Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Ein Dichter, den es als kanonisch zu begreifen gilt“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Der Mann auf der Grenze“: Ein Festtag für die Leser von Wolfgang Hilbig: Seine Werkausgabe kommt zum Abschluss, und sie wird ergänzt durch die vom Dichter mit größtem Geschick geführte Korrespondenz mit DDR-Kulturgewaltigen. „Aber was für ein Glück, dass es die Werkausgabe überhaupt gibt! Welcher Gegenwartsautor bekäme denn sonst noch eine? (…) Suhrkamp setzt derzeit nur bereits Begonnenes fort. Mit den sieben Hilbig-Bänden beweist Fischer, was dieser Autor immer noch bedeutet. Und stellt womöglich einen Ansporn dar für Erwartungen anderer Büchnerpreisträger an ihre Verlage. Das hätte Wolfgang Hilbig, der nicht für seine eigene Literatur gekämpft hat, gefallen.“
    Wolfgang Hilbig, Werke. Band VII: Essays, Reden, Interviews (hrsg. von Jörg Bong, Jürgen Hosemann und Oliver Vogel; Verlag S. Fischer)
    Wolfgang Hilbig, „Ich unterwerfe mich nicht der Zensur“. Briefe an DDR- Ministerien, Minister und Behörden. (In: Neue Rundschau, 132. Jg., Heft 2. Hrsg. und kommentiert von Michael Opitz; Verlag S.Fischer)
  • „Verkorkst, aber freudefähig“: Tatiana Tîbuleacs Der Sommer, als Mutter grüne Augen hatte. „Es ist die Stärke dieses gegen den Hass geschriebenen Buches, dass es nie in einen Jargon psychologisierender Erklärung verfällt, sondern die heftigen Gefühle in sprachliche Bilder umsetzt und sie aus den Beschreibungen, etwa der kranken Mutter, hervorleuchten lässt.“
    Tatiana Tîbuleac, Der Sommer, als Mutter grüne Augen hatte. (Schöffling Verlag)
  • „Soll die größere Zahl entscheiden?“: Annette Dufner sucht nach Prinzipien einer Ethik für medizinische Konfliktfälle. „Denn wie Dufners Analyse im zweiten (…) Teil ihres Buchs zeigt, ist es in der Medizin bei der Entscheidung über die Zuteilung begrenzter Ressourcen (…) unumgänglich, in begrenztem Umfang auch Urteile über Lebensqualität zu fällen. Ein Sachverhalt, der nicht selten übersehen wird. Gilt doch gemeinhin und zu Recht der Grundsatz, Ärzte sollen bei der Zuteilung knapper medizinischer Ressourcen ohne Ansehen der Person entscheiden, sich mithin eines Urteils über die Lebensqualität der Betroffenen, wenn immer möglich, enthalten. Dufner will den Grundsatz nicht aufheben, sie verweist nur auf seine Grenzen.“
    Annette Dufner, Welche Leben soll man retten? Eine Ethik für medizinische Hilfskonflikte (Suhrkamp Verlag)

  • „Zitterpartie bis zur letzten Minute“: Wie kann die Frankfurter Buchmesse stattfinden? „Anstoßen, Fachsimpeln, Bekannte treffen und der Geruch von Frischgedrucktem: Die Hoffnung in der Literaturwelt ist groß, dass es in diesem Jahr endlich wieder klappt mit der größten Branchenmesse der Welt. (…) Wer sich bei Verlagen, Behörden, Veranstaltern und Hotels umhört, spürt, dass die Hoffnung schmilzt.“
  • „Erinnerung und Fantasie“: Als Lyriker und Erzähler wurde Wolfgang Hilbig berühmt, jetzt ist er auch als Essayist und Redner zu entdecken. „Fast zwei Jahrzehnte lang schrieb Wolfgang Hilbig, ohne dass seine Texte eine breitere Öffentlichkeit erreichten. Danach begann der Aufstieg zu einem der eigensinnigsten und gefeiertsten Autoren seiner Zeit. Der Ruhm hielt auch über den Tod im Jahr 2007 hinaus an. Inzwischen ist es ein wenig ruhiger geworden um diesen großen Dichter. (…) Dieser schillernde Band sollte dazu anregen, Hilbig erst gar nicht im Archiv verschwinden zu lassen, sondern: ihn zu lesen.“
    Wolfgang Hilbig, Werke. Band VII: Essays, Reden, Interviews (hrsg. von Jörg Bong, Jürgen Hosemann und Oliver Vogel; Verlag S. Fischer)
  • „Der Schornsteinkehrer“: Zwei Tagungsbände beschäftigen sich mit Wolfgang Hilbig als genialischem Beschreiber von Schutt, Asche und Dunkelheit. „Wenn es den Interpreten gelingt, Hilbigs spezielle Durchdringung von Kunst und Leben von innen heraus nachzuvollziehen, sind verblüffende, erhellende Momente möglich.“
    Stephan Pabst (Hg.), Wolfgang Hilbig und die (ganze) Moderne (Verbrecher Verlag)
    Bernard Banoun (Hg), Wolfgang Hilbigs Lyrik. Eine Werkexpedition (Verbrecher Verlag)

  • „Paul Celans Bruder“: Heute wäre der Dichter Wolfgang Hilbig 80 Jahre alt geworden. „An diesem 31. August 2021 ist es an der Zeit, dass wir Leser erkennen, gleichgültig ob aus Ost oder aus West, dass Hilbig zu einem Dichter geworden ist, den es als kanonisch zu begreifen gilt und der das zerrissene, mühsam wieder zusammenwachsende Land an gemeinsame Fundamente erinnert, auf denen Versöhnung möglich wird und eine andere Zukunft.“
    Eberhard Geisler, In drei Gottes Namen. Bruchstücke einer Eröffnung des Raums (Passagen Verlag)
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