Literaturpreise Bayerischer Buchpreis 2016: Andrea Wulf und Heinrich Steinfest sind die Gewinner

Hochspannung war angesagt, als es in der (säkularisierten) Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz darum ging, wer von den jeweils drei Nominierten in der Debatte auf dem Podium das Rennen machen würde. Zum dritten Mal in dieser Zusammensetzung und mit der Sanduhr im Nacken diskutierten vor laufenden TV-Kameras – diesmal unter dem Vorsitz von Franziska AugsteinCarolin Emcke und Denis Scheck. Ohne vorherige Absprache.

Michael Then gratuliert der Sachbuch-Preisträgerin Andrea Wulf; Carolin Emcke applaudiert.In der Kategorie Sachbuch gewann Andrea Wulf mit Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur (C. Bertelsmann) vor Markus Schauer: Der Gallische Krieg (C.H. Beck) und Bettina Stangneth: Böses Denken (Rowohlt); letzteres Buch hätte Carolin Emcke („das bedeutendste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe“).  In der Kategorie Belletristik gewann Heinrich Steinfest: Das Leben und Sterben der Flugzeuge (Piper) gegen Christian Kracht: Die Toten (Kiepenheuer & Witsch) und Terézia Mora: Die Liebe unter Aliens (Luchterhand), nachdem Denis Scheck seine Präferenz für Christian Kracht zurückgezogen hatte. Es fielen eine Menge Bonmots an diesem unterhaltsamen Abend, wenn z. B. Franziska Augstein Steinfests Roman „ungefähr so bescheuert und berückend schön wie Don Quichote“ einstufte.

Preisträger Belletristik: Heinrich Steinfest

 Nachdem zwischendurch immer mal wieder Spitzen gegen die preisstiftende Bayerische Staatsregierung und den Ministerpräsidenten abgingen, glich Heinrich Steinfest das in seiner kurzen Dankesrede aus: Mit der ins Buch gedruckten Widmung „Für Bruno (sein Sohn) – und außerdem für alle außer Horst“ – sei der Bayerische Ministerpräsident keineswegs gemeint.

Franziska Augstein dankte den anwesenden Autoren dafür, dass sie die Prozedur des Beurteiltwerdens über sich ergehen ließen, denn alle sechs haben hervorragende Bücher abgeliefert. In seiner ausgesprochen munteren Ansprache hatte schon Michael Then, Vorsitzender des Börsenvereins Bayern, darauf verwiesen, dass diese sechs Titel eine sichere Empfehlung für ratsuchende Leser angesichts der Titelflut sind.

Seit dem 15. November war bekannt, dass Ruth Klüger, die große Germanistin, Essayistin und Autorin den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten für ihr Lebenswerk erhält. Überreicht wurde die Auszeichnung am Donnerstagabend stellvertretend von Wirtschafts- und Medien-Ministerin Ilse Aigner. Nicht zuletzt ihr autobiographischer Roman über.leben habe sie als „unentbehrliche Mahnerin gegen das Vergessen von Gewalt und Verbrechen“ berühmt gemacht, „die auch zu aktuellen politischen Fragen kritisch Stellung bezieht“. Mit den Worten „So ein hübsches Katzerl!“ hob die beeindruckende Persönlichkeit mit ihren 85 Jahren den bayerischen Porzellanlöwen in die Höhe, und reflektierte in ihrer Dankesrede über das „schöne Wort Lebenswerk: War dieses Leben nicht eher ein Sammelsurium?“ Sie sprach von den entsetzlichen Verlusten und den Freuden des Lebens und bedankte sich mit den Worten: „Lebenswerk? Vielleicht ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ich habe jetzt jedenfalls etwas zum Nachdenken.“

Ulrich Störiko-Blume

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