Zwischenbericht zur Lage in den vom Hochwasser betroffenen Buchhandlungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt

– Von Regine Lemke –

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir wollen uns auf diesem Wege über die Branchenorgane an die Kolleginnen und Kollegen aus dem Buchhandel in Deutschland wenden. Bevor wir uns aber dem Bericht über den Zustand der Buchhandlungen, die erwiesene Unterstützung und der weiteren Arbeit zuwenden, soll herzlich Dank gesagt werden. Im Namen der Buchhändlerinnen und Buchhändler, denen diese mächtige Hochwasserflut die Existenzgrundlage mitunter binnen Minuten und Stunden weggenommen hat, danken wir für großzügige finanzielle Unterstützungen, für Sachspenden, für Hilfsangebote, für aufmunternde Worte, für tätige Hilfe und Zuwendung.

Es mag vielleicht pathetisch klingen, aber in manchen Zeiten muss man auch große Worte haben: Diese Welle der Solidarität, der uneigennützigen Hilfe ist großartig und macht den Kolleginnen und Kollegen, in deren Namen ich diese Zeilen schreibe, Mut zum Weitermachen.

Nach den vielen Gesprächen mit den Kollegen und den ersten Besuchen in den von der Flut verwüsteten Buchhandlungen, die ich in den nächsten Tagen fortsetzen werde, habe ich gemerkt, gefühlt, wie diese Hilfe wirkt, dankbar angenommen wird, Hoffnung darauf gebaut wird. Es sind viele Tränen vor Verzweiflung über das Hochwasser und seine vernichtende Wirkung und vor Glück über die erwiesene Hilfe geflossen.

Wir danken herzlich allen Firmen und Kolleginnen und Kollegen, die mit großen und kleinen Spenden dazu beigetragen haben, dass es für die geschädigten Buchhandlungen finanzielle Unterstützungen geben konnte und weiter geben wird. Alles hilft, die Spenden von Einzelpersonen und Kollegen, Spenden, die in den Unternehmen von den Mitarbeitern gesammelt wurden, bis hin zu großzügigen Firmen- und Landesverbandszuwendungen. Libri hat unserem Landesverband am vergangenen Donnerstag eine Spende in Höhe von 50 000 Euro zugesichert. Mit all diesen Spenden können wir gerade auch den kleinen Buchhandlungen, deren weitere Existenz vom Hochwasser gefährdet ist, Chancen zum Wiederaufbau geben.

Jetzt ist das Ausmaß der Schäden sichtbar und die Liste der vom Hochwasser total und schwerst geschädigten Buchhandlungen, die der Landesverband erarbeitet und ständig aktualisiert hat, wird sich nun nicht mehr wesentlich ändern.

Aber die Probleme werden sichtbarer und die Lage ist sehr, sehr differenziert. Eine einzige Buchhandlung will nach dem Totalschaden nunmehr nicht mehr weitermachen (Buchhandlung Hock, Dresden). In allen anderen betroffenen Buchhandlungen werden Interimsmöglichkeiten gesucht oder sind schon gefunden worden, wird geprüft, ob eine Rückkehr in die alten Räume möglich ist (da haben die Bausachverständigen viel mitzureden) oder ob neue Räume bezogen werden müssen.

Das Wasser ist weg, die Hilfsbereitschaft hält an. Wir danken auch allen, die mit Sachspenden den Kollegen helfen wollen. Eine Arbeitsgruppe des Landesverbandes, der Vertreter der Barsortimente KNO und Umbreit und Stephan Jockel (LKG Leipzig) angehören, hat bereits größere Sachspenden (Ladeneinrichtungen) vermittelt. Dies war besonders bei den Buchhandlungen vordringlich, die in Ausweichquartieren den Buchverkauf weiterführen wollen. Weitere Sachspenden werden in den nächsten Tagen mit den betroffenen Kollegen nach Bedarf und Angebot abgesprochen und die Transporte nach Zeitpunkt und Anlieferung koordiniert. Die Arbeitsgruppe bittet die Kollegen in den Buchhandlungen und Verlagen, von weiteren Sachspendenangeboten vorläufig abzusehen oder in der Geschäftsstelle des Landesverbandes anzufragen, ob das eine oder andere Hilfsangebot oder Sachspende gebraucht wird. Wir könnten uns eher vorstellen, dass wir uns bei konkreten Bedürfnissen (z.B. Buchhandlung X braucht dringend zum Termin Y folgendes Gerät oder was auch immer) an die buchhändlerische Öffentlichkeit wenden werden.

