Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und warum nicht MRR den Eklat verursachte

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Erwartungsgemäß wird heute ausgiebig über die Ablehung des Deutschen Fernsehpreises durch Marcel Reich-Ranicki berichtet [mehr…].
Auf den Medienseiten befragt Hubert Spiegel Beinahe-Deutscher-Fernseh-Preisträger Reich-Ranicki zu seinem „Eklat“ und titelt mit dem Zitat: „Ich konnte es einfach nicht mehr aushalten und wurde zornig“. Es sei eine spontane Reaktion gewesen, versichert dieser. Empörend sei das Niveau gewesen und dass er zwei Stunden auf eine harten Stuhl habe aushalten müssen und fünfzehn Minutenweise vertröstet worden sei. Auch die vielen herumlaufenden Köche hätten ihn aufgebracht. Er bedaure, dass er nicht auf den eigentlichen Skandal eingegangen sei, „nämlich, dass Kultur und Bildung an diesem Abend kaum erwähnt wurden. Kultur kommt im deutschen Fernsehen so gut wie nicht mehr vor.“ Nach dem Auftritt glaube Reich-Ranicki, dass eine Debatte über die Qualität des Fernsehen folgen werde.

Auf einer halben Seite beschreibt Elke Heidenreich in der FAZ, wie ihr zu Mute war als Marcel Reich-Ranicki den Deutschen Fernsehpreises vor laufenden Kameras abgelehnt hat (gestern schon online, [mehr…] ). Auch sie habe sich geärgert: Thomas Gottschalk wiederhole routiniert seine Moderationen, die er schon tausend Mal gehalten habe, Laudatoren lesen „vorgefertigte pointenlose Texte“ vom Teleprompter ab, jeder Preisträger fummele am Mikro herum und stammele da herum. „Die Radios meldeten schon, Reich-Ranicki habe einen Eklat verursacht. O nein, das hat er nicht. Der Eklat war diese grauenvolle Veranstaltung. Reich-Ranicki war der Lichtblick“.

In eigener Sache kündigt die FAZ an, dass am 15. Oktober während der Frankfurter Buchmesse eine sechswöchige Debatte im Lesesaal der FAZ zu Ende gehen wird, die sich mit der fünfbändigen Deutschen Gesellschaftsgeschichte von Hans-Ulrich Wehler (C.H.Beck) beschäftigt.

Gewürdigt wird unter „Haupteinfallstor für die Alliierten der Weltliteratur“ das Verlagsjubiläum von Rowohlt zusammen mit den Hinweisen auf die beiden Bücher 100 Jahre Rowohlt. Eine illustrierte Chronik, die Herrmann Gieselbusch u.a. bei Rowohlt verfasst haben und das Buch Hans Falladas Briefwechsel mit dem Ernst Rowohlt Verlag unter dem Titel Ewig auf der Rutschbahn, auch bei Rowohlt.

Unter „So Genossin, Sie gestatten?“ rezensiert Anja Hirsch Francine du Plessix Grays Buch Majakowskis letzte Liebe, in dem es um Majakowskis Frauenbeziehungen geht. Ein amüsantes Buch, da sich die Rivalinnen auch noch nach seinem Tod Wortgefechte lieferten.

Annotiert wird Dolf Hermannstädters Got me? Hardcore-Punk, das bei Mox&Maritz Verlag] erschien. Außerdem Franz Fühmann Märchen für Erwachsene beim Hinstorff Verlag.

Auf der FAZ-Sachbuch-Sonderseite begibt sich Andreas Rossmann mit seiner Lektüre auf den „Abendflug nach Palermo“ und berichtet über Petra Reskis Titel Von Patzen, Pizzerien und falschen Priestern. „So anschaulich ist, zumindest auf Deutsch, noch nie über die Mafia geschrieben worden“, heißt es gleich in der Anlese.

„Kommen Sie mir nichtmit Wissen,d as keine Vorraussagen ermöglicht!“ so drohen laut Michael Borgolte die Autoren James A. Robinson und Klaus Wiegnat in ihrem Buch Die Ursprünge der modernen Welt.

„Ein Traum ist ausgeträumt“, hält Caspari Hirschi es mit der Zukunft der Handbücher und hat so einige Kritikpunkte an dem Schöningh-Titel Konfessionalisierung und Staatsinteresse 1559-1660. Handbuch der Geschichte der internationalen Beziehungen, indem unter anderem zwei Textpassagen ins Leere gehen.

