Heute in den Feuilletons – u.a. zur Börsenvereins-Druckkostenzuschussaffäre und Douglas’ Interesse an Weltbild

Frankfurter Rundschau

Während das „Kursbuch“ [mehr…] dichtmachen muss, blühen die Independents: z.B. ein paar junge Amerikaner, die „n+1“. Sie hassen Blogs und lieben Romane. Bei Suhrkamp gibt es jetzt die n+1-Anthologie unter dem Titel „Ein Schritt weiter“. Ina Hartwig hat mit den n+1-Machern gesprochen. Zum Projekt: www.nplusonemag.com

Florian Kessler vertieft das Thema und hat mit den Machern dreier junger Zeitschriften gesprochen: „sprachgebunden“ (Jan Valk), „polar“ (Bertram Keller) und „Edit“ (Ulrike Almut Sandig).

Mit „1983“ liegt David Peaces Werk „Red Riding Quartet“ komplett auch auf Deutsch vor (Liebeskind). Sylvia Staude rezensiert: „David Peace erfüllt mit Bravour die eigenen strengen Kriminalroman-Standards.“

Fast eine ganze Seite widmet die FR Bruno Schulz. Renate Wiggershaus rezensiert die von Jerzy Ficowski verfasste Schulz-Biografie sowie die Neuübersetzung (Doreen Daume) der „Zimtläden“ (beides Hanser).

Es gibt nichts, was es nicht gibt: So z.B. der Hemingway-Doppelgängerwettbewerb in Süd-Florida. Immer am 21. Juli zum Geburtstag des Dichters. Kriterien sind nicht Bart oder Trinkfestigkeit: „Wir wählen jemanden, mit dem wir auch noch in 20 Jahren gerne am Tresen sitzen würden“, so ein Juror.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Immer mal wieder Weltbild: Im Wirtschaftsteil wird die dezentrale Führung von Douglas erläutert: Vorstandsvorsitzender Dr. Henning Kreke will den „engagierten Händler vor Ort“. Im Buchgeschäft, mit dem Douglas in Deutschland auf einen Marktanteil von 7 Prozent kommt, ist Kreke an weiteren Zukäufen im deutschsprachigen Raum interessiert. Sollte die Augsburger Weltbild-Verlagsgruppe auf den Markt kommen, würde er sich sicherlich Teile davon anschauen.

„Zuschusswunde“ betitelt Hannes Hintermeier seine Glosse zu dem Börsenvereins-Versuch, von den für die Longlist zum Deutschen Buchpreis nominierten Verlage einen Druckkostenzuschuss zu erheben [mehr…] – eine Erhebung auf freiwilliger Basis freilich, wie es gestern in einer eilig verbreiteten Presseerklärung des Börsenvereins hieß [mehr…].

Rezensionen
Sabine Doering bespricht Franz Doblers Roman „Aufräumen“ (Kunstmann), Thomas Meissner rezensiert Eckart Kleßmanns „Universitätsmamsellen. Fünf aufgeklärte Frauen zwischen Rokoko, Revolution und Romantik“ (Eichborn). Andreas Platthaus bespricht Liu Heung Shing „China. Porträt eines Landes“ (Taschen). Und wie man den Speck von den Hüften kriegt, sagt Rolf Versen in „Runter damit und dann: Nie wieder fett“ (SavoirVivre), aber Rezensent Ernst Horst ist skeptisch: „Natürlich hat es Dr. Versen nicht geschafft, sich an seine eigenen Regeln zu halten. Geburtstag, Weihnachtsfeiern, Essen mit Freunden, das sind Gelegenheiten zur Sünde. Aber so was gleicht er sofort mit einem darauf folgenden Fastentag aus.“

Annotationen
Peter Stein / Hartmut Stein „Chronik der deutschen Literatur“ (Kröner), Viktorija Tokarjewa „Liebesterror“ (Diogenes).

Die Welt

Auch die „Welt“ schreibt über die Expansion von Douglas: Überraschenderweise will der Konzern nicht mehr nach China, Indien und Saudi-Arabien gehen, sondern seine Aktivitäten auf Europa konzentrieren, schreibt Hagen Seidel im Wirtschaftsteil des Blattes. Und auch er hat von Henning Kreke Interesse an Zukäufen von Weltbild vernommen.

Musiker sollen nach Willen der EU-Kommission bis ins hohe Alter urheberrechtlich geschützt sein: von derzeit 50 Jahren soll die Schutzfrist auf 95 Jahre erhöht werden. Damit wären z.B. die Beatles aus dem Schneider…

Morgen in der Literarischen Welt: Albert Camus und Algerien, Kubas glamouröse Vergangenheit, und Tilman Krause erklärt die Querelen um die Reform des Deutschen Literaturarchivs.

Süddeutsche Zeitung

Den Aufmacher der Literaturseite in der Süddeutschen Zeitung widmet Burkhard Müller dem Buch „Meier mit Y“, ein Jahreslauf von Patricia Görg (Berlin Verlag). Demnach hat Görg eine kosmische Studie zum Geiz vorgelegt, die „vom Traurigen zum Todtraurigen“ fortschreitet.

Karl-Markus Gauss stellt die Neuherausgabe von „Scoglio Pomo oder Rout am Fliegenden Holländer“ von Fritz von Herzmanovsky-Orlando im Residenz Verlag vor. Das erstmals 1921 erschienene Buch ist ein grotesker Gesellschaftstanz aberwitzigster Figuren der k.u.k. Gesellschaft, die sich auf einer (erfundenen) dalmatinischen Insel trifft. Gauss empfiehlt „das Buch des rabiatesten Sprachwitzlers“ …“nicht so verstiegen ernst zu nehmen wie Herzmanovsky-Orlando selbst“. Dafür sei zu viel Anarchie und Bosheit in den Bildern des Untergangs.

In einer unteren Ecke auf der Literaturseite heißt es noch, dass die EU offenbar Gelder streicht für Literaturübersetzungen. Demnach soll die Förderung von sieben Übersetzungszentren noch in diesem Jahr auslaufen. Allerdings sei keines in Deutschland betroffen.

Financial Times Deutschland

Die Financial Times Deutschland (FTD) meldet, dass Amazon ein neuartiges Angebot von TV-Serien und Filmen im Internet starten will. Das Blatt zitiert eine Nachricht in der New York Times, wonach ab Sommer und nur US-Kunden vorbehalten 40 000 Filme und Fernsehserien per Knopfdruck und ohne Wartezeit angeschaut werden können. Damit bietet der Großhändler eine wahrscheinlich bedienerfreundlichere Variante als Apple an, dessen Angebote erst heruntergeladen werden müssen.

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