Mit Freude können wir auch informieren, dass alle Lehrlinge ihre Ausbildungsverhältnisse fortsetzen werden. Die Azubis in den betroffenen Buchhandlungen konnten innerhalb der Firmen umgeleitet werden oder werden in den Buchhandlungen selbst weiterbeschäftigt. Wenn es Wünsche nach einer zeitweiligen Unterbringung in einem anderen Ausbildungsbetrieb geben sollte, werden wir auf die vorliegenden Branchenangebote zurückgreifen können.

Die Verlage haben sehr großzügig reagiert, Ersatz der vom Wasser beschädigten Bücher in Aussicht gestellt, verlängerte Zahlungsziele und Sonderkonditionen vereinbart, Remittenden für provisorischen Verkauf geschenkt. Über die schwarzen Schafe wollen wir aber auch reden: So mahnt die Husum Druck- und Verlagsgesellschaft 83 Euro für Hamburger Lesehefte an, die das Wasser weggespült hat, und bleibt trotz des Verweises der Buchhändlerin auf die Hochwasserschäden bei seiner Mahnung. Der Verlag Technik & Information schickt eine Mahnung über 15,01 Euro für eine Lieferung, die ebenfalls die Flut vernichtet hat. Aber diese Einzelbeispiele verschieben das Gesamtbild nicht: Der Aufruf des Vorstehers an die Verlage, hier großzügig zu helfen, hat großartige Wirkung gehabt. Im Namen der Buchhändler danken wir den Verlagen.

In diesem Zusammenhang sei noch eine generelle Bitte geäußert: Viele Buchhandlungen haben durch die plötzliche Überflutung ihrer Läden und Büros sämtliche Geschäftsunterlagen verloren. Manche Kollegen haben keine Übersicht mehr, welche Rechnungen noch offen waren und welche bereits bezahlt sind. Können die Verlage an die total und schwerst geschädigten Buchhandlungen Kopien der Rechnungen aus dem Jahr 2002 zur Verfügung stellen?

Die sog. Spendenaktion der Schulbuchverlage (Bücher zum halben Preis direkt an die vom Hochwasser betroffenen Schulen zu verkaufen) findet der Landesverband im höchsten Maße ärgerlich und traurig. Den Buchhändler in dieser Situation zu umgehen und den Direktverkauf mit Schulen zu tätigen, schädigt alle Buchhändler in den Regionen in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dazu wird der Vorstand des Landesverbandes eine Erklärung abgeben.

Der AKS hat den Vorschlag unterbreitet, für die geschädigten Buchhandlungen Patenschaften zu übernehmen und vier Kollegen haben sich bereits für die Übernahme solcher Patenschaften zur Verfügung gestellt. Unsere Recherchen bei den überfluteten Buchhandlungen haben bis jetzt ergeben, dass vier der Kolleginnen und Kollegen an einer solchen Patenschaft Interesse haben. Falls es im Zuge des weiteren Ausbaus der Buchhandlungen weitere Patenschaftswünsche geben wird, werden wir dies über die Medien, wie sagt man so schön neudeutsch „kommunizieren“.

Zum Schluss dieses Zwischenberichtes und der gegenwärtigen Zustandsbeschreibung bleibt ein Appell, bleibt eine Bitte: Die Opfer der Flut brauchen langfristig unsere Hilfe. Opfer sind hier sehr weit zu fassen: zerstörte Städte, vernichtete Infrastrukturen werden zu Umsatzeinbrüchen langfristig in allen Buchhandlungen in den vom Hochwasser betroffenen Regionen in Größenordnungen führen. Die Buchhändler vor Ort in diesen Regionen, ob unmittelbar vom Hochwasser total oder schwer geschädigt oder auch gar nicht betroffen, werden längere Zeit unsere Hilfe, unser Verständnis, unser Mitgefühl und unsere Unterstützung brauchen, um ihre buchhändlerische Existenz aufrecht erhalten zu können.

Die Geschäftsstelle des Landesverbandes nimmt Anregungen für die weitere Arbeit entgegen, dankt für Spenden und Hilfsangebote aller Art und informiert gern über die konkrete Lage vor Ort.

Mit einem aufrichtigen Dank an alle Helfer im Namen der Kolleginnen und Kollegen
Leipzig, den 2. September

Ihre Regine Lemke
Geschäftsführerin

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