Frankfurter Rundschau

Kurz vor der Buchmesse mit ihrem Schwerpunkt Türkei meldet sich PEN-Präsident Johano Strasser zu Wort und bezichtigt das Land am Bosperus massiver Verletzungen von Menschenrechten. Dort seien etwa 1000 Autoren und Journalisten wegen Staatsbeleidigung verfolgt worden, sagte er gestern auf einem Symposion in Frankfurt.

Die Zeitung erinnert an die Ermordung des Istanbuler Journalisten Hrant Dink am 19. Januar 2007, dem 62. Opfer seit 1909.

DIE WELT

In einer Reportage geht es um das deutsche Tagebucharchv, das in Emmendingen rund 6000 Tagebücher von missionarischen Hausfrauen, sterbenden Soldaten und verstörten Teenagern lagert. steht Vom 21. bis 23. November finden nun die ersten Autobiografietage startet. Die Eröffnung bestreitet Martin Walser.

Der Autor Burkhard Spinnen kümmert sich um die Frage, was passiert, wenn die Banken verstaatlich würden. Von ihm ist das Buch Gut aufgestellt: Kleiner Phrasenführer durch die Wirtschaft bei Herder erschienen.

Die WELT stellt noch einmal klar: War gestern nicht ganz klar, ob MRR den Preis doch noch heimlich hinter der Bühne hat mitgehen lassen, lässt er sich heute eindeutig vernehmen: „Ich habe den Preis nicht angenommen und werden ihn auch nicht annehmen.“ MRR sei nicht besonders taktvoll vorgegangen, aber das sei nun auch nicht das Amt eines Kritikers, heißt es dazu von Uwe Wittstock.

Autor Matthias Kracht (Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten, Kiepenheuer & Witsch) bekennt im Interview : „Ich finde es reicht“ und kündigt seinen Abschied vom Schreiben, Kommunisten und der Psychotherapie an. Allerdings sucht er in Boenos Aires, wohin er zog, nun einen neuen Therapeuten. Von seiner ursprünglichen Idee, in die Politik zu gehen und die Falkland-Inseln wieder zu befreien, sei er abgekommen.

Süddeutsche Zeitung

Die Süddeutsche hat Thomas Gotschalk mit Fragen zu Marcel Reich Ranickis Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises vor das Micro bekommen. Der bescheinigt dem ganzen eine „Gewisse Logik“. Das versprochene Gespräch mit den Senderchefs soll noch nun schnell wie möglich aufgezeichnet werden. „Es gibt da eine Internetbande, die in Jubel ausbricht, wenn Stefan Raab rülpst und das für eine große Unterhaltungsleistung hält. Wenn ich aber Rilke zitiere, wird das immer noch als anzüglicher Herrenwitz interpretiert. So ist das halt, ich kann damit leben.“

„Bevor er wusste, wie ihm geschah, lag er vor dem Handelshaus im Matsch“: Der Schwede Erik Helmerson meint, die Isländer hätten sich früh auf solche Schläge wie die Bankenkrise vorbereitet wie man in den Romanen von Halldor Laxness nachlesen könne. So beschreit Helmerson, wie er gerade in Reykjavik in einem Symposion sitzt als plötzlich die Teilnehmer den Saal verlassen, um ihr Geld von der Bank zu holen.

Kai Strittmatter war zu Besuch am Bosperus und berichtet, dass in der Türkei nur ganz allmählich eine Kultur des Lesens entstehe.

Begeistert ist Dorothea Wendebourg von dem Über-1000-Seiter Die Reformation, dessen Autor Diarmaid MacCulloch erstmals die weltweite Dimension erfasst habe. Das Buch erscheine praktischerweise zu Beginn einer Reformationsdekade und könne kaum eindrücklicher sein.

Vater sein sei ein Abenteuer, doch wenn man davon erzählt, dann sei es nicht mehr so aufregend und so wendet sich Verena Mayer von Stefan Rehbergers Vaterroman Träum weiter! bei Rowohlt eher ab.

Alexander Menden hat den Vorsitzenden der Jury Michael Portillo vor der Verleihung des Booker-Preises am kommenden Samstag schon mal zu seiner Arbeit gefragt.

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