Heute in der SZ: Rowohlt-Verleger Alexander Fest zum neuen Fake „Du fehlst mir, meine Schwester“ von Norma Khouri

„Du fehlst mir, meine Schwester“ von Norma Khouri erzählt die Geschichte einer Jordanierin, die von ihrem Vater getötet wird, weil sie, die Muslimin, eine Beziehung zu einem katholischen Jordanier hat. Norma Khouri, als Freundin und Komplizin des Opfers, gerät selber in Gefahr und muss fliehen. In der Fremde schreibt sie den Bericht über den angeblich authentischen Ehrenmord. In Australien wird das Buch ein Erfolg. Doch dann meldet der Sydney Morning Herald Zweifel an der Authentizität: Norma Khouri lebe seit ihrem dritten Lebensjahr in den USA. Ihr australischer Verlag hat das Buch zurückgezogen, ebenso der Rowohlt Verlag, bei dem die deutsche Fassung erschienen ist. [mehr…]

Rowohlt-Verleger Alexander Fest bestreitet im heutigen SZ-Interview mit Ijoma Mangold, leichtfertig gehandelt zu haben mit der Veröffentlichung des neuerlichen Fakes auf dem deutschen Buchmarkt: „Verlage verfügen nicht über die Möglichkeiten, eine solche Geschichte dingfest zu machen. Man kann sich in solchen Fällen nur auf seine Gewährsleute verlassen: die betreffende Agentur, den Originalverlag.“ Er bestätigt, daß alle Lizenznehmer das Buch weltweit blind eingekauft haben: „Ja. Das ist üblich geworden im Zuge einer Entwicklung, die im Bücherschreiben und Büchermachen immer stärker das Geschäft sieht.“

Jetzt will Fest versuchen, Regressforderungen an die Agentur zu stellen, aber: „Ob das allerdings möglich ist, lässt sich schwer sagen, nicht zuletzt, weil die Agentur selbst getäuscht worden ist. Auch eine Agentur hat nicht die Mittel, Nachforschungen anzustrengen, die über Australien nach Jordanien und Amerika führen. Genauso wenig wie dies die Verlage haben.“

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