Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und der danebengegangene Abschaffungsversuch der KSK

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Die Zeit

„Eine Ikone wird entzaubert“ findet Norbert Rehrmann bei Lesen von Gerd Koenens Traumpfade der Weltrevolution (Kiepenheuer & Witsch). Aber fürs Entzaubern hat Koenen auch den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2007 erhalten. „Helden“ seines neuen Buches: Che Guevara und seine Weggefährtin Tamara Bunke.

„Das Dorf als Wille und Vorstellung“ heißt Eberhard Falckes Verriss von Norbert Niemanns Willkommen neue Träume (Hanser), aber: der Autor „möchte uns die verkommene Medienwelt erklären, bringt aber keine tragfähige Erzählung zustande“.

Torkel Klingberg hat ein Buch Multitasking. Wie man die Informationsflut bewältigt, ohne den Verstand zu verlieren geschrieben. Rezensentin Elisabeth von Thadden findet, dass der Hirnforscher ein merkwürdig gelassenes Buch abgeliefert hat.

Und Catherine Millet mit ihrem neuen, in Deutschland noch gar nicht erschienenen Roman Jour de Souffrance: Jetzt geistert sie auch hier in der ZEIT. Man muss halt nur einmal ein Skandalbuch geschrieben haben, dann klappt das schon mit der internationalen Presse. Ob dann der Verlag, der eine deutsche Ausgabe machen wird, noch einmal eine Rezension bekommt, steht in den Sternen. Schließlich ist die Millet kein Pynchon, auf dessen Originalausgabe von Against the Day sich auch die deutschen Rezensenten gestürzt hatten…

Franz Schuh schreibt einen Nachruf auf Wendelin Schmidt-Dengler, und er hat auch gleich noch die Taschenbuch-Kolumne verfasst, die sich mit der Reihe rowohlts enzyklopädie befasst.

Von Mirko Bonné gibt’s das Gedicht Mittags.

Frankfurter Rundschau

Harry Nutt kommentiert den Versuch, die Künstlersozialkasse abzuschaffen, der seit Tagen im Feuilleton heftig diskutiert wird: „Die gute Nachricht ist: Die Künstlersozialkasse (KSK) wird wohl nicht abgeschafft werden.“ – Nun war es alles wieder mal ein Missverständnis. Mal sehen, wer sich diesmal entschuldigt und dann „Schwamm drüber“ sagt.

Das Goethehaus in Frankfurt eröffnet heute eine Ausstellung zu 250 Jahren Briefkultur [mehr…]. Und das war’s heute auch schon von dieser Stelle.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gesine Hindemith nimmt Bernhard Buebs neues Buch Von der Pflicht zu führen (Ullstein) zum Anlass, unter www.faz.net/bueb eine Debatte um den Lehrerberuf anzustoßen. Das Buch sei eine „Provokation für unser Erziehungssystem“.

Martin Halter bespricht Ulla Lenzes Archanu (Ammann) – ein „Erleuchtungsroman ganz ohne trübe Funzeln und käufliche Weisheiten“. „Sprich mit deinem Sektenbeauftragten“ ist der Titel des Artikels.

„Glänzend. aber innen faul“ – unter diesem Titel rezensiert Wolfgang Günter Lerch den Frankfurter Reisebericht von Ahmet Hasim(Literaturca Verlag). Das „faul“ in der Überschrift bezieht sich aber nicht auf den Zustand des Buches, sondern auf Frankfurt, als es der Dichter 1932 besuchte.

Annotationen
Mark-Georg Dehrmann Das „Orakel der Deisten“ (Wallstein) und Lars Niedereichholz Unknorke (Piper).

Auch in der FAZ ein großer Artikel um den Skandal um die KSK. Autor Michael Hanfeld zitiert den PEN-Präsidenten Johano Strasser: Der meint, „dass man den Unsinn wirklich lassen sollte…“ – Für „Unsinn lassen“ steht nun aber deutsche Politik nicht gerade…

Mit nur 43 Jahren starb die Historikerin Lydia Marinelli, bekannt für zahlreiche Freud-Ausstellungen und ihre Forschungsarbeiten. Michael Hagner hat ihr einen Nachruf gewidmet.

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, glaubt nicht an das Ende des gedruckten Buches: Das Buch ist das Gras, das Internet ein Schaf, und mobile Medien sind Wölfe, zitierte Boos auf der gestrigen Pressekonferenz [mehr…] einen chinesischen Autor.

Jede Menge Büchertipps im Reiseblatt: Kolja Kleeberg – das Kochbuch (Collection Heyne), Amerika – das Kochbuch (Edition Fackelträger), Schnelle Sterneküche (Dorling Kindersley), Kochen nach Bildern (Christian Verlag), Schwein und Sohn (Christian Verlag), Talent und Passion – die Meisterschule der Jeunes Restaurateurs (Gräfe und Unzer), Handbuch Backen (Teubner) und Giorgio Locatelli Made in Italy (Christian Verlag).

Die Welt

Viel Musik und Film heute in der Welt – aber nichts für uns.

Süddeutsche Zeitung

Ijoma Mangold Hat Norbert Gstreins Roman Der Winter im Süden (Hanser) gelesen („Die Stunde der Revanchisten“). Wie schon im Roman „Das Handwerk des Tötens“ beschäftigt sich Gstrein mit dem krieg im ehemaligen Jugoslawien – der neue Roman sei ein großes Buch „über die Verlorenheit“.

Gert Lange rezensiert Matthias Steinbach Ökonomisten, Philanthropen, Humanitäre. Professorensozialismus in der akademischen Provinz (Metropol).

Kai Wiegandt hat sich Peer Hultbergs Roman Eines Nachts (Jung und Jung) angesehen.

Neue Zürcher Zeitung

„Letzte Ausfahrt Detmold“, ist auch das Lebensgefühl in dem Bericht des polnischen Schriftstellers Andrzej Stasiuks, der Dojczland besucht hat. Jörg Plath findet in dem gleichnamigen Buch aus dem Suhrkamp Verlag, Stasiuk, der Verehrer von Jack Kerouac, spiele zwar mit Klischees, aber doch feinsinnig genug: Die Deutschen wollten „zwar nicht weniger als Polen geliebt werden, nur stehen dem ein wenig die Nazi-Verbrechen im Weg.“

Unter „Kartoffelsuppe mit Hallimasch“ betrachtet Rainer Moritz den deutsch-deutschen Roman Lärchenau von Kerstin Hensels (Luchterhand) mit gemischten Gefühlen: „’Lärchenau’ ist ein Buch, das Ratlosigkeit hinterlässt. Zu ausufernd setzt es seine Verfahren ein, zu unschlüssig ist es darin, den – so der Klappentext – ‚Aberwitz der letzten 60 Jahre deutscher Geschichte’ aufleben zu lassen.

„Die Leidenschaft bleibt Lippenbekenntnis“ ist dann ein richtiger Verriss, den Manuel Gogos an Aner Shalevs Roman Dunkle Materie (Berlin-Verlag) vornimmt: In dem Roman bleibe alle Leidenschaft „ein Lippenbekenntnis, vor sich hin gemurmelt wie eine Zauberformel, aber ohne Magie“, dass „seine Figuren kein Eigenleben beginnen, ist das eigentlich Tödliche an dem Roman.“

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