Bücher heute in den Feuilletons – u.a. mit dem Heimito-von-Doderer-Literaturpreis an Jenny Erpenbeck

Frankfurter Rundschau

Gleich auf Seite 1: Die Schriftstellerin und Juristin Juli Zeh über die Festnahme von Radovan Karadzic. Ina Hartwig greift noch einmal die neuen Briefe über Anna Amalia und Goethe auf, die am Freitag auf einer Pressekonferenz in Weimar präsentiert werden.

„Kehren wir zur Wirklichkeit zurück“ heißt ein Gespräch der beiden Autoren Ingo Schulze und Norbert Niemann übers Romaneschreiben – ein Vorabdruck aus dem neuen „Akzente“-Heft.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Jenny Erpenbeck erhält den mit 20.000 € dotierten Heimito-von-Doderer-Literaturpreis.

Christina Hoffmann rezensiert Christiane Neudeckers Roman “Nirgendwo sonst“ (Luchterhand) – ein „Burma-Bildungsroman“. Gesine Hindemith hat Sieglinde Geisels „Irrfahrer und Weltenbummler“ (wjs) gelesen: die Autorin erschließt mit dem Phänomen der Reise vielfältige Aspekte der Zivilisationsgeschichte.

Unter „Politische Bücher“ nimmt sich heute Christoph Klessmann den Titel „‚Die Russen‘ in Deutschland“ von Silke Satjukow vor. Der Vandenhoek&Ruprecht-Titel beschreibt die Russen in ihrer Rolle als Besatzer in der ehemaligen DDR und nennt sie: „Sieger des Krieges als Verlierer des Alltags“. Klessmanns Urteil: „Die Lektüre vermittelt, auch wenn die Auswahl und die unkonventionelle Stoffgliederung nicht überall überzeugt, eine eindrucksvolle Fülle neuer und fast unbekannter Aspekte“.

Annotationen
Peter Michelis „Der Architekt Gustav Oelsner“ (Dölling und Galitz), „Monty Python’s Flying Circus: Sämtliche Worte“ (Zweitausendeins).

Und eine neue Folge in der Serie „Das Autorisieren von Interviews“ [mehr…]: Heute Ulrich Wickert: „Wir sollten nicht so weinerlich sein“.

Die Welt

Uwe Wittstock feiert in der WELT die neue Werkausgabe von Wolfgang Hilbig (S. Fischer) – sieben Bände soll sie einmal umfassen. Als Auftakt sind jetzt die „Gedichte“ erschienen.

Süddeutsche Zeitung

Auf der Literaturseite der Süddeutschen Zeitung dominiert der Fortsetzungsroman (oder sollte man sagen das Fortsetzungsdrama?) Richard Wagner. Stephan Speicher bespricht „Der Wagner-Clan“ von Jonathan Carr. Dessen Buch schildert vor allem die 150-jährige Wirkungsgeschichte dieser Familie, die durch „Unglücke und Pathologien“ bestimmt sei. „Sich davon erzählen zu lassen, ist eine Freude. Kein Vergnügen aber ist es offenbar, ein oder eine Wagner zu sein“, so Speicher. Urteil: „Jonathan Carr hat ein ganz ungewöhnlich interessantes Buch geschrieben.“

Außerdem rezensiert Jutta Person den Reiseroman „Vergiss Ägypten“ von Barbara Frischmuth, in dem es aber um das Gegenteil dessen geht, was der Titel behauptet. In dem Aufbau-Titel führt die Protagonistin, eine österreichische Schriftstellerin, den Leser durch den ägyptischen Alltag und seine Geschichte. „Diese Übergänge von drinnen nach draußen und von Altägypten in die Gegenwart machen den Reiz des Romans aus, denn Barbara Frischmuth ist eine versierte Wechslerin zwischen den Welten“, urteilt Rezensentin Person.

In der Randspalte geht es um die Tagebücher von Thomas Mann, die jetzt Reinhard Baumgart, Vicco von Bülow (Loriot) und Peter Wapnewski für den Hörverlag eingelesen haben. Pikant ist eine Notiz von Mann darin: „Las in der Dissertation von Baumgart. Erstaunlich gescheit und gründlich wie so manche ihresgleichen. Man hat den Eindruck , dass diese Herren später nie wieder etwas so Gutes schreiben werden“. Rezensent Christoph Schmaus meldet: Leicht könne man den Text ironisierend lesen. Doch die Lesenden nehmen den Text immer ernst. Auch dort wo er belustigt.

Neue Zürcher Zeitung

Caspar Hirschi rezensiert Peter Wende „Das britische Empire. Geschichte eines Weltreiches“ (C.H. Beck), Jürgen Ritte bespricht Ernst Jüngers „Journaux de guerre“ (Gallimard), und Tilman Urbach hat sich Siri Hustvedts „Die Leiden eines Amerikaners“ Rowohlt angesehen.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.