Literaturpreise Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz geht 2015 an Stian Hole

Der norwegische Autor und Illustrator Stian Hole erhält den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz für das im Hanser Verlag erschienene Buch Annas Himmel. Die Jury unter Vorsitz von Weihbischof Robert Brahm (Trier) hat das diesjährige Preisbuch aus 230 Titeln ausgewählt, die von 69 Verlagen eingereicht wurden.

In der Begründung heißt es: „Der Himmel ist das letzte Ziel und die Erfüllung der tiefsten Sehnsüchte des Menschen, der Zustand höchsten und endgültigen Glücks. Die christliche Glaubenslehre hält mit diesen Worten fest, wofür die Bibel unterschiedliche Bilder findet. Wie aber lassen sich Kindern solche Bilder erklären? Der norwegische Bilderbuchkünstler Stian Hole nutzt dafür farbintensive Illustrationen, in denen er Symbole aus Pflanzen-, Tier- und menschlicher Alltagswelt zu neuen, paradiesisch anmutenden Szenarien zusammensetzt. Wenn er vom Tod erzählt, endet er nicht beim kindlichen Trauerprozess, sondern fügt dem Moment des Abschiedes eine kindliche Vorstellung vom Himmel hinzu. Dabei werden theologische Fragen auf einer künstlerisch komplexen, aber dennoch zugänglichen Verständnisebene angesprochen.

Erzählt wird von Anna und ihrem Vater – und von einem Moment, vor dem es beiden graut. Auch wenn die Kirchenglocken läuten und der Vater im schwarzen Anzug bereitsteht, wird vorerst nicht ausgesprochen, wo die Unruhe der beiden herrührt. In den Illustrationen jedoch verweisen zahlreiche Details auf eine Bruchstelle im Leben der beiden: Zerschlagene Tassen, zerrissene Perlenketten, vereinzelt zurückgebliebene Schuhe, ein angebissener Apfel, neue Kleider, die ,leblos‘ auf einem Bügel hängen. Und während der Vater sich noch trauernd abwendet, ist Anna elektrisiert von der Idee, sich den Himmel vorzustellen – und ihn damit auf die Erde zu holen. ,Wie kann Gott uns nur alle im Auge behalten?‘ fragt Anna sich, deren Mutter nicht mehr da ist. Bildlich entfaltet sich an dieser Stelle in tiefblauer Farbe ein Pfauenrad, dessen ,Augen‘ zeigen, dass sich Gottes Auge nicht lokalisieren lässt, sondern alle Menschen in ihm geborgen sind.

Ohne sie zu vereinnahmen werden mit spielerischer Lust konkrete Jenseitsbilder angeboten, die an keiner Stelle vordergründig erscheinen. Himmelsvorstellungen werden dabei an Paradiesvorstellungen rückgebunden, wenn die Mutter zum Beispiel im Garten Gottes aushilft. Am intensivsten jedoch wird sicht- und spürbar, dass in der Vorstellung des Himmlischen eine endgültige Gemeinschaft jenseits von Zeit verwirklicht wird. Das Wunderlichste am Himmel, so hält der Philosoph Voltaire fest, wird es sein, Menschen zu treffen, die wir dort nicht erwartet hätten. Mit einer Fülle an bildlichen Schau-Erlebnissen lässt sich so nicht nur das kindliche Symbolverständnis schulen, sondern auch die Frage danach stellen, was mit einem Zustand höchsten, endgültigen Glücks gemeint sein kann.“

Stian Hole wurde 1969 in Hokksund im Osten Norwegens geboren und lebt heute mit seiner Familie in Oslo. Er absolvierte ein Studium der Visuellen Kommunikation an der Staatlichen Kunstgewerbe-Schule in Oslo. Mit Kollegen gründete er eine Agentur, die auf Buchgestaltung und Typografie spezialisiert ist. International bekannt wurde Hole durch das 2009 erschienene Werk Garmans Sommer, das unter anderem mit dem Brage-Preis, dem wichtigsten Literaturpreis Norwegens, dem Bologna Ragazzi Award und dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 ausgezeichnet.

Der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis wird in diesem Jahr zum 26. Mal vergeben. Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg Stuttgart), zeichnet den Preisträger am 19. Mai 2015 bei einem Festakt in Osnabrück aus.

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