Heute in der WELT: Spekulationen um Suhrkamp: Wer von den Autoren geht, wer bleibt?

„Umschichtungen bei Suhrkamp – oder: die Literaturbranche auf der Suche nach der geeigneten Metapher. Was müssen wir ausrufen, was dürfen wir hoffen? Erdrutsch, Lawine, Gesundschrumpfung? Neubeginn, Kurskorrektur oder einfach Wiedereinlaufen in ruhige Gewässer? Zu den gegenwärtigen Lieblingsphantasien des deutschen Literaturbetriebs gehört jedenfalls das Entwerfen von Szenarios, wer wann und mit wem das Frankfurter Verlagshaus verlässt – oder eben doch bleibt. Wer geht mit dem ehemaligen Geschäftsführer Günter Berg zu Hoffmann und Campe? Wer folgt dem ehemaligen Lektor Thorsten Arend? Und tut der sich mit Berg zusammen, oder macht er mit dem gleichfalls von Suhrkamp und Unseld geschädigten Thedel von Wallmoden bei Wallstein ein paralleles Konkurrenzunternehmen auf?“ – So beginnt heute ein Artikel in der WELT. Aber: Nichts Genaues weiß man nicht:

„Immerhin sind kürzlich 21 Suhrkamp-Autoren aus der mittleren und jüngeren Generation der Einladung von Verlegerin Ulla Berkéwicz zum traditionellen Heringsessen nach Frankfurt gefolgt, dem kein konspiratives Treffen mit Ahrend vorausging oder sich anschloss. Hier rief die hohe Frau – mit einem charmanten Blinzeln zu dem gleichfalls anwesenden Thorsten Ahrend hinüber -, hier rief sie den versammelten Heins und Helfers, Grünbeins und Goetzens, Treichels und Kraußens zu: ‚Ich werde um jeden von Euch kämpfen!‘ Wer würde dem standