Heute in den Feuilletons – u.a. Ein Offener Brief von Herta Müller / In England eine Buchdruckmaschine im Handel und Bestandsaufnahme zu Aufbau

Stern

Von der Bestsellerliste lässt er sich schon lang nicht mehr runterschubsen: Richard David Precht mit „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ (Goldmann). Andrea Ritter hat ihn in Köln besucht.

DIE ZEIT

Volker Braun hat ein Gedicht zum Dresdner Brückenstreit verfasst: Zwei Verse daraus:

Die Ramme stand schon da, und Milbradts Nischel*
Schaffte Tatsachen. Ist das die dresdner Denkart?

Thomas Assheuer findet, dass sich der Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch selbst widerlegt: „Seit Wochen schreibt er Müller (gemeint ist der Kritiker Burkhard Müller – d. Red.) böse Briefe und verteilt sie an verdiente Mitarbeiter des Kulturbetriebs www.perlentaucher.de

Kerstin Grether schreibt darüber, warum man den neuen Feminismus weder der akademischen Arroganz noch den Hämorrhoiden-Pornos überlassen darf: „Charlotte Roche bricht Pseudotabus, die keiner ernst zu nehmen braucht“.

Dieter Hildebrandt feiert Diogenes für seine sensationelle Ray Bradbury-Ausgabe. Jochen Schimmang rezensiert die Paul Nizon-Tagebücher „Die Zettel des Kuriers“ (Suhrkamp), und Leopold Federmair bespricht den von Celan übersetzten Henri Thomas-Roman „Das Vorgebirge“ (Suhrkamp).

Zu Götz Georges 70. ist bei Scherz seine Autobiografie „Mit dem Leben gespielt“ – Peter Kümmel hat sie sich angesehen.

Weitere Rezensionen:
Susanne Mayer über Corinne Maier „40 Gründe, keine Kinder zu haben“ (Rowohlt), Hans Pleschinski über Ekkehard Eickhoff „Venedig, Wien und die Osmanen“ (Klett-Cotta), Gunter Hoffmann über Reinhold Vetter „Wohin steuert Polen“ (Ch. Links), Rolf-Bernhard Essig über W. Frühwald „Das Gedächtnis der Frömmigkeit“ (Verlag der Weltliteraturen) und Manuel J. Hartung über „Die Wissenschaftsmacher. Reimar Lüst im Gespräch mit Paul Nolte“ (C.H. Beck).

Günter Grass dichtet für den verstobenen Peter Rühmkorf (der das freilich besser konnte), Franz Schuh reflektiert anhand des Diogenes-Bands „Denken mit…“ über La Rochefoucauld und Christoph Dieckmann berichtet vom LCB-Sommerfest, das in diesem Jahr C.H. Beck ausrichtete [mehr…]

* Nischel=sächsisch für Kopf, Schädel

Frankfurter Rundschau

Herta Müller hat einen Protestbrief an das Rumänische Kulturinstitut in Berlin geschrieben: das nämlich hat zur Sommerakademie zwei ehemalige Securitate-Spitzel eingeladen: „Ich verspreche, dass ich nie mehr einen Fuß über die Schwelle des ICR in Berlin setzen werde – und ich werde nicht die einzige sein.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die 24 nationalen Musikverwertungsgesellschaften im Europäischen Wirtschaftsraum müssen ihr Angebot für EU-Ausländer öffnen und dürfen ihre meist nationalen Märkte nicht länger untereinander aufteilen, entschied die Europäische Kommission ein zwei Jahre dauerndes Kartellverfahren. Urheber können nun unter den verschiedenen Gesellschaften wählen. Geldstrafen verhängt die Kommission nicht.

Rezensionen
Karl-Heinz Göttert über Peter-André Alt „Klassische Endspiele. Das Theater Goethes und Schillers“ (C.H. Beck) – eine Auseinandersetzung mit Adorno.

Maria Frisé hat die „Munteren Geschichten für müde Menschen“ von Martha Gellhorn (Dörlemann) gelesen: „Dass Martha Gellhorn auch eine Schriftstellerin vom Rang eines Maupassant oder Evelyn Waugh war, ist bei uns kaum bekannt. Von ihren acht Romanen und drei Erzählungsbänden ist nur ein kleiner Teil übersetzt.“

Annotationen zu Sebastian Kleinschmidt „Gegenüberglück“ (Matthes & Seitz) und Joachim Kalka „Schreiben / Glauben“ (Wallstein).

Informiert wird über den Ricarda Huch-Preis an Hanna Krall [mehr…] und eine Neuerung aus England: Die Briten werden demnächst in den Niederlassungen der Buchhandelskette Blackwells Book on demand-Bücher selbst ausdrucken lassen: Der Kunde gibt einfach den Titel ein, und in wenigen Minuten hat er das fertige Produkt in der Hand. Im Herbst will Blackwell mit dem Probelauf beginnen, dann sollen alle 60 Filialen mit dieser Technik ausgestattet werden.

Im Reiseblatt gibt’s einige Buchtipps: „Kleine Thüringer Stadtgeschichte“ (Silberburg), „Jausen, Marenden & Törggelen“ (Wartberg Verlag), „Die 101 wichtigsten Fragen – China“ (C.H. Beck) und „Polen hin und weg. Kurztrips zum Nachbarn“ (Edition q im be.bra Verlag).

Die Welt

Eckhard Fuhr glossiert ein Interview, das Clemens Meyer dem „Playboy“ gegeben hat: „Jedenfalls ist der ‚Playboy’ ein Organ, in dem man schon als Rebell durchgeht, wenn man sagt, dass einem die Urteile des Literaturkritikers Reich-Ranicki gleichgültig seien.“ Und er zitiert den Autor: „Richtige Männer müssen Bargeld haben. Und wenn es dann ans Bezahlen geht, eine Rolle Scheine aus dem Hemd ziehen und hinblättern, flapp, flapp, flapp.“ – Was man von Schriftstellern doch alles lernen kann …

Gernot Facius würdigt Franz Alt zum 70.: „Eine lebende Provokation für die Ausgewogenheitsfanatiker.“

Süddeutsche Zeitung

Rapper Bushido klagt erfolgreich gegen illegale Downloads – er selbst und nicht seine Plattenfirma ist vor Gericht gezogen.

Wissenschaftler wollen in einem von der VolkswagenStiftung geförderten Vorhaben die Einstellung zur deutschen Sprache untersuchen. Es ist das erste derartige Projekt in Deutschland.

Rezensionen
Hans-Peter Kunisch über Nathan Englander „Zur Linderung unerträglichen Verlangens“ (Luchterhand), Jean-Michel Berg über den Briefwechsel zwischen Hans Fallada und seiner Ehefrau Anna Ditzen „Wenn du fort bist, ist alles nur halb“ (Aufbau) und Willy Hochkeppel über Richard Rorty „Philosophie als Kulturpolitik“ (Suhrkamp).

Thüringer Allgemeine

Jens-F. Dwars über Aufbau-Verlag: Wiedergeburt im Untergang: „Als im März der Bundesgerichtshof dem Verleger (Bernd F. Lunkewitz – d. Red.) recht gab, nutzte der es nicht, um den Verlag zu neuen Ufern zu führen, sondern ließ ihn auf die Sandbank laufen. 1500 Lizenzen hat die Aufbau-Verlags-GmbH seit 1991 vergeben, für die sie keine Rechte hatte. Die lagen beim Kulturbund bzw. seit 1995 bei Lunkewitz. Er will Entschädigung für den Rechtsbruch und plant, dafür die Bundesrepublik bzw. das Finanzministerium haften zu lassen. Ein nahezu genialer Coup, den man fast marxistisch nennen möchte: Ein gewiefter Geschäftsmann schlägt den Rechtsstaat mit seinen eigenen Mitteln.
Das Dumme ist nur, dass er dabei den Verlag opfert, das Werk vieler, das er einst retten wollte und an dessen Tod er allein gewinnen würde: 48,8 Mio. Euro hat er der Aufbau-GmbH in Rechnung gestellt und ihr jegliche Bürgschaft für den weiteren Geschäftsbetrieb entzogen. Eine Summe, die der Verlag nicht zahlen kann, obwohl er 2007 seinen Umsatz um ein Viertel auf fast 15 Mio. Euro gesteigert hat. Das ist das Absurde an dem Fall: Der Retter ermordet sein Kind in genau dem Moment, in dem es alle Schwächen und Krankheiten überwunden hat und kräftig zu wachsen beginnt.“

Neue Zürcher Zeitung

Daniel Ender rezensiert Oliver Sacks “Der einarmige Pianist. Über Musik und das gehirn“ (Rowohlt), Franz Haas hat Christine Gräns Roman „Heldensterben“ (Rowohlt): „Letztlich ruiniert Christine Grän … mehrere ganz gute Passagen und Milieustudien…“

Judith Leister bespricht Viktorija Tokarjewa („… eine bewährte Marke der russischen Unterhaltungsliteratur…“) „Liebesterror“ (Diogenes): „Tokarjewas Bücher sind in gewisser Weise Durchhalteliteratur: Ball flach halten, Ziele nicht zu hoch hängen, Hauptsache durchkommen.“

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