Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und überall wird das China-Fiasko in Frankfurt kommentiert

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Frankfurter Rundschau

Keine gute Presse für die Messe: „Eklat ohne Ende“ lesen wir schon auf der Titelseite der FR über das China-Symposium der Buchmesse [mehr…] und [mehr…]: „Deren Chef Jürgen Boos ließ sich von der chinesischen Delegation vorführen“, meint das Blatt. Headline des Feuilleton-Aufmachers von Arno Widmann: „Das China-Symposium der Buchmesse beginnt als Skandal und endet als Fiasko“. Nachdem nach verhafteteten Journalisten gefragt wurde, brach das Chaos los. „Die Chinesen bedeuteten Jürgen Boos, er müsse auf Abbruch der Veranstaltung drängen. Diese Arbeit übernahm dann für ihn der Generalsekretär des PEN.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Auch hier China auf der Titelseite des Feuilletons: „Zu Gast bei Diktatoren? – Der Westen zum Diktat, bitte“, die Headlines sagen alles.

Ab heute gibt es die Novelle Landesbühne von Siegfried Lenz als Vorabdruck. Felicitas von Lovenberg sagt, warum.

Das Kleist-Archiv Sembdner hat eine Bildbiografie von Heinrich von Kleist gemacht, Autor ist Eberhard Siebert.

Annotationen
„alles außer Tiernahrung. Neue politische Gedichte (Rotbuch) und Zauber der Kindheit (Bertelsmann Chronik).

In Israel wird weiter um den Kafka-Nachlass gestritten.

Silvia Bovenschen feiert Monika Schoeller, die am 15. September 70 wird.

Neue Wirtschaftsbücher
Bansbach Schübel Bröztl & Partner Consulting (Stollfuß) und Àsgeir Jóhnsson Der Fall Island (Finanzbuchverlag).

Süddeutsche Zeitung

Günter Grass hat es heute qua Jubiläum auf die Titelseite geschafft: Vor 50 Jahren erschien seine Blechtrommel. In Lübeck ist dazu seit gestern eine Ausstellung eröffnet worden.

Der derzeitige Kulturstaatsminister und Gastredner der letzten Buchtage Berlin Bernd Neumann würde gern sein Amt weiterführen. Gute Noten verteilt Jens Bisky aber nicht. Frank-Walter Steinmeiers Favouritin Barbara Kisseler klopft dagegen Stephan Speicher ab.

„Süffisant, verklatscht und manchmal ahnungslos“ erzähle Alexander Waugh in Das Haus Wittgenstein die Geschichte der Familie, so Christoph Bartmann unter „Abkehr vom Unternehmergeist des Vaters“.

„Der Raubkopierer Xerox und die satanischen Verse“: Kai Wiegand lobt den soziologischen Blick von Aravond Adiga in dessen neuem Buch Zwischen den Attentaten bei C.H.Beck.

Ach ja, der diesjährige Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar geht an Christian Kracht für seinen Roman Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten (Kiepenheuer & Witsch).

Und dann noch der Medienklatsch: „Noch ’ne nette“ so die SZ über den ersten Auftritt von Feuchtgebiete-Autorin Charlotte Roche bei 3 nach 9. „Wer erwartet hätte, dass ich untenherum dreckig reden würde, der hat sich getäuscht“, sagt sie und die SZ kommentierte: „Roche steckt niemanden die Zunge in den Hals“. Weiterschlafen!

Die Welt

50 Jahre Blechtrommel – „mit einem Hochamt“ feiert Lübeck die Eröffnung der Ausstellung.

Auch hier keine gute Presse fürs China-Symposium: ein „Fiasko“, schreibt Uwe Wittstock, der auch auf S. 6 einen Kommentar unter der Überschrift „Peinliches Einknicken“ verfasst hat. Was Gottfried Honnefelder gesagt hat: die Einladung Chinas sei richtig, weil China so mit Fragen z.B. nach Menschenrechten konfrontiert werden können, ist unterlaufen worden – genau die Fragen wurden eben nicht gestellt.

Am Mittwoch erscheint der neue Dan Brown: „Es dürfte der erste Bestseller sein, zu dem schon vor Vollendung Sekundärliteratur vorliegt“, merkt Wieland Freund an.

Neue Zürcher Zeitung

„Turbo-Geheimnis“: Dan Browns langerwarteter Thriller sorgt in den USA für Riesenrummel. „Der Hype um Browns Buch ist noch voll im Gang, da verschleudern Grosshandelsketten wie Wal-Mart Browns Thriller bei Vorbestellung bereits 52 Prozent unter dem empfohlenen Ladenpreis von 29 Dollar 99. Die grossen Buchhandlungen Borders und Barnes & Noble, die den ebenfalls schon auf Dienstag angesetzten Verkauf der E-Book-Version fürchten, versprechen 40 Prozent Discount.“

Und unter „Was Bibliotheken lieber verschweigen“ kommt ein ungemütliches Thema mit schlechten Assoziationen zur Sprache: „Es gibt Bucheinbände aus Menschenhaut“. Doch nicht allein die Nazis sind gemeint: „Die Praxis, Bücher in gegerbte Menschenhaut zu binden, hat es in früheren Jahrhunderten gegeben. Erzeugnisse dieses «Handwerks» finden sich noch immer in manchen Bibliotheken“, erfahren wir. Und natürlich haben die Pathologen keine Hemmung: „Eine der grössten Sammlungen von medizinischen Werken mit Einbänden aus Menschenhaut befindet sich heute im anatomisch-pathologischen Museum des College for Physicians in Philadelphia.“

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