Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – eine Schlappe für Mehdorn, mal was Positives über Libreka und natürlich jede Menge zu Le Clézio

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Da wir ja eine mobile Branche sind, die wichtigste Info vorweg: Herr Mehdorn hat einmal mehr eine Bauchlandung hingelegt: Der Börsengang für die Bahn wird auf unbestimmte Zeit vertagt. Ob man ihm das vom Gehalt abzieht?

Frankfurter Rundschau

Na, was haben Sie denn heute erwartet als Feuilleton-Aufmacher? Natürlich: Jean-Marie Gustave Le Clézio – der neue Literaturnobelpreisträger [mehr…]. Ina Hartwig freut sich, dass er (im Gegensatz zu mancher Vorgängerin der letzten Zeit) den Preis auch persönlich entgegennehmen wird.

Peter Winterhoff-Spurk weist in Unternehmen Babylon (Klett-Cotta) auf die psychischen Folgen der Globalisierung hin – Roland Mischke rezensiert.

Anja Hirsch hat einen türkischen Klassiker wiederentdeckt: Ahmet Hamdi Tanpinar (auf großem Foto mit pechschwarzer Miezekatze, die vor der Kamera genauso stillhält wie der Meister selbst). Zwei Romane gibt es vom 1962 mit 61 Jahren viel zu früh verstorbenen Autor auf Deutsch: Das Uhrenstellinstitut (Hanser) ( – und DAS ist doch mal ein Titel!) und Seelenfrieden (Unionsverlag). So ein bisschen sei Tanpinar mit Svevo zu vergleichen, meint Hirsch; also ein Grund mehr, sich mal drum zu kümmern, wenn man es nicht schon längst getan hat …

Zwei Seiten zur Otfried PreußlerKrabat-Verfilmung und ein Interview mit Daniel Brühl – der für diesen Film eine internationale Produktion abgesagt hat.

Financial Time Deutschland

Das riecht nach Ärger: Verleger rüsten gegen Amazon auf, heißt ein großer Artikel von Jennifer Lachman und Matthias Oden. Dabei geht es endlich mal verheißungsvoll um Libreka, das gemeinsame E-Book-Portal der Branche, nicht etwa die ominöse 10-Prozent-Rabattaktion [mehr…].

„Das Geld liegt auf der Straße“ – so heißt ein Vorabdruck aus der Biographie von Warren Buffett, der als Kaugummiverkäufer anfing und zu einem der reichsten Männer der Welt wurde. Alice Schroeder hat das Buch bei FinanzBuch Verlag veröffentlicht.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Le Clézio auch hier auf der Feuilleton-Titelseite – Joseph Hanimann würdigt den Preisträger. Und Jürg Altwegg findet, dass die Welt (darunter macht er es halt nicht) einen „würdigen Nobelpreisträger“ bekommen hat. Dass er dem brunzdummen Geschwätz von Engdahl [mehr…] dann das Wort redet, ist eher peinlich.

Leonardo Padura hat im Unionsverlag Der Nebel von gestern veröffentlicht: „Nebel ist Leben, nur rückwärts und rumgetränkt“, findet Rezensent Reinhard Helling.

Andrea Neuhaus bespricht Das Königsmal von Kartin Burseg (fredeboldundfischer): „Bursegs Stärke ist die Historie, weniger liegt ihr die Fiktion.“

Annotationen
Albert von Schirnding Die 101 wichtigsten Fragen: Thomas Mann (C.H. Beck) und Bella Triste – Ausgabe Nr. 22.

Morgen auf der Literaturseite: Heinrich Detering Stille Post im Hause Koeppen und Jochen Hieber über Alice Munro.

Neue Sachbücher
Robert Kurson Der Blinde, der wieder sehen lernte (Hoffmann und Campe). Friederike Reents findet, dass der Autor zu „locker flockig“ mit dem Thema umgeht.

„Die Diktatur des Orgasmus“ ist eine Geschichte der abendländischen Sexualität, aufgeschrieben von Robert Muchembled unter dem Titel Die Verwandlung der Lust (DVA). „Ein Interruptus jagt den nächsten“, findet Rezensentin Christine Tauber – das klingt wenig befriedigend.

