel in Richtung Massen-Consumer-Markt andeutete, hätten Insider schon dem Interview mit Georg Kessler über die neue GU-Markenarchitektur (BUCHMARKT 10/03) entnehmen können; spätestens aber mit Erscheinen von „Kochen – Das Gelbe vom Ei“ mit seinen 1295 Rezepten. Denn mit diesem Einfachstkochbuch zum Billig(st) preis wendet sich GU total vom Premiumkunden ab, um sich den „elementaren Kundenbedürfnissen wie Glück, Liebe, Sehnsucht und Sättigung “ (Kessler) zuzuwenden, dem „neuen GU-Maßstab der Angebotspalette“. Und damit auch dem Ziel, „vorhandene Kaufkraft breiter und dichter abzuschöpfen“. Das scheint mit einer ersten Auflage von 70.000 gelungen.

Die beiden neuen Partner würden gut zusammen passen: Zum Hallo Pizza-Konzept gehört die Idee, jedem Kunden neben der Lieferung von Pizza einen eindeutigen Mehrwert zu geben. Wichtig dabei sind übrigens regelmäßige Co-Promotion-Aktionen mit anderen Markenartiklern. Bei einer solchen Aktion hat man sich kennen gelernt: Die Pizza Kunden erhielten mit der Lieferung ein FEINSCHMECKER-Heft – im Gegenzug wird ab der kommenden Auflage des GELBEN Kochbuches jede Ausgabe zwei Gutscheine für je eine Pizza enthalten.

Eine Kombi, bei der alle Beteiligten profitieren: Der Buchkäufer, weil er damit im Grunde den Kaufpreis für das Buch zurückerhält, und das Langenfelder Franchise-Unternehmen, weil es qualifizierte neue Kundenadressen bekommt – was auch für die GU-Mutter Ganske gilt.

Pferdefuß einzig derzeit, dass die Sortimenter-Gruppe BASTA (http://www.ba-sta.de) Einspruch gegen die Zugabe- verordnung angemeldet hat. Eine Entscheidung darüber soll aber bereits heute fallen.

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