Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und weiterfeiern: Hans Magnus Enzensberger wird 80

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Frankfurter Rundschau

„Irrlichternd heiter voran“: So sieht Arno Widmann den Autor Hans Magnus Enzensberger zu seinem 80. Geburtstag. „Sein Trick ist, dass er so tut, als wäre er klug aus Bescheidenheit.“

Imre Kertész hat mit seinem Interview in der WELT offenbar in Ungarn die Rechten erzürnt. Dort hatte er gesagt, die Hauptstadt Budapest sei „vollkommen balkanisiert“ und meinte: „Rechtsextreme und Antisemiten haben das Sagen. Die alten Laster der Ungarn, ihre Verlogenheit und ihr Hang zum Verdrängen, gedeihen wie eh und je.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Große Letter für Hans Magnus Enzensbrger im Aufmacher des Feuilleton-Teils. „In der Lyrik findet der Distanzkünstler zu sich selbst – und wir zu ihm“, so Felicitas von Lovenberg hymnisch. Und auf der foglenden Seite darf jeder per Kolumne dessen Vielseitigkeit hervorheben: Enzensberger, der Medientheoretiker, der Dienstreisende, der Pamphletist, der Geschichtsphilologe, der Naturwissenschaftler, der Kinderbuchautor, der Freund und Kollege. Bei Suhrkamp ist zur rechten Zeit in der Filmedition ein Portrait über Enzensberger unter dem Titel „Ich bin keiner von uns“ erschienen.

In Mainz hat Daniel Kehlmann in einer Rede Alfred Döblin ins moralische Recht gesetzt und den Vorwurf entkräftet, Döblin hätte das Unerhörte der Konzentrationslager in seinen Romanen nicht erwähnt. Döblin sei es um die „Restitution des Humanismus“ gegangen.

Holger Schmid erläutert, warum Rupert Murdoch Google den Zugriff auf seine Inhalte verweigern will [mehr…]. Denn über den Google-Weg könne man die Sperre zu den Inhalten auf dessen Zeitungen umgehen. Erstmals werde damit klar, dass ohne Inhalte Google News nichts taugen würde. Deshalb müsse Google Werbeeinnahmen teilen, was im Silicon Valley aber abgelehnt wird. Derweil berichten alle Zeitungen, dass das Ende des Streits um das Google Settlement wieder aufgeschoben wurde.

Süddeutsche Zeitung

Enzensberger auf der angeblich nur „einstmals bedeutenden“ Seite Drei …

Auch Thomas Steinfeld war im wiedereröffneten Schiller-Museum in Marbach. Ihm hat es gut gefallen. Sein Fazit: „Und so mag der Dichterhügel in Marbach durch die Sanierung des Schillermuseums in seiner öffentlichen Geltung noch ein wenig weiter in den Himmel gewachsen sein. Im Praktischen Umgang aber ist Friedrich Schiller den Besuchern seines Museums sehr nahegerückt.“

Auf der Literaturseite noch einmal – oder besser – zweimal Enzensberger. Dessen Fortuna und Kalkül. Zwei mathematische Belustigungen (Suhrkamp) rezensiert Andreas Zielcke und bewundert an dem „höchst lesenswerten Büchlein“ den „beeindruckenden Sachverstand“.
Lothar Müller bespricht Scharmützel und Scholien, einen sehr dicken Band mit den meisten der literarischen Essays und Rezensionen Enzensbergers. Auch bisher unveröffentlichte Texte sind in dem Suhrkamp-Band zu finden. Der Schriftsteller gehöre „wohl jenem Typus an, den er nur als Gegenstand seiner Essays zu kennen schien: dem Typus des Kritikers.“

Pier Paolo Pasolini hat 1959 mit seinem Fiat Millecento Italien an der Küste entlang von San Remo bis nach Syrakus und zurück an der Adriaküste nach Triest umrundet. Das Ergebnis war eine dreiteilige Zeitungsreportage, die jetzt erstmals auf deutsch vorliegt: Die lange Straße aus Sand, Edel Verlag. „Sie zeigt ein Land im Umbruch, voller Kontraste und harter Schnitte.“

„Zu Unrecht Vergessene“ versammelt der Band Zu Unrecht vergessen. Künstler im München des 19. und 20. Jahrhundert bei Wallstein, herausgegeben von der Akademie der Schönen Künste.

„Abwechslungsarm und routiniert“ erschien Alexander Kissler das Hörspiel zu Sven Regeners Der kleine Bruder im Hörverlag.

Die Welt

Wieland Freund über Michael Ende, der morgen 80 Jahre geworden wäre. „Bitter unrecht“ habe „eine eifernde, manchmal geifernde Kinderbuchkritik nach `68 Ende“ getan.

Neue Zürcher Zeitung

Die NZZ feiert neben Hans Magnus Enzensberger gleich noch mehrere Doppelgänger seines Namens mit.

„Im Affenkäfig“: Naja Marie Aidt serviert vergiftete dänische Süssigkeiten bei Luchterhand.

„Eine Lebensbeichte“, kommt von Alberto Nessi in Nächste Woche, vielleicht bei Limmat.

„Macht und Ohnmacht eines Intellektuellen“, ist das Thema in dem Buch J. Robert Oppenheimer von Martin J. Sherwin und Kai Bird. Urs Hafner lobt es als eine „grosse Biografie“, in der es auch um die leidenschaftliche Ehe geht, bei der die Kinder vereinsamten.

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