Tannöd jetzt bei 550.000 Auflage / Plagiats-Prozess startet am 20. Februar

Am 20. Februar 2008 um 14 Uhr wird der Prozess in Sachen Plagiatsvorwurf gegen Andrea Maria Schenkel vor dem Landgericht I in München stattfinden. Wie schon bekannt, erhebt der Sachbuchautor und Journalist Peter Leuschner den Vorwurf, Andrea Maria Schenkel haben ihren Roman „Tannöd“ aus seinem Sachbuch „Der Mordfall Hinterkaifeck“ abgeschrieben und damit seine Urheberrechte verletzt [mehr…].

Heute hat sich Schenkels Verlag noch einmal in dieser Sache an die Öffentlichkeit gewandt. Die Argumentation von Nautilus-Sprecherin Carola Ebeling:

„Wir halten diesen Vorwurf für maßlos und aus der Luft gegriffen. Erst nachdem „Tannöd“ sich zu einem Bestseller entwickelte, erhob Leuschner Klage – ein Jahr nach dem Erscheinen des Romans und lange Zeit nach einem Besuch der Autorin bei ihm Anfang April 2006. Damals überreichte sie ihm auch ‚Tannöd‘. Es liegt nahe, dass Herr Leuschner, der mit seinem Buch keinen vergleichbaren Erfolg erzielen konnte, nun an dem von Andrea Maria Schenkel finanziell teilhaben will.

‚Tannöd‘ ist vielfach ausgezeichnet worden: u.a. mit dem Deutschen Krimi Preis 2007 und dem Friedrich-Glauser-Preis 2007 – ausdrücklich würdigen diese Preise die literarische, sprachliche und impulsgebende Leistung der Autorin. Auch die vielen Kritiken betonen diese Qualitäten – ‚Tannöd‘ ein literarisches Kunstwerk.

Dass nun Peter Leuschner eben diese Eigenschaften – schriftstellerische Schöpferfreiheit, sprachlich-literarische Gestaltung – für sich beansprucht, ist äußerst überraschend, denn zehn Jahre lang galt sein Buch als regionales Sachbuch zum Mythos Hinterkaifeck. Er selbst betont in seinem Vorwort, sich soweit wie irgend möglich – bis hin zum historisch belegten Wetter – an die historischen Fakten gehalten zu haben.

Seine nun in der Klage aufgestellte Behauptung, einen ‚historischen Roman‘ geschrieben zu haben entbehrt jeder Grundlage – und unser Anwalt Albrecht Götz von Olenhusen (Freiburg) wird dies klar widerlegen. Interessanterweise betont die Klage gleichzeitig, dass es sich vornehmlich um gerade mal 40 Seiten des fast 400 Seiten starken Werks handele, die den Plagiatsvorwurf betreffen. Es sind die Passagen, die die Mordnacht, den Tag davor und danach beschreiben.

Selbst auf diesen Seiten aber wird eine eigenständige, schöpferische, schriftstellerische Leistung von Peter Leuschner nicht erbracht. Denn der Handlungsablauf und der Tathergang sind auch im Detail weitgehend historisch vorgegeben. Ebenso Einzelheiten, die den Charakter der Personen oder bestimmte Details rund um den Einödhof betreffen, können anhand der Akten recherchiert werden bzw. sind aufgrund der über die Jahrzehnte veröffentlichten Zeitungsberichte allgemein bekannt. Das bedeutet, dass hier die Voraussetzungen für einen urheberrechtlichen Schutz nicht gegeben sind, denn es gibt kein Urheberrecht auf historische Geschehnisse!

Selbst atmosphärische Momente, die Spannung erzeugen und die der Autor als seine ’stilistische‘ Erfindung bezeichnet, sind bereits in den Akten, Verhörprotokollen und Zeitungsberichten angelegt oder werden direkt ausgesprochen (Spuren im Schnee, aufkommender Wind u.ä.).

Es gibt kein eigenständiges literarisches Werk Leuschners, das urheberrechtlichen Schutz in Anspruch nehmen kann. Andrea Maria Schenkel hingegen hat ein solches geschaffen. Anders als Leuschner ging es ihr nie um die Darstellung des historischen Falls Hinterkaifeck, sondern um die Darstellung von Bigotterie, Doppelmoral, von menschlichen Abgründen, um das Psychogramm einer Dorfgemeinschaft – darin darf der Roman allgemeine Gültigkeit beanspruchen. Abgesehen davon erfindet Andrea Maria Schenkel ganz neue Figuren und versetzt sich in die inneren Welten sowohl der späteren Opfer wie der Dorfbewohner. Mit ihrer Einfühlung und sprachlichen Intensität ist sie auf das Vorbild Leuschners nicht angewiesen, und sie findet zu einer Gesamtgestaltung, die sich von der seinen grundlegend unterscheidet.

Inzwischen hat sich ‚Tannöd‘ übrigens über 550.000 mal verkauft –und mit dem Nachfolger „Kalteis“ hat Andrea Maria Schenkel ihre literarische Meisterschaft – und ihre künstlerische Unabhängigkeit – erneut unter Beweis gestellt. Der Deutsche Krimi Preis 2008 für ‚Kalteis‘ und 230.000 verkaufte Exemplare bestätigen das eindrucksvoll.“

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