Trendbericht 2004: Kinder- und Jugendbuch auf Wachstumskurs

Erstmals stellten der Arbeitskreis für Jugendliteratur, die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stiftung Lesen heute auf der Leipziger Buchmesse den Trendbericht Kinder- und Jugendbuch vor. Künftig soll der gemeinsame Trendbericht der vier Institutionen jährlich präsentiert werden.
“Keine andere Warengruppe des Buchmarkts ist zurzeit so erfolgreich wie das Kinder- und Jugendbuch”, so Anja zum Hingst, Leiterin Kommunikation und Marketing im Börsenverein. Der Umsatz mit Büchern aus diesem Bereich sei in den Monaten Januar und Februar 2004 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund zehn Prozent gewachsen, wie der gemeinsam mit media control GfK International herausgegebene Branchen-Monitor BUCH nachweise. Mit einem Anteil von 11,6 Prozent am Gesamtmarkt der Bücher in Deutschland war das Kinder- und Jugendbuch im Februar 2004 wiederholt die stärkste Warengruppe.
Den positiven Trend bestätigt Klaus Willberg, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen: “Von den hundert größten deutschsprachigen Verlagen geben 25 inzwischen Bücher für junge Leser heraus.” Darüber hinaus verschwinde die Grenze zwischen der Literatur für Jugendliche und der für Erwachsene zusehends.
Das wachsende Engagement von Verlegern, Buchhändlern und Medien müsse allerdings durch Maßnahmen begleitet werden, die die Lesekompetenz und die Leselust bei jungen Menschen gleichermaßen intensiv förderten. 42 Prozent der 15-Jährigen gaben bei der PISA-Studie an, “niemals zum Vergnügen” in Büchern zu lesen. “Bei der ‚Generation PISA‘ hat der Griff zu einem Buch offenbar das gleiche Image wie der Gang zum Zahnarzt: Er ist notwendig, aber man macht ihn nicht freiwillig”, so Heinrich Kreibich, Geschäftsführer der Stiftung Lesen. Bei den 14- bis 19-Jährigen habe die Stiftung unter anderem negative Trends bei Lesehäufigkeit und -strategie (überfliegende und sprunghaft parallele Lektüre) festgestellt. “Umso wichtiger ist es, Kinder und Jugendliche selbst zum Thema ‚Lieblingsbücher‘ zu befragen; etwa im Rahmen der Kampagne ‚Schnapp dir ein Buch‘, an der sich rund 300.000 Schüler beteiligt haben”, empfiehlt Kreibich. Dabei hätte die Stiftung Lesen unter anderem festgestellt, welche Kriterien Bücher erfüllen müssen, damit Kinder und Jugendliche sie gerne in die Hand nähmen: Sie müssten spannend sein und in Phantasiewelten entführen; der junge Leser möchte aus der Lektüre lernen und profitieren können.
Aktuelle Kinder- und Jugendbücher, die diese Kriterien erfüllen, die also gut sind und die Leselust fördern, stehen im Mittelpunkt des Deutschen Jugendliteraturpreises. Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird er seit 1956 jährlich vom Arbeitskreis für Jugendliteratur verliehen. Seit 2003 entscheidet neben Kritikern eine unabhängige bundesweite Jury aus Jugendlichen über die preiswürdigen Bücher – ein Modell der Leseförderung, das dem nachlassenden Leseinteresse in der jugendlichen Zielgruppe entgegenwirken soll. “Wir nehmen das Urteil der jugendlichen Leser – das sich nicht selten von dem der Erwachsenen unterscheidet – ernst und bestärken junge Menschen darin, sich mit Büchern auseinander zu setzen. Mit den Auszeichnungen der Jugendjury bieten wir anderen jungen Lesern außerdem eine authentische und glaubwürdige Orientierungshilfe”, sagt Hannelore Daubert, Vorsitzende des Arbeitskreises.

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