Tusquets Editores geht an Planeta

Seit langer Zeit gab es Gerüchte darüber, welchen Weg eines Tages der spanische Verlag Tusquets Editores gehen würde, heute wird bekannt: Der Verlag hat eine Kooperation mit der Grupo Planeta vereinbart.

Wenn Beatriz de Moura auch weiterhin mit einem wichtigen Teil ihres Teams den Verlag leiten und das Programm gestalten wird, bedeutet dieser Wechsel dennoch, dass damit ein weiterer traditioneller Vertreter der spanischen Verlagslandschaft seine Unabhängigkeit verlieren wird. Vor knapp eineinhalb Jahren bereits vererbte Jorge Herralde seinen Verlag Editorial Anagrama an Grupo Feltrinelli, in den Jahren zuvor gingen schwergwichtige Verlagshäuser in den großen Gruppen auf: Grijalbo, Lumen, Debate, Beascoa (alle an Random House), Paidós Ibérica, Lunwerg, Destino, Minotauro, Edicions 62 (alle ebenfalls an Planeta).

Diese Entwicklung scheint unaufhaltsam: Entweder gibt es in den Verlagen, die ihren Erfolg den starken Identitäten ihrer Verleger verdanken, keine Erben bzw. Nachfolger, oder man versäumte es, sich rechtzeitig um sinnvolle Nachfolgemodelle Gedanken zu machen, die eine Fortsetzung der Unabhängigkeit garantieren würden. Oder man bewegte sich auf so schwachen finanziellen Füßen, dass es kaum eine andere Möglichkeit gab, als sich von einem potenten Käufer vereinahmen zu lassen.

Das Bedauernswerte daran ist leider immer, dass sich die Konturen einer selbstbewussten langjährigen Verlagsarbeit sehr bald verwischen oder bald ganz ihr Profile verlieren. Wer ist der nächste Anwärter auf der Liste? Natürlich würde sich mancher Verlagsmogul sich die Finger danach lecken, solch erfolgreiche Player wie Salamandra oder Acantilado zu vernaschen. Man kann nur hoffen, dass man dort an andere Modelle denken wird, wenn es an die Planung der Zukunft gehen sollte …

Guenter G. Rodewald

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