Die Buchmesse der MEMRI-Vorwurf des Antisemitismus

Heute in der WELT: Uwe Wittstock kommentiert die Vorwürfe an die Frankfurter Buchmesse, Bücher mit antisemitischem Inhalt zugelassen zu haben:

„Solche Vorwürfe wiegen schwer. Auf der kürzlich zu Ende gegangenen Frankfurter Buchmesse, so kritisiert das Middle East Media Research Institut (MEMRI) [mehr…], seien ‚nicht wenige Bücher‘ ausgestellt worden, die einen antisemitischen Inhalt gehabt hätten. Die Vorstellung, daß ausgerechnet eine Buchmesse in Deutschland zur Plattform für judenfeindliche Hetzschriften geworden sein könnte, ist erschreckend.

Allerdings sind die Vorwürfe nicht neu. Sie wurden bereits auf der Buchmesse erhoben. Holger Ehling, der Sprecher der Messe, betont, daß es den Kritikern nicht gelungen sei, gerichtsfeste Beweise für ihre Behauptungen vorzulegen. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft habe während der Messe ermittelt, aber keinen Anlaß gefunden, um einzugreifen. Die Buchmesse jedoch, so Ehling, könne von sich aus keine Bücher verbieten.

Das ist auch gut so. Die Buchmesse darf in Deutschland nicht die Funktion einer Zensurbehörde übernehmen. Allerdings mußten sich die Organisatoren der Messe schon in dem Moment darüber klar sein, daß es zu politischen Problemen kommen könnte, als sie die Arabische Liga als Ehrengast nach Frankfurt einluden. Sie haben deshalb mit der Arabischen Liga ausdrücklich vereinbart, bei dem Messe-Auftritt jeden Angriff auf Dritte zu unterlassen. Tatsächlich wurden keine Konflikte während der zahlreichen Veranstaltungen bekannt.

Rund 25 000 Titel in arabischer Sprache sollen auf der Buchmesse zu sehen gewesen sein. Daß viele davon mit der israelischen Politik der letzten Jahre sehr heftig ins Gericht gegangen sein dürften, liegt auf der Hand. Daß jedoch bei manchen – nicht nur arabischen – Autoren die Kritik an Israel mitunter fließend in antisemitische Hetze übergeht, ebenfalls.

Um so wichtiger ist es, daß die Verdachtsmomente jetzt erhärtet oder widerlegt werden. Das MEMRI nimmt für sich in Anspruch, eine unabhängige Organisation zu sein. Kritiker bezweifeln das. Gerade weil die Vorwürfe, die das Institut erhebt, so schwer wiegen, sollte es sie überzeugend beweisen. Denn ansonsten könnte der Eindruck entstehen, daß MEMRI mit seiner Attacke über ein im Grunde recht gelungenes Beispiel des interkulturellen Dialogs im Nachhinein den Schatten des Verdachts wirft.“

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