Vorwurf gegen Banken: Wettbewerbsverzerrung durch unseriöse Finanzierung der Libro-Expansion

„Zuerst haben Banken die unkontrollierte Expansions- und Billigstrategie von Libro finanziert, dann Schulden nachgelassen: Das ist Wettbewerbsverzerrung, toben nun die kleinen Papier- und Buchhändler.“ Diesen Vorspann stellt das Magazin „trend“ über seinen jüngsten Libro-Bericht. Die Wut der kleinen Buch- und Papierhändler sei verständlich. „Immerhin hatte Libro seine Kette in nur drei Jahren auf über 300 Filialen erweitert. Zwischen 1996 und 2000 stieg der Anteil des Buchhandels-Umsatzes in Filialketten von 28 auf 39%. Der Effekt: Von dem im selben Zeitraum um 2,3 Mrd. Schilling gewachsenen Gesamtumsatz der Leseratten schnappten sich Libro & Co den größten Brocken. Nur ein Fünftel blieb dem Rest.“ Der Wiener PBS-Händler Werner Sopper: „Da wurden die Strukturen der klein strukturierten Branche in Österreich bewusst ruiniert.“ Den Präsidenten des österr. Hauptverbandes (Pendant zum Börsenverein), Anton C. Hilscher, ärgert laut „trend“ besonders, dass sich die Banken von dem durch Internet-Fantasien genährten Hype um den aufgeblasenen Filialisten anstecken ließen wie Pensionisten vom Verkaufsredner bei einer Werbefahrt für Wärmedecken. Rettberg konnte, so „trend“, verschiedene Konzerngesellschaften gegenseitig als Bürgen für Millionenkredite vorschieben, ohne dass dies aufgefallen wäre. „Als etwa im Herbst 2000 die ersten Liquiditätsprobleme bei Libro auftauchten und Rettberg dringend 218 Mio. Schilling zur Bezahlung der angemieteten Lokale benötigte, konnte er die P.S.K./Bawag zu einem entsprechenden Engagement überreden. Ihr reichte es offenbar, dass die Libro-Tochterfirma lion.cc als Bürge unterschrieb – jene Firma, die laut Rettbergs eigene Darstellung für die Hauptverluste im ganzen Konzern verantwortlich war. Umgekehrt ging der Bürge lion.cc nur deswegen nicht pleite, weil die kränkelnde Mutter Libro ihrer Tochter rund 500 Mio. Schilling überließ, die Libro nun letztlich in der noch nicht testierten Bilanz fehlen.“ Die Libro-Zeche zahlen die mittelständischen Buchhändler auch anderweitig: Aufgrund der Ausfälle bei Libro, so laut „trend“ der stellv. Bundesgremialvorsteher des Österr. Buchhandels, Michael Kernstock, sind sowohl die Banken als auch die Verlage in Gelddingen nun bei den mittelständischen Händlern besonders penibel geworden. „

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