Etappensieg der Pressefreiheit: Über Jauchs Hochzeit darf berichtet werden

In Zeiten eingeschränkter pressefreiheitlicher Möglichkeiten, in denen schon zahlreiche Biographien in den Reißwolf geklagt wurden, darf dieses Urteil als Sensation gelten: TV-Moderator Günther Jauch muss damit rechnen, dass seine für den 7. Juli geplante Hochzeit nicht so privat bleibt wie er das wünscht. Ein Gericht hob heute eine von Jauch erwirkte Einstweilige Verfügung gegen die Berichterstattung teilweise und vorläufig wieder auf, meldet SPIEGEL ONLINE. Wann das Gericht endgültig entscheiden wolle, stand noch nicht fest.

„Angesichts der überragenden Prominenz als Moderator und Werbeträger“, so das Kammergericht, „sei ein vorrangiges Berichterstattungsinteresse daran, dass er in bekannten Sehenswürdigkeiten heiraten bzw. Hochzeit feiern wolle, anzuerkennen, auch wenn dadurch Schaulustige angelockt werden könnten“.

Darüber hinaus gehende Details der Hochzeit am 7. Juli sind indes auch weiterhin tabu. Dennoch begrüßte die klagende „Bild“-Zeitung den richterlichen Beschluss. Das Kammergericht habe Jauchs Begehren, die Berichterstattung über seine Hochzeit vollständig zu unterbinden, eine „klare Absage“ erteilt, erklärte Nicolaus Fest, Mitglied der Chefredaktion. „Wer die Medien fast täglich zur Steigerung seiner Prominenz und seines Marktwertes nutzt und in weltbekannten touristischen Sehenswürdigkeiten heiratet, kann die Presse nicht ausschließen.“

Jauchs Rechtsanwalt Christian Schertz hob hervor, so schreibt der SPIEGEL, dass das Kammergericht den Schutz der Privatsphäre Jauchs und seiner Familie bestätigt habe. So sei dem Beschluss zufolge „kein vergleichbares öffentliches Interesse“ an den Details der Hochzeit ersichtlich. Die erstinstanzliche Entscheidung sei vom Kammergericht „lediglich in einer Nuance“ korrigiert worden, sagte Schertz. Gegenüber SPIEGEL ONLINE betonte der Anwalt, das Gericht habe sich in seiner Rechtsprechung „in keiner Weise“ zu Fotos geäußert. Paparazzibilder seien „selbstverständlich unzulässig“, betonte Schertz.

Auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) begrüßte die aktuelle Entscheidung des Kammergerichts „als Etappensieg der Pressefreiheit“.

Zum SPIEGEL-Artikel: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,423943,00.html

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