Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und Kommentare zur Rowohlt-Klage gegen den Spiegel

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Die Zeit

„Der Spion, den wir lieben“: Na, wer ist das? Google natürlich. Auf drei Seiten im Wirtschaftsteil erfahren Sie einiges über Ihre Zukunft…

Jens Jessen beschäftigt sich mit dem Zeitungszeugen-Projekt [mehr…] und fragt: Wie viel Aufklärung verspricht der Nachdruck von Nazi-Blättern?

Neue Biographien

Jean-Yves Tadié hat weit über 1000 Seiten zu Marcel Proust (Suhrkamp) geschrieben – Rolf Vollmann ist begeistert.

Hugh Barr Nisbet hat eine „uferlose Biographie“ über Lessing (C.H. Beck) verfasst, auch über 1000 Seiten – vielleicht ist der Umfang von Biographien ja ein neuer Trend?

Nein, isses nicht: Jörg Nagler kommt bei seiner „überragenden Lincoln-Biographie“ (C.H. Beck) mit 464 Seiten aus. Und Elsemarie Maletzke bei Elizabeth Bowen (Schöffling) mit 467. Und beide Bücher werden in höchsten Tönen gelobt.

Was man von Nisbets Lessing nicht sagen kann. Rezensent Adam Soboczynski bescheinigt dem Autor eine „jede Vernunft überschreitende Genauigkeit“. Mit einem „acht Zentimeter und 900 Seiten dünneren Buch“ treffe man eine bessere Wahl: Soboczynski meint Jan Philipp Reemtsmas Lessing in Hamburg (C.H. Beck).

„Die Herren Wieland Schmied und Werner Spies und die Gründe, sie zu feiern“ – so Petra Kipphoff] über Schmieds Lust am Widerspruch (Radius) und Spies’ Auge und Wort (Berlin University Press).

Auch biographisch: Hélène Berrs Pariser Tagebuch. 1942-1944 (Hanser), der Anne Frank von Frankreich. Die Veröffentlichung des Werks ist der Nichte Mariette Job zu verdanken – Martina Meister hat sie besucht.

Noch einmal Rolf Vollmann: Er schreibt über Hans Wollschläger Die Insel und einige andere Metaphern für Arno Schmidt (Wallstein).

Annotationen
Reiner Schürmann Ursprünge (Diaphanes) und Rainald Goetz klage (Suhrkamp).

Und natürlich eine Glosse zu Suhrkamp und Berlin. Von Florian Illies: „Und so nachvollziehbar es ist, dass ein neunzehnjähriges Mädchen aus Frankfurt am Main es attraktiv findet, nach Berlin zu ziehen, weil es da so wahnsinnig aufregend ist, so merkwürdig wäre es, wenn ein neunundfünfzigjähriger Verlag eine Umzugsentscheidung auf ungefähr derselben Argumentationsgrundlage träfe. Ist sich der Suhrkamp Verlag, eine der zentralen intellektuellen Säulen der Bundesrepublik, nicht zu schade, dem Werben … des Antiintellektuellen Klaus Wowereit nachzugeben, damit dieser sich der ‚erfolgreichen Ansiedlung von Kreativindustrie’ rühmen kann?“ – Weiter zum Thema Suhrkamp heute in der FR…

Frankfurter Rundschau

„Camouflage, wohin man schaut“, findet Karl Corino, wenn es um die Biographie Erwin Strittmatters geht. Die muss nach den Entdeckungen des Literaturwissenschaftlers Werner Liersch [mehr…] im vergangenen Jahr neu geschrieben werden: Seine Verstickungen mit dem Naziregime waren wohl doch tiefer, als er je zugegeben hat.

Ina Hartwig kommentiert die Klage Rowohlts gegen den Spiegel [mehr…]. Volker Hages Artikel sei eine verbrämte Rezension gewesen, und nun geschehe es dem Spiegel schon recht, für sein Vorprellen bestraft zu werden.

Standorttheater Suhrkamp: Jetzt ist es den Frankfurter Behörden wohl doch nicht mehr so ganz Wurscht, ob der Verlag nach Berlin geht oder nicht: Jetzt gibt es fürs Bleiben einen Offerte der Stadt. Und das wird richtig Begeisterung in der Lindenstraße auslösen: Suhrkamp darf in die marode Hütte ziehen, in der derzeit der Börsenvereins haust. Nein, Rattenfallen muss Suhrkamp nicht mitbringen – die Stadt würde die Bruchbude vorher natürlich in Schuss bringen. (Vielleicht sollte der Börsenverein mit seinem Weggang nach Berlin – München wollen wir ja gar nicht erst ins Spiel bringen – drohen, dann hätt die Branche eine Standortdiskussion weniger…) Auf dem Verhandlungstisch soll aber noch ein ganz andere Angebot liegen: das von Joachim Unseld, der 20% der Suhrkamp-Anteile hält. Und der hat ein Wörtchen mitzureden beim Umzug – außer, Suhrkamp kaufe ihm die Anteile ab… Und die Mitarbeiter? Sind einfach nur sauer. Einen Gesprächstermin bei der Verlegerin habe bisher nicht einmal der Betriebsrat gekriegt, schreibt die FR.

„Allianz gegen Google“: Jörg Plath über den Streit um Verwertungsrechte von Büchern.

„Wenig Ehre und kein Ruhm“: Stimmt, es gab mal eine bücherschreibende TV-Moderatorin namens Eva Herman, die reichlich verquastes Zeug über das Nazireich von sich gab. Damit zierte sie – rein zufällig natürlich – 2007 just zur Frankfurter Buchmesse die Titelseiten von BILD. Nützt aber alles nix: Eh sie gucken konnte, war sie weg vom Fenster. Jetzt wehrt sie sich vor Gericht, und wieder schaut keiner hin, außer der Rundschau natürlich…

Der Tagesspiegel

Auch die Berliner Zeitung, die wir heute mal mitnehmen, greift das Thema Suhrkamp-Umzug auf. Ralf Schönball hat sich bei den Berliner Verlagen umgehört und es ist durchzuhören, dass der Umzug die Gemüter bewegt. Aber er zeigt auch, dass die Stadt versucht, aggressiv um Verlage zu werben: „Wir werden nichts Unzulässiges tun“, sagte demnach der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit im Abgeordnetenhaus. Vom Werben um den Zuzug des Suhrkamp-Insel-Verlages werde Berlin aber nicht ablassen – auch wenn das „Frankfurt schmerzt“.
Weiter heißt es: „Die Köder für den Suhrkamp-Verlag haben die Wirtschaftsförderer aus Reihen der Berlin-Partner ausgelegt. Die verstehen ihr Geschäft: ‚Wir schnüren maßgeschneiderte Unterstützungspakete, die von der Immobiliensuche über die Finanzierung des Umzugs bis zur Personalrekrutierung reichen’, sagt Sprecher Christoph Lang. Der Buch- und Pressemarkt zähle zu den ‚Wirtschaftskernen’, auf deren Förderung sich der Senat konzentriere. Die Details des Suhrkamp-Angebots will er aber nicht verraten.“

Für Cornelsen habe Chef Wolf-Rüdiger Feldmann zuletzt in Schmargendorf einen Neubau „für einen zweistelligen Millionenbetrag“ errichtet. Jedoch die Annahme, dass Verlage sich an einem Ort konzentrieren müssten, weil sie die Nähe zueinander suchten, teilt er nicht. „Die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt reichen für die Nabelschau völlig aus“, sagt er.

Was auch Springer Presse-Chef Eric Merkel-Sobotta und de Gruyter-Chef Dr. Sven Fund zum Standort sagen, können Sie hier nachlesen: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Berliner-Wirtschaft-Suhrkamp-Buchverlag;art132,2722482,

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Martin Halter verreißt Steffen Kopetzkys Roman Der letzte Dieb (Luchterhand). Schade, wir haben das Buch eigentlich gern gelesen. Und es als gar nicht schrecklich in Erinnerung…

Adreas Rossmann hat die „literarische Einladung“ von Katharina Bürgi nach Sizilien und Palermo angenommen (Wagenbach).

Annotationen
Walter Hinck Wahrnehmung des Lebens (Bouvier) undMario Gomes Gedankenlesemaschinen (Rombach).

Marcus Jauer hat eine Lesung von Hinz Strunk besucht. Und ist sich nicht ganz sicher, ob er das alles wirklich gut finden soll.

Amerikanische Anti-Helden im Kino: Josiah Howard habe in Blaxploitation Cinema (FAB Press Ltd.) eine vorzügliche Darstellung des Genres geliefert meint Sven Beckstette.

Die Welt

Auch die „Welt“ kommentiert die Klage Rowohlts gegen den Spiegel. Das sich die Rezension von Kehlmanns Roman als Porträt tarne, müsse das Gericht zudem über die Trennschärfe journalistischer Genres urteilen. Das kann ja was werden.

Süddeutsche Zeitung

In der Alten Pinakothek in München wurde die Düsseldorfer Kunstsammlung von Johann Wilhelm rekonstruiert. Die Ausstellung läuft bis 17. Mai. Hirmer hat zum Thema Kurfürst Johann Wilhelms Bilder drei Begleitbücher vorgelegt.

Hätte Rowohlt nicht gegen den Spiegel geklagt, hätte er seine Unterschriftenaktion der Lächerlichkeit preisgegeben, meint lmue in seinem Kommentar und verweist darauf, dass die Sperrfristen in den letzten Jahren in schönster Gemeinsamkeit von Verlagen und Journalisten ausgehebelt wurden.

Malte Dahlgrün rezensiert Frans de Waals Primaten und Philosophen. Wie die Evolution die Moral hervorbrachte. (Hanser).

Tonias Lehmkuhl hat sich Steffen Popps Kolonie Zur Sonne (Kookbooks) angesehen.

Madsack kauft Springer für 310 Millionen Euro Zeitungen ab: Im wesentlichen geht es um Beteiligungen an Regionalblättern wie Leipziger Volkszeitung, Lübecker Nachrichten, Ostsee-Zeitung und Kieler Nachrichten.

Neue Zürcher Zeitung

„Fragwürdige Allianz“: Die NZZ bringt es mit Blick auf den Streit zwischen Verlagen und Google heute auf den Punkt. Solange der Autor selbst recherchiert, ist er gern kostenloser Nutzer der Internetangebote. Wenn er auf sein Werk stößt, stört ihn die „Gratis-Mentalität“.
Das Blatt will aber auch wissen, dass die Verlegerverbände insgeheim die Konfrontation mit Google scheuten und deshalb die Verbände der Autoren wie die VG Wort oder das Schweizter Pendant Pro Litteris vorschickten. Dem Autor erschließe sich nicht, in wie fern die Verbände mehr für ihre Autoren tun könnten und sich vor den Karren der Verlegerverbände spannen lassen, als sich Google anzuschließen und die Vergütungen einfach einzustreichen…

Unter „Unerschöpflich“ geht es um Neues und Altes von Friedrich Glauser, samt langer Literaturliste:
Friedrich Glauser: Man kann sehr schön mit Dir schweigen. Briefe an Elisabeth von Ruckteschell und die Asconeser Freunde 1919–1932, Nimbus-Verlag
Friedrich Glauser: Pfützen schreien so laut ihr Licht. Gesammelte Gedichte, Nimbus-Verlag
Friedrich Glauser: Erinnerungen von Emmy Ball-Hennings, Limmat-Verlag
Friedrich Glauser: Beichte in der Nacht. Kriminalgeschichten, Limmat-Verlag,
Friedrich Glauser: Ich bin ein Dieb. Geschichten von der Liebe, Limmat-Verlag.

„Verpasste Gelegenheit“: Gemeint ist das Buch The House of Wittgenstein (Bloomsbury), das einen guten Ansatz biete, aber das Alexander Waugh zu einem Zerrbild der Wittgensteins gerate.

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