Heute in den Feuilletons – u.a.: Wer kennt noch Tucholsky ? / und: Bertelsmanns US-Buchclubs verkauft

Frankfurter Rundschau

Hans Jansen hat bei (C.H. Beck) eine „Mohammed“-Biographie veröffentlicht, und mit einer Rezension dieses Buches von Arno Widman macht das Feuilleton auf. Er findet, dieses aus dem Niederländischen übersetzte Buch ist ein „Musterbeispiel heiterer Gelassenheit“.

Salman Rushdies Roman „Mitternachtskinder“, bereits 1981 mit dem Booker-Preis ausgezeichnet, ist jetzt in einer Sonderauszeichnung zur Feier des vierzigjährigen Bestehens des Booker-Preises als bestes Buch unter den bisherigen Siegern erkoren worden, meldeten wir am Freitag [mehr…]. Arno Widman kommentiert: „Der Liebhaber der Rockmusik fühlte sich hier selbst wie ein Rockstar.“

Der neue Roman des jüngsten Bachmann-Preisträgers Tilman Rammstedt [mehr…] erscheint Ende September bei DuMont. Noch ist das Manuskript von „Der Kaiser von China“ nicht ganz fertig. Tip der Redaktion: Lieber fleißig schreiben, als bei Youtube rumalbern: [mehr…]

Adolf Muschg hat sich für die FR Christiane Hoffmanns „Hinter den Schleiern Irans“ (DuMont) angesehen.

Auf Seite 22 gibt es einen kleinen Nachruf auf Anatoli Pristawkin (auch bei FAZ und SZ) [mehr…], und auf Seite 31 eine Liste der bei Hugendubel am besten verkauften Hörbücher. Platz 1: Hape Kerkeling, und Charlotte Roche muss sich erstaunlicherweise mit Platz 4 begnügen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Am Sonnabend hat der Ausschuss der Deutschen Schillergesellschaft den Vorstand gewählt und den bisherigen Präsidenten Manfred Ehrhardt im Amt bestätigt.

Vor 250 Jahren wurde das Buddenbrookhaus erbaut, vor 15 Jahren das Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum eröffnet. Das wurde in Lübeck gefeiert, und Jochen Hieber war dabei.

Rezensionen:

Sabine Berking über „Halbgötter im Reich von Marschall Tito“: Es geht um Drago Jancars Romane „Der Wandler der Welt“ (Berlin) und „Katharina, der Pfau und der Jesuit“ (Folio): „Jancars historisches Fazit mag pädagogisch und banal klingen…: ‚Wenn Halbgötter und Götter auf die Erde niedersteigen, gibt es neben Begeisterung auch immer Angst, Brennnesselsuppe und ein Messer in der Brust. Und für jeden eine Mauer im Gefängnis.“

Walter Hinck über „Otto der Großaktionär“, ein Roman aus Gisela Elsners Nachlass (Verbrecher Verlag): „Parodie und Satire triumphieren.“

Annotationen zu Hanjo Kesting „Ein Blick vom Machandelbaum“ (Wallstein) und Joachim Kalka „Schreiben / Glauben“ (Wallstein)

Die Welt

„Vielleicht liest das keine Sau“, so Lutz G. Wetzel provokativ zu Rowohlts Tucholsky-Ausgabe: „Die junge Buchhändlerin blättert ratlos: ‚Tucholsky-Gesamtausgabe? 22 Bände? Noch nie gehört.’ Dann klickt sie im Internet umher und nickt plötzlich: ‚Ja, hier hab ich so was. Da gibt es aber nur ein paar Einzelbände.’ Ich versichere ihr, dass nach einer Aussage der Herausgeber die vollständige Ausgabe schon 2003 erschienen sein soll. Bei Rowohlt. ‚Nö, find ich nicht’, sagt die Buchhändlerin. ‚Wie schreibt sich denn Ihr Autor genau?“

Süddeutsche Zeitung

Die Palastrevolution im Literaturarchiv Marbach ist wohl vorerst ausgeblieben, schreibt Jens Bisky heute auf der ersten Feuilleton-Seite der Süddeutschen Zeitung. Nachdem erst die Frankfurter Rundschau über heftige Streits um Programm und Personal und Beharrungsvermögen der Alten berichtet hatte, [mehr…], sind seit Sonnabend die alten wieder im Amt: Der Präsident der Schillergesellschaft Manfred Erhardt und der von ihm mit Vollmachten ausgestattete Direktor Ulrich Raulff. Biskys Fazit: Zwar sei viel geschafft, „die Professionalisierung könnte neue Leidenschaften wecken.“

Rezensionen:

Im Literaturteil geht es überwiegend historisch zu. Willi Winkler verreißt das Patmos-Buch „Die Münchener Räterepublik“ von der Dozentin an der Bundeswehrhochschule München Michaela Karl. Er lobt sie noch für die Aufklärungsarbeit, doch angefangen bei der floskelhaften Sprache lässt er am Ganzen kein gutes Haar: „Nein, es hilft nichts, Frau Professor, Sie müssen nachsitzen und die bayerische Revolution noch mal durcharbeiten.“

Klaus Nüchtern feiert die neu erschienene Übersetzung von Hugo Claus’ „Der Kummer von Belgien“ (Klett-Cotta) über den Einmarsch der Deutschen in Flandern: Claus’ „deftige Collage“ sei „aller erhabenen Didaktik vorzuziehen“, so Nüchtern über das Buch, das Claus kurz vor seinem Selbstmord fertig stellte.

Im Politischen Buch kommt heute „Der Flick-Konzern im Dritten Reich“ von Johannes Bähr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto, Kim C. Priemel und Harald Wixforth auf den Besprechungstisch. Die Untersuchung aus dem Oldenbourg Verlag, der gerade selbst unter dem Titel „Wissen für die Zukunft“ in einer umfangreichen Dokumentation seine Geschichte aufgearbeitet hat, kommt zu dem Schluss, dass Flick „aufs übelste kollaborierte.“

Financial Times Deutschland

Bertelsmann verkauft US-Buchclubs: Die FTD hat sich dieses Geschäft näher angesehen: „Seit Jahren plagt sich Bertelsmann mit dem Buchvertrieb herum, nun hat der Medienkonzern eine Sorge weniger: Die nordamerikanischen Buchclubs der Gütersloher sind verkauft, weitere Länder dürften folgen.“

Annotationen zu „100 Jahre Rowohlt“, Stefan Wimmer: „Der König von Mexiko“ (Eichborn), Friederike Mayröcker „Paloma“ (Suhrkamp) und Thrainn Bertelsson „Walküren“ (dtv).

Neue Zürcher Zeitung

Jede Menge Rezensionen:

Johann Christian Müller „Meines Lebens Vorfälle & Neben-Umstände. Erster Teil“ (Lehmstedt)

Hansjörg Zauner „Luxus“ (Czernin)“

„Scripta volant, verba manent. Schriftkulturen in Europa zwischen 1500 und 1900“ (Schwabe Verlag)

Gesa Ziemer „Verletzbare Orte. Entwurf einer praktischen Ästhetik“ (Diaphanes)

Jürgen Brocan „Ortskenntnis. Gedichte 1996-2006“ (Lyrikedition 2000. Buch & Media GmbH)

Stefan Humbel / Christian von Zimmermann „Jeremias Gotthelf“ (Text+Kritik-Band)

Wolfgang Bauer „Lektüren und Dokumente“ (Ritter Verlag)

René Scheu „Das schwache Subjekt. Zum Denken von Pier Aldo Rovatti“ (Turia + Kant)

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