Manuela Lenzen hat sich Bittere Arznei von Peter Koslowski und Aloys Prinz (Wilhelm Fink Verlag) angesehen: „Eine Hydra, deren Köpfe uns anlächeln“. Diese Hydra dürfte nicht nur Augen haben, sondern auch klebrige Finger, um uns das Geld aus der Tasche zu ziehen …

Die Welt

Le Clézio gleich auf der Titelseite und ausführlich im Feuilleton. Schön, dass Mr. Allesbesserwissend Reich-Ranicki eingestehen muss, nie eine Zeile von ihm gelesen zu haben. Er muss natürlich trotzdem seinen Senf draufkleckern: „Er soll ein seriöser Autor sein …“ Sigrid Löffler findet die Wahl befremdlich, Josef Winkler ist sehr zufrieden, und Nikolas Sarkozy kriegt sich gar nicht mehr ein.

Der erste Band der „Historisch-kritischen Ausgabe“ der Briefe Leopold von Rankes wird durch eine neue Version ersetzt (Oldenbourg). Bertold Seewald spricht von einem herausgeberischen Desaster, das dieses sechsbändige Langzeitprojekt überschattet.

Morgen in der Literarischen Welt Special zur Buchmesse: Gottfried Honnefelder und Helge Malchow streiten über Sinn und Unsinn der Schwerpunktländer (hatten wir ja lange nicht mehr).

Süddeutsche Zeitung

Auch hier Le Clézio, wo er hingehört: auf den Titel. Alex Rühle gibt sich überrascht von der Wahl und nimmt auch einmal das Wort „Tropenkitsch“ in den Mund.

Nackte Haut bei Schirmer Mosel – fotografiert von Manuel Alvarez Bravo im Band Photopoetry. Da es sich hierbei um Kunst handelt, darf man ruhig einmal „schön“ sagen.

Peter Handke und die Preise: Der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Preis [mehr…] wird ihm aberkannt (das war 2006 – und wochenlang tobte das Feuilleton), dann will er auch den Berliner Heine-Preis nicht, von der Longlist zum Deutschen Buchpreis streicht er sich öffentlichkeitswirksam gleich selber [mehr…] – aber den Thomas Mann-Preis nimmt er. Obwohl er ja eigentlich gar keinen Preis mehr … Bei Popsängern würde man „Diva“ sagen. Vielleicht auch was anderes.

Christian Jostmann rezensiert Johannes Fried Das Mittelalter (C.H. Beck), und Jörg Drews hat sich Urs Allemanns Gedichte im kinde schwirren die ahnen (Edition Urs Engeler) angesehen.

Die Edition Mariannenpresse im Literaturhaus Berlin hört nach 29 Jahren und 129 Büchern zum Jahresende auf. Sehr schade.

Das politische Buch
Gerald Steinacher Nazis auf der Flucht (Studienverlag) – eine „penible Dokumentation“, findet Stephanie Risse, und Cord Aschenbrenner rezensiert Bettina Gaus Auf der Suche nach Amerika (Eichborn).

Wie Bertelsmann mit Hilfe von RTL Steuern spart, sagt uns cbu – nämlich durch „Geschäfte in der Familie“.

Neue ZürcherZeitung

Auch hier ist der Nobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio Aufmacherthema. Peter Urban-Halle kommt zu dem Schluss: „Bei Le Clézio hat man den Eindruck, er wolle das Land der Menschheitskindheit allgemein wiedersehen, auch wenn es sich um ganz konkrete Probleme handelt wie das Schicksal von Emigranten. Seine Romane sind Traumgebilde, die verlorene Lebensformen wiederentdecken wollen. Dazu gehört eben, dass die Fahrten in die Ferne als Reisen nach innen enden – alles Themen, die den Kritikern heute eher unheimlich sind. Der Stockholmer Akademie und ihrem Sekretär ist wieder einmal eine Überraschung gelungen, da kann man nichts machen.“

Seiner „Enttäuschung über die österreichische Sozialdemokratie“ macht Norbert Lesers in dem Buch Der Sturz des Adlers Luft. Wolfgang Taus meint, das Buch aus dem Verlag Verlag Kremayr & Scheriau fordert zu Kritik und Widerspruch heraus.

„Vom Krieg zur Kooperation“: Der revolutionäre Wandel Europas im 20. Jahrhundert ist das Thema in dem Buch Kontinent der Gewalt. Europas langer Weg zum Frieden von James J. Sheehan, das im Verlag C.H. Beck erschien; wenig Alltagspolitik, sondern eine Würdigung der Leistung, das 27 EU-Staaten zusammengefunden haben, findet Kurt R. Spillmann.

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