Der Brückenbauer Karl Dedecius – noch einmal im Interview mit Petra Kammann

Anlässlich des Todes von Karl Dedecius hat Petra Kammann auf feuilletonfrankfurt.de noch einmal ein Interview veröffentlicht, das sie für die Zeitschrift …IN RHEINKULTUR (2/2011) mit ihm geführt hatte.

Der am 29. Februar 2016 in Frankfurt am Main verstorbene Friedenspreisträger, Übersetzer und Herausgeber polnischer Literatur, Professor Karl Dedecius, wurde damals im Aachener Kaisersaal mit dem Polonicus ausgezeichnet.

Hier ein kurzer Auszug:

Kammann: Welchen Einfluss auf Ihre Entwicklung hatte es, dass Sie in Łódź aufgewachsen waren und was bedeuteten Ihre Mittlerversuche in der Zeit des Kalten Krieges?

Karl Dedecius: Was bleibt von der intimen Teilnahme am Leben in Polen (20 Jahre), in Russland (10 Jahre), in Ost und West, Süd- und Norddeutschland (60 Jahre)? Die Erkenntnis, dass „der Mensch“ eigentlich überall auf der Welt Ähnliches sucht, will, Ähnliches träumt, genießt, an Ähnlichem leidet, dass er aber durch seine inneren Dispositionen – oft mangelhaft ausgebildet, egozentrisch deformiert – den gemeinsamen Nutzen verlernt, durch äußere kollektive Zwänge in Konflikte und Kollisionen gerät und blindgeworden, orientierungslos in Katastrophen stolpert. Die Vernunft belehrt uns immer wieder – nach den sich wiederholenden Kalten und Heißen Kriegen – den Ausweg woanders zu suchen: Im Zusammenschluss der zerstrittenen Partikel zu einer Interessensgemeinschaft der Vernunft. Hier zwang mich meine Herkunft, die Mittlerrolle als Lebensziel inter nationes anzustreben.

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