Der Schatten des Windes jetzt 101 Wochen auf der Bestseller Liste

Das gibts nicht so oft: „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón (suhrkamp]

Michi Strausfeld :
„Siegfried Unseld hat
den Erfolg des Buches
leider nicht mehr erlebt“

taschenbuch 3800) hält sich jetzt in der 101. Woche in Folge auf der Taschenbuch-Bestsellerliste . Hier verrät Michi Strausfeld, bei Suhrkamp/Insel zuständig für die spanischsprachige Literatur, wie alles begann:

Auf einem der regelmäßigen Besuche in der schönsten Buchhandlung Barcelonas, La Central, blätterte ich in ein paar Neuerscheinungen. Dabei stieß ich auf La sombra del viento, »Der Schatten des Windes«, eine Art großes Taschenbuch aus dem Verlag Planeta. Die Buchhändlerin, mit der ich immer gerne Leseeindrücke austausche, wußte nichts über diesen Roman, aber am Vortag war in der Zeitung La Vanguardia eine Rezension erschienen, in der das Buch mit einem spanischen Bestseller verglichen

Seit 101 Wochen
auf der Taschenbuch-Liste

wurde. Allerdings hatte mich besagter Bestsellerautor nie interessiert – im Gegenteil.

Nachdem ich die erste Seite gelesen hatte, kaufte ich das Buch. Warum? Zum einen aus Neugier, die der Romananfang sogleich weckte, vor allem aber deshalb, weil ich immer auf der Suche nach neuen literarischen Texten für meinen „Reisebegleiter für Barcelona“ war (erscheint in diesem August). Und begann zu lesen und hörte nicht mehr auf, bis ich den Roman 24 Stunden später ausgelesen hatte und in Paris angekommen war, wo ich damals lebte.

Sogleich bemühte ich mich um die Rechte: Lagen sie bei Planeta, bei einem Agenten? Nach fünf vergeblichen Anrufen im Mammutverlag, gab ich auf und bat eine Freundin, mir doch einen Lektor im Verlag zu nennen oder den Agenten, der die Interessen des Autors wahrnehme.

Eine Stunde später erfuhr ich den Namen und bat offiziell um die Option, schrieb sogleich ein dringliches und ausführliches Gutachten, bat um ein Leseexemplar für den Verlag in Frankfurt … und nur zwei Wochen später war Siegfried Unseld überzeugt, den mehr als 500 Seiten dicken Roman eines unbekannten spanischen Autors, der in Los Angeles lebte, einkaufen zu müssen.

Als der Vertrag wenige Wochen später eintraf, war ich zufällig im Suhrkamp Verlag in Frankfurt. Siegfried Unseld kommentierte leicht ironisch: »Hier hast Du das kleine Buch, das Du für einen Bestseller hältst.« Den Erfolg des Buches hat er leider nicht mehr erlebt.

Bei einem Mittagessen in Paris erzählte ich einer befreundeten Lektorin aus dem Verlag Grasset von dieser Entdeckung. Sie kaufte ebenfalls sofort ein, andere Länder folgten ein paar Monate später: so begann der internationale Siegeszug.

Michi Strausfeld

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