Heute in den Feuilletons, u.a.: In Deutschland sterben die Buchclubs, in England boomen sie

Frankfurter Rundschau

Der sorbische Dichter Kito Lorenc erhält den mit 13.000 Euro dotierten Lessing-Preis des Freistaates Sachsen.

Thomas Laux rezensiert Henri Thomas’ „Das Vorgebirge“ (Suhrkamp), übersetzt von Paul Celan: „Das hat gedauert. Die Bemühungen, den französischen Schriftsteller Henri Thomas (1912-1993) im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen, wirkten von Anfang an halbherzig.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Wenn es denn „Literatur“ ist: Hans Magnus Enzensberger reflektiert die Entscheidung der Deutschen Bahn, kein Kursbuch mehr zu drucken. Die letzte gedruckte Ausgabe wird ein limitiertes Sammlerstück sein, vierbändig im Schuber mit Silberschnitt und Lesezeichen. Und Enzensberger verkneift sich den Kalauer, dass Holtzbrinck mit der Einstellung „seines“ Kursbuches schneller war [mehr…]. Dafür gibt es sein Gedicht „ins lesebuch für die oberstufe“ aus dem Jahr 1957 gratis dazu.

Eine kleine Bilanzmeldung auf Seite 34: Im vergangenen Jahr setzte der deutsche Buchmarkt 9,576 Milliarden Euro um, 3,4 Prozent mehr als 2006. Um 24 Prozent gewachsen ist im Potter-Jahr der Umsatzanteil des Kinderbuchs (nun bei 15,4 Prozent). Minus gab es nur bei Geisteswissenschaften, Musik und Kunst (4,91 Prozent, 2006: 8,9).

Tilman Spreckelsen bedauert die Einstellung des „Bunten Hundes“ [mehr…]: „Es ist ein Verlust, denn eine vergleichbare Zeitschrift für Kinder dieses Alters gibt es nicht.“

Und auf S. 38 startet die Zeitung eine Debatte über den „Autorisierungswahn von Interviews“. Erster Beitrag dazu: „Gute Interviews – dank Autorisierung“. Der Autor, Dirk Metz, ist Sprecher der Hessischen Landesregierung.

Die Welt

Noch einmal die Marbacher Wahl: Eckhard Fuhr erläutert, warum nach der Wiederwahl des Präsidenten der deutschen Schillergesellschaft, Manfred Erhard, nun die Reform des Literaturarchivs in Angriff genommen werden muss: „Das Archiv müsse sicherstellen, ‚dass sein Sammlungsprofil auch in Zukunft Kontur behält.’ Sein Ausbau zu einem ‚internationalen geisteswissenschaftlichen Forschungszentrum’ sei derzeit ‚nicht realistisch’“, so der Wissenschaftsrat.

„Lektüre braucht Groupies“, behauptet Hendrik Werner: „Während hierzulande die Buchclubs sterben, boomen in Großbritannien die Literaturkreise“: „Etwa 50.000 ‚Book Clubs’ gibt es in England. Tendenz steigend. Ein enorm umsatzträchtiger Markt, der umworben sein will.“

Süddeutsche Zeitung

Im Kulturverlag Kadmos gibt es schon eine Geschichte des Internets. Mercedes Bunz hat sie unter dem Titel „Vom Speicher zum Verteiler“ geschrieben, Bernd Graff rezensiert: „Dies ist ein wunderbares Buch. Dies ist ein furchtbares Buch. Man sollte es also lesen.“

Kai Wiegandt rezensiert Fay Weldons Romansatire „Die Moral der Frauen“ (dtv), Merten Worthmann bespricht Berta Marsé „Der Tag, an dem Gabriel Nin den Hund seiner Tochter im Swimmingpool ertränken wollte“ (Wagenbach).

Neue Zürcher Zeitung

Kerstin Knipp rezensiert Robert Bolano „Exil im Niemandsland. Fragmente einer Autobiografie“ (Berenberg): „Roberto Bolanos Fragmente werfen nachträglich ein mehr als erhellendes Licht auf den Schriftsteller und sein Werk.“

Weitere Rezensionen: Martin Zähringer über Elliot Perlman „Die sieben Seiten der Wahrheit“ (DVA), Thoimas Laux über Maurice Leblanc „Die Gräfin von Cagliostro oder Die Jugend des Arsène Lupin“ (Matthes & Seitz) und Samuel Moser über Andrea Winkler „Hanna und ich“ (Droschl).

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