Bücher heute in den Feuilletons – und u.a. eine Orakelei zu Aufbau und Hademar Bankhofers Rausschmiss beim WDR

Frankfurter Rundschau

Marica Bodrozic rezensiert Delimir Resickis Gedichtband „Arrythmie“ (Edition Korrespondenzen), André Müller hat bei Peter Handke angerufen und sozusagen ein Nicht-Gespräch geführt, das man sich etwa so vorstellen darf:

Ich (also Müller): Also kein Wort zu Karadzic?
Er (also Handke): Nein.

Müllers Telefonate sind nachzulesen unter www.a-e-m-gmbh.com/andremueller.

Heiner Dürr hat sich bei Ludger Pries „Die Transnationalisierung der sozialen Welt“ (Suhrkamp) eingelesen: „Mit einer großen Studie hat Ludger Pries ein Referenzwerk geschaffen, das die Forschung über die Internationalisierung der Weltgemeinschaft ungemein bereichert…“

Jörg Plath gibt das Orakel und den Verschwörungstheoretiker: „Der Aufbau-Verlag steht nun doch zum Verkauf – Was Bernd F. Lunkewitz zum Kurswechsel bewegte, bleibt offen“: „ ist, dass der hartnäckige und gewitzte Lunkewitz mit Voigt-Salus (dem Insolvenzverwalter – d. Red.) einen Deal geschlossen hat, über den beide Stillschweigen bewahren.“ [mehr…] und [mehr…].

Und das Rumänische Kulturinstitut aus Bukarest antwortet auf den Offenen Brief Herta Müllers [mehr…], die dagegen protestierte, dass Securitate-Spitzel zu Veranstaltungen nach Berlin eingeladen werden.

Und die meistverkauften Hörbücher für Jugendliche (Amazon-Erhebungen): Platz 1: Christopher Paolini „Eragon“.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Das konnte nicht unkommentiert bleiben: Martin Walser hat geäußert, dass er Bestechung im Ausland für völlig legitim hält – anders könne man da halt keinen Blumentopp gewinnen [mehr…]. Edo Reents kommentiert: „Walser sieht nur noch Moral am Werk und ist blind dafür, dass vor Gericht keine Moralkeulen geschwungen werden, sondern man sich dort kühl ans Gesetz halten muss.“

Rezensionen
Jürg Altwegg über Kaspar Schnetzler „Das Gute“ (Bilgerverlag): Heidegger und die fesche Studentin: Kaspar Schnetzler hat mit seiner fulminanten Schweizer Familienchronik „Das Gute“ den Roman eines Jahrhunderts verfasst. Da wird selbst der große Philosoph zur kleinen Nebenfigur.

Thomas Scholz bespricht Ulf Erdmann Ziegler „Wilde Wiesen“ (Wallstein) – eine „Autogeografie“.

Ernst Horst rezensiert in der Rubrik „Sachbücher“ Wolfgang Kiener, Frater Johannes Weise „Die Individualismus-Falle“ (dtv), Manuela Lenzen] hat zwei neue Bücher über Zwangsstörungen gelesen: David Althaus, Nico Niedermeier, Svenja Niescken „Zwangsstörungen. Wenn die Sucht nach Sicherheit zur Krankheit wird“ (C.H. Beck) und Katharina Stengler „Zwänge verstehen und sich lassen“ (Trias).

Annotationen
„Preußische Kriminalchronik hingerichteter Verbrecher“ (Verlag Kirchschlager) und „Jitter – Magazin für Buchgestaltung“, Heft 3.

Die Welt

Politiker und ihre Urlaubslektüre (erstaunlich, dass wir unseren derzeitigen Politikern überhaupt noch Lektüre unterstellen…) nicht Wieland Freund in einer Glosse aufs Korn: Westerwelle: „In den Urlaub nehme ich mein persönliches Telefonbuch mit – weil ich es brauche.“ von der Leyen packt Ken Follett ein, „1295 Seiten ohne rechten Tiefgang“, meint Freund. Frau Schavan tut immerhin was für ihre Bildung und liest Stendhals „Kartause von Parma“ (und wir fragen nicht, in welcher Übersetzung…), Angela Merkel will sich in Emil Noldes Biographie umtun und Kurt Beck, man glaubt es nicht, Rühmkorf lesen.

Ein Skandal bahnt sich in Weimar an: Die Stadt verkauft das Haus der Frau von Stein, in der das Goethe-Institut seinen Sitz hat, an einen spanischen Investor,

Morgen in der Literarischen Welt
Ian McEwan hat ein Libretto verfasst und berichtet darüber
Cees Nooteboom zum 75. Geburtstag
Philipp von Boeselager berichtet vom 20. Juli 1944

Süddeutsche Zeitung

Google wird immer gefährlicher, meint Bernd Graff: „Wir werden sagen können, wir sind dabeigewesen. Wir haben den Moment miterlebt, in dem die Wörter ‚Information’ und ‚informieren’ ersetzt wurden durch ‚Google’ und ‚googlen’.“

Juli Zeh spricht über Finanzen und Kunst: „Ich dachte immer, dass bei Kunstprodukten das Merkantile im Hintergrund steht. … Vermutlich liegt es daran, dass der Schriftstellerberuf so ein Mysterium ist. Die Menschen können sich gar nicht vorstellen, wie man mit so was überhaupt Geld verdienen kann. Viele fragen mit Hundeblick: Können Sie denn davon einigermaßen leben – oder wollen Sie noch einen Keks?“ Das ganze Interview hier: www.sueddeutsche.de/finanzen/artikel/333/187737/

Hans Leyendecker untersucht Martin Walsers (siehe auch weiter oben in der FAZ) neue Liebe zur Korruption: „Geldmanie einer Kleinbürgers“, heißt sein Artikel.

Neben jeweils einer Druckseite zu den Bayreuther und Salzburger Festspielen auch eine zur Literatur: Johan Schloemann rezensiert Wilfried Nippel „Antike oder moderne Freiheit? Die Begründung der Demokratie in Athen und in der Neuzeit“ (Fischer Taschenbuch), Alexandra Kemmerer rezensiert Philip Manow „Im Schatten des Königs. Die politische Anatomie demokratischer Repräsentation“ (Suhrkamp) und Albrecht Koschorke, Susanne Lüdemann, Thomas Frank, Ethel Matala de Mazza „Der fiktive Staat. Konstruktionen des politischen Körpers in der Geschichte Europas (Fischer Taschenbuch). Colin Crouch wettert in „Postdemokratie“ (Suhrkamp) gegen den Einfluss der Wirtschaftseliten – Jens-Christian Rabe hat sich das Buch angesehen, und Dirk Lüddecke betrachtet Emanuel Richter „Die Wurzeln der Deomkratie (Velbrück).

Und: Aus für Hademar Bankhofers Medizintipps im WDR: Der Sender feuert ihn wegen Schleichwerbung.

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