Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und ein Seitenhieb auf Google

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Frankfurter Rundschau

Raoul Schrott hat die Ilias neu übertragen (Hanser) [mehr…] – und Christian Thomas hat sich unter dem Headline „Kontra geben“ an erste Lektüre gemacht. „Schrotts Großtat steht unter der Ägide der Gegenwartssprache“, schreibt Thomas – und das meint er keinesfalls als Kritik.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Meldung, Google mache sich ans Scannen von Zeitungsarchiven [mehr…], stößt bei der FAZ augenscheinlich auf wenig Gegenliebe: „Der große Raumzug“ heißt der Artikel heute, und „Google plündert die Zeitungsarchive der Welt“. Autor Michael Hanfeld: „Google errichtet ein virtuelles Zeitungsmuseum, zu dem die Zeitungsleute selbst nur als Besucher Zutritt haben.“ – In Belgien übrigens wird dieser Tage dieserhalb ein Prozess von drei Zeitungen gegen die Suchmaschine beginnen.

Nicht ganz pünktlich zum Geburtstag, aber auch nicht zu spät, rezensiert Bert Rebhandel unter dem Titel „Kumpel der Nation“ Torsten Körners Götz George-Biographie (Scherz). Der Autor habe seine Herausforderung mit „spielerischer Souveränität“ gemeistert, lobt der Rezensent.

Da scheiden sich die Geister: Nicht alle lieben Raoul Schrott. Wohl am wenigsten die Uwe Kolb-Fans. Der hat mit Heimliche Feste bei (Suhrkamp) einen neuen Band, und Sandra Richters Rezension beginnt so: „Wer von Raoul Schrott und seinen enthusiasmierten Bemühungen um die wahren Ursprünge der Dichtung genug gelesen hat, lese Uwe Kolbe.“ Denn der mache vor, wie man wirklich in den Dichter-Olymp komme.

Annotationen
Christian Ankowitsch Wir Jungs (Kunstmann) und Die Da Costa Enzyklopädie (Merve).

Herbert Ohrlinger schreibt einen großen Nachruf auf Wendelin Schimdt-Dengeler [mehr…].

In England ist das Rennen um den Booker-Preis losgegangen, der am 14. Oktober verliehen wird.

Und Fridtjof Küchemann kommentiert den gestern gemeldeten Sieg von Miss Rowland über ein Potter-Lexikon. [mehr…]

Die Welt

… hält uns heute knapp – da gibt es gar nichts für uns.

Süddeutsche Zeitung

Christine Dössel kommentiert die Bestrebung von sieben Bundesländern, die Künstlersozialkasse abzuschaffen („Hier geht’s an Eingemachte“): „Seit ihrer Gründung 1983 habe es keine ‚solche perfide Attacke’ auf die KSK gegeben, entrüstet sich Olaf Zimmermann, der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats.“

Lothar Müller würdigt Wendelin Schimdt-Dengeler in einem Nachruf.

„Ewigkeit ist jetzt“ nennt Clemens Klünemann seine Rezension von André Comte-Sponville Woran glaubt ein Atheist (Diogenes), Jörg Magenau bespricht Karl-Heinz Otts Ob wir wollen oder nicht(Hoffmann und Campe) unter dem Titel „Trau nie einer Tirade“, Franziska Augstein schreibt über Bärbel ReetzLenins Schwestern(Insel), und Helmut Mauró hat sich das Beethoven-Lexikon aus dem Laaber-Verlag angesehen.

Neue Zürcher Zeitung

„Brasiliens Geburt“: Die NZZ beichtet über die die Buchmesse in São Paulo, hier mehr
Das Resümmee: „Heute belegen die Statistiken der Buchkammer, dass sich die Branche von den Folgen der Inflationskrise der achtziger Jahre erholt hat. Sowohl die Anzahl veröffentlichter Bücher wie auch die Stückzahl der abgesetzten Exemplare haben wieder signifikant zugenommen. Noch vor zwei Jahrzehnten war der Zustand des Buchmarkts so desolat, dass der Druck teilweise nach Kolumbien ausgelagert wurde. Die heutige Verfassung vieler Verlagshäuser zeigt jedoch, dass die Herstellung von gut edierten und teuer produzierten Büchern wieder rentabel sein kann.“

„Wir stehen vor kleinen lokalen Kriegen“, ist der Aufmacher im Feuilleton und dokumentiert ein Gespräch von Jörg Plath mit Arkadi Babtschenko über die russische Militäraktion in Südossetien und Georgien. Mit seinem für die Unerbittlichkeit der Beschreibung gerühmten autobiografischen Roman über den Tschetschenien-Konflikt, Die Farbe des Krieges, letzte Jahr als HC, dieses als TB bei Rowohlt, sei er international bekannt geworden.

Unter „Irritierende Umarmung“ weist Ludger Lütkehau auf die Übersetzung von Nobuo Kojimas Roman Fremde Familie hin. Der 2006 in Japan gestorbene und zu Lebzeiten mit dem renommierten Tanizaki-Preis ausgezeichnete Schriftsteller ist schwer zu übersetzen, dieser Mühe hat sich jetzt Ralph Degen erstmals in der Japan edition beim be.bra-Verlag unterzogen. Nobuo Kojimas Roman über eine Liebe in Zeiten amerikanischer Besatzung und den Zerfall einer japanischen Familie sei ein „aussergewöhnlich dicht erzählter Roman“ und „alles andere als eine Karikatur. Fremdheit, Abhängigkeit gehen mit Begehrlichkeit, ja auch Liebe eine irritierende Umarmung ein“, findet Lütkehau.

„Odysseus in Frauenkleidern“, soll Livia, die Frau des Kaisers Augustus gewesen sein, über die nun die gleichnamige Biografie von Christiane Kunst bei Klett-Cotta erschien und in die sich Hans-Albrecht Koch so hineinvertieft mit seinem Bericht, dass er ein Urteil nicht fällt, scheint wohl gut zu sein.

„Das Leben in einem Lächeln sammeln“: Margaret Atwoods autobiografischer Roman Moralische Unordnung (Berlin Verlag) wird heute von Bernadette Conrad gelobt: „Vor allem aber gelingt es Margaret Atwood einmal mehr, Worte auf sich selbst verweisen zu lassen; auf dies wundersame flüssige Material, dem nie einfach nur zu trauen, sondern das mit höchster Aufmerksamkeit zu behandeln ist; in das man sich besser nicht fallen, sondern von dem man sich, im Gegenteil, in eine Haltung der Hellwachheit zwingen lässt.“

„High Noon in der tiefsten Normandie“, ist der Titel über dem Bericht von Georg Renöckl zu seiner Lektüre von François Vallejos Roman Monsieur Lambert und die Ordnung der Welt. Der erzählt in einem literarischen Parforceritt vom royalistischen Frankreich. „Die anfängliche hohe Spannung zu halten, gelingt Vallejo dabei nicht immer. Doch wenn man auch der Komposition dieses eigenwilligen und düsteren Romans den einen oder anderen berechtigten Vorwurf machen kann – sich dem faszinierenden Klang dieser neuen Erzählstimme aus einem fernen Westen zu entziehen, ist ungleich schwieriger.“, meint er.

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