Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und ein Interview mit Volker Herres zu MRR

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Frankfurter Rundschau

Volker Herres, designierter ARD-Programmdirektor, hat die Schnauze voll von der Fernsehdiskussion à la MRR und Heidenreich. Reich-Ranicki habe „einfach abgekotzt“, sagt Herres seinem Interviewer Jan Freitag: „Das darf er auch, aber in dieser Pauschalität wird seine Kritik der Vielfalt nicht gerecht und zeigt nur, dass er sie nicht kennt. Was er ja zugibt.“ – Zumindest das letztes ist neu bei MRR…

Arno Widman erinnert an die berühmte Kafka-Konferenz auf Schloss Liblicé 1963. Nun soll an gleicher Stelle eine Konferenz über die Konferenz stattfinden.

Detlef Kuhlbrodt rezensiert Dietmar Daths Die Abschaffung der Arten (Suhrkamp). Aber auch er muss sich erst mal breit darüber auslassen, ob dieser nicht völlig überschätzt sei – Ina Hartwig hat das ja böse vorexerziert im Blatt [mehr…]: „arg skurril als Kandidat“ für den Deutschen Buchpreis fand sie Dath, „jedenfalls werden sich die sechzigjährigen Damen, deren Herzen und Geldbörsen mit dem Deutschen Buchpreis erobert werden sollen, kaum an der ‚Abschaffung der Arten’ delektieren“ – da freut man sich, dass Kuhlbrodt den Roman in vielen teilen dann doch ganz großartig finden darf.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Das Titelbild zeigt Horst Seehofer mit einem Buch, das kam uns gleich komisch vor. Er hat es nämlich einen Zentimeter vor seiner Nase, so dass man mehr Buch als Seehofer sieht. Was ja nicht so schlimm ist. Und eigentlich ist es auch kein Buch, das er da in der Hand hält, sondern der Koalitionsvertrag, und da pustet er die Tinte trocken. Und unsereins denkt gleich sonst was…

Ruth Klüger wird im kommenden Mai erste Gastprofessorin der Universität Tel Aviv auf dem im März 2006 ins Leben gerufenen MRR-Lehrstuhl für Deutsche Literatur.

Blumenbar muss Olaf Kraemer]s Romy-Schneider-Roman Ende einer Nacht schwärzen [mehr…] – nun kriegt der Käufer – Bert Rebhandl hat’s nachgezählt – 152 Wörter weniger; diese unterstellten Romys Mutter eine gewisse Nähe zu Hitler. Der Verlag will gegen die gerichtliche Vorgabe Widerspruch einlegen.

Das wird teuer: Alain Vircondelet und der Verlag Les Arènes werden in Frankreich zur Kasse gebeten. Sie müssen an die Erben von Antoine de Saint-Exupéry einen Schadenersatz in der Höhe von 50 000 Euro bezahlen. In einem Buch mit dem Titel „Eine legendäre Liebe“ hatten sie (zu) ausgiebig aus Briefen zitiert, die Antoine de Saint-Exupéry an seine Frau Consuelo geschrieben hatte.

Gewürdigt wird von Jochen Hieber der Hersteller und Typograph Michel Leiner, der seit Verlagsgründung an der Seite von KD Wolff arbeitet bei – wie der Verlag heute heißt: Stroemfeld – an die 750 Bücher hat er gemacht, und wir alle wissen, welche!

Die Welt

Heute wird in Berlin in der Schwedischen Botschaft das Buch der Bücher über Ingmar Bergman (Taschen) vorgestellt: sieben Kilo, 600 Seiten, 1000 Bilder.

Marcel Reich-Ranicki bekennt: „Ich habe Leid zugefügt“ und meint damit nicht die allmähliche nervende Fernsehdiskussion, sondern sein Verhältnis zu Polen und der polnischen Literatur.

Süddeutsche Zeitung

Werner Bartens rezensiert Kathrin Passig und Sascha Lobos Dinge geregelt kriegen (Rowohlt Berlin), für das Buch gibt es auch einen lustigen Trailer [mehr…].

Lothar Müller hat sich Nicolas Bergs Luftmenschen (Vandenhoeck & Ruprecht) angesehen.

Pendo sieht keine Sicherheitsprobleme mit der Veröffentlichung von Aisha in Deutschland. Auf das Haus des englischen Verlegers war ein Anschlag verübt worden, aber dann war Ruhe. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Politisches Kinderbuch
TanjevSchultz bespricht Isabelle Bourniers und Marc Pottiers Was ist Frieden (Oetinger), Robert Probst hat sich Holocoust von Angela Gluck Wood bei Dorling Kindersley angesehen.

Roswitha Budeus-Budde rezensiert Güner Yasemin Balcis Arabboy. Eine Jugend in Deutschland oder Das kurze Leben des Rashid (S. Fischer), und Birgitt von Maltzahn bespricht Wolfgang Böhmers Hesmats Flucht (cbt).

Neue Zürcher Zeitung

Bern holt seinen Dichter heim: Das Robert-Walser-Archiv verlässt Zürich und erhält in Bern eine neue Grundlage, schreibt die NZZ in einem ausführlichen Bericht. „Vor fünf Jahren stand das Robert-Walser-Archiv in Zürich vor dem finanziellen Kollaps. Da in Zürich keine Unterstützung zu finden war, richteten sich die Hoffnungen auf Bern, wo nun eine ebenso grosszügige wie breit abgestützte Lösung erarbeitet werden konnte“, heißt es im Blatt.

„Die Kunst der Beschreibung“, lasse sich in Der blinde Orion von Claude Simon entdecken, die nun in deutscher Übersetzung bei Zweitausendeins vorliege.

„Beeren zur Kriegszeit“ kommen in Wiebke Edens Romandébut Die Zeit der roten Früchte (Arche-Verlag) vor, darin geht es über das Landleben während des Krieges.

Hinter „Luftsprung eines Rebellen“ verbirgt sich die Besprechung von Nächtlicher Besucher, in seine Schranken gewiesen. Eine Fortsetzungs-Züchtigung., die Adolf Endlers Begegnung mit Folgen im Wallstein-Verlag beschreibt. Dorothea Dieckmann:
„Ein Parcours durch den DDR-Alltag gipfelt in der Erkenntnis, dass es ‚vom Karnevalismus zum organisierten Satanismus, von der Elferrats-Sitzung zur Schwarzen Messe für den, der mit der Basis vertraut ist, kaum mehr als ’nen Luftsprung weit’ ist.

„Kulturelles Engagement“: Das Jahrbuch der Ingenieurbaukunst ist auch ein Denkmal der Kultur, findet Bruno Meyer, nachdem er sich Ingenieurbaukunst in Deutschland. Jahrbuch 2007/2008. angesehen hat, das von der Bundesingenieurkammer beim Junius-Verlag herausgegeben wurde.

„Proust und die Mafia“, José Manuel Prietos Roman Rex biete nicht jedem das gleiche Vergnügen, meint Georg Sütterlin. „Wer Literatur mag, die sich vornehmlich von Literatur nährt und auf Biegen und Brechen etwas noch nie Dagewesenes anstrebt, wird an Rex möglicherweise Gefallen finden. Enttäuschung riskiert hingegen, wer von Literatur mehr erwartet als sterile Spiegelfechtereien und frivole Taschenspielertricks der Belesenheit.“

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