Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und merkwürdige Methoden bei der Google-Buchsuche

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Frankfurter Rundschau

Hans-Jürgen Linke kommentiert die Verleihung der „Goethe-Plakette“ an Peter Kurzeck gestern, die bestehe so gut wie ausschließlich aus Ehre, aber in Zeiten großer Geldumwälzungen, in denen 500.000 Euro Peanuts sind, wäre eine Dotierung in ähnlicher Höhe gut angelegtes Geld, wenn es so einer wie Kurzeck bekäme.

„Das andere Geschlecht“, Klaus Harprecht zeige in seiner Rowohlt-Biografie Die Gräfin über Marion Dönhoff neben der Entwicklung ihres Demokratieverständnissees auch die bisher unbekannte Seite der Liebenden und Geliebten, so Arno Widmann.

„Ihr Herz, barfuß in der Menge“: Renate Wiggershaus berichtet über die Edition der Briefe 1933-1936 von Elke Lasker-Schüler, die bei Jüdischer Verlag erschienen sind.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Er sei der große Unnahbare in der Welt der Comics: Robert Crumb. Die FAZ berichtet über eine Veranstaltung im Dortmunder Museum am Ostwall, zu der 150 Menschen gekommen sind, obwohl sich Crumb, der große Menschenaufläufe hasst, Werbung verboten hat. Die FAZ stellt uns Comic als Kunst vor, die mittlerweile nicht mehr nur ins Kinderbuchregal gehören, wie auch Carlsen für seine Graphic Novels Reihe immer wieder betont. Der große Comic von Crumb Fritz the cat ist bei Frankfurter Allgemeine Buch zu haben. Weitere Bücher sind bei Verlag der Buchhandlung König und Taschen erschienen.

Kommentiert wird der Kofferstreit, der in Prag um Milan Kundera ausgebrochen ist. Der damals 20-Jährige habe einen Mann angezeigt, der bei einer Kommilitonin einen Koffer habe stehen lassen. Er konnte sogar davon berichten, was in dem Koffer war – und er meldete, dass dieser Mann namens Miroslav Dvorácek ein Exil-Tscheche sei, der im Jahr zuvor illegal nach Deutschland gegangen war, wurde bereits vor kurzem aus vermeindlichen Akten zitiert.
Der Koffer der jetzigen Empörung erinnere an den Terezas in Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Kunderas Bestseller, so der Kommentator. Das bekommt nun einen neuen Geschmack: Wie auch immer der Leser sich jetzt stellt, „er wird auf das Motiv des Verrats stoßen, er wird weitere Spuren suchen. Er wird sich für seine Paranoia tadeln, aber ihr nie mehr entweichen können“

„Die Verschwundenen im Äther“: Beate Tröger hat sich den Roman The lost City Radio von David Alarcón angesehen, der bei Wagenbach in Übersetzung erschienen ist. Es finde erschreckend deutliche Worte für die subtile Unterdrückung in lateinamerikanischer Herrschaft, so Tröger.

„Wir sind von Furcht durchdrungen“, das zeige die Geschichte um den Roman Aisha. Die Geschichte um das Buch wäre beinahe nicht bekannt geworden, denn Random House habe versucht die Autorin Sherry Jones zum Schweigen zu verpflichten, erst Journalistin Asra Nomani machte den Streit öffentlich, so Nina Rehfeld.

Gemeldet wird, was schon gestern bekannt war, dass Marbach die Paul-Celan-Briefe erhält. Das ist vor allem ein Konvolut, das aus Briefen an Gisela Dischner besteht.

Süddeutsche Zeitung

In der Süddeutschen kommentieren gleich zwei Autorinnen Politisches: Frances Fitzgerald äußert sich über Sarah Palin, die das Erhören der Gebete der Rechten symbolisiere und Slavenka Drakulic beklagt angesichts einiger Attentate in Zagreb die kroatische Regierung bekämpfe die Mafia nur halbherzig, denn die politische Kaste müsste die Waffen dann gegen sich selbst richten. Von ihr ist zuletzt Leben spenden: Was Menschen bewegt, Gutes zu tun (Zsolnay) erschienen.

„Besser fahren dank Reparatur“, Donald Davidsons Philosophische Aufsätze habe Suhrkamp mit dem Band Wahrheit, Sprache und Geschichte nun komplettiert.

„Tritt auf wie ein Herr unter Herren“, Hans-Peter Kunisch lobt in einer weitere Besprechung Wilfried N’Sondés Das Herz der Leopardenkinder (Kunstmann) und findet bemerkenswert, wie der dem Leser sympathische Protagonist von seinem Autor ins Unrecht gesetzt wird und trotzdem sympathisch bleibt.

Die Welt

Heute ist nur Thema, was Sie gestern schon bei uns im Netz nachlesen konnten [mehr…]: Kritische Anmerkungen von Hendrik Werner über Merkwürdige Methoden der Google Buchsuche – denn mit Geschick lassen sich Texte doch ausdrucken.

Financial Times Deutschland

Nichts aus der Buchbranche, aber ein Stück Wirtschaftsgeschichte wie sie im Buche steht und den Unternehmer berührt: Firmenpatriarch Albert Darboven (72) habe seinen Sohn und designierten Nachfolger wegen „Verständigungsschwierigkeiten“ über das Marketing vor die Tür gesetzt. Nun nehme der Nachwuchs sich eine Auszeit. „Dann muss ich eben etwas mehr arbeiten“, wird Darboven zitiert, der die Marke ganz auf die Persönlichkeit des Inhabers abgestellt hat.

Neue Zürcher Zeitung

Auch hier geht es über Aisha unter „Liebe macht blind – Sympathie manchmal einäugig“. Sherry Jones‚ Roman über die Lieblingsfrau des Propheten Mohammed bei Pendo findet Angela Schader zwiespältig: „Sherry Jones‘ Wunsch, ihre Leser im Geist der Versöhnung an den allzu oft verteufelten Islam heranzuführen, verdient Achtung – noch wo ihr Buch literarischen Ansprüchen nicht ganz gerecht wird oder die historische Faktizität allzu sehr strapaziert.“

In Polen sorgt die dritte Autobiografie von Lech Walesa für Umsätze und Nachfragen. Doch auch in dem unter dem Titel erschienenen Buch, das sich mit Der Weg zu Wahrheit übersetzen ließe, seien kaum neue Erkenntnisse zu finden, wird berichtet.

„Eine Kuppel aus Seufzern“, fand Paul Jandl in der Kindheitsgeschichte wie sie André Heller in Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein bei S.Fischer erzählt. „Heller bringt Episoden, deren Zusammenhang nicht immer zu erkennen ist. Wahres und Erfundenes mischen sich in seiner Erzählung auf ebenso zwanglose Weise wie Banales und Philosophisches“, so Jandl.

„Poetische Anarchie“, findet Roman Bucheli so gut an den ansonsten heiteren Gedichten von Giovanni Orelli, der heute achtzig wird und dessen Walaceks Traum auf Deutsch bei Limmat erscheint.

Die Zeit

Als „Feuerwerkerin“ bezeichnet Christof Siemes heute Elke Heidenreich, mit der Begründung, sie habe ihren Abgang aus Lesen! lediglich inszeniert und vorgezogen. Denn gerechterweise hätte Heidenreich zu Beginn 2009 ihre Sendung aus freien Stücken absetzen müssen, da sie unter dem Dach von Random House ihren eigenen Musikverlag führen werde. Was bedeutet, dass sie nicht mehr unvoreingenommen Literatur empfehlen könne. Und Siemes startet erste Überlegungen zu einer Debatte und stellt die Frage: „Wie lassen sich Bücher, wie lässt sich Kultur angemessen im Fernsehen präsentieren?“

Eberhard Falcke widmet sich Denis Johnson im Artikel „In der Hölle zu Hause“. Der Vietnam-Roman Ein gerader Rauch biete keine „geistige Wellness“, dafür aber „großartige, beunruhigende, brisante, wunderbar wüste Literatur“.

“Eindrucksvolle Dampfwolken“ finde sich in Peter Morsbachs Der Cembalospieler. Kristina Maidt-Zinke kritisiert so einiges, besonders unkorrekte Zitate, außerdem habe er „überintstrumentiert“.

Außerdem: Matthias Rübs Gott regiert Amerika lässt Bernd Greiner interessante Schlüsse auf die amerikanische Gesellschaft schließen, und Hermann Theissen empfiehlt Mehr Kapitalismus wagen von Friedrich Merz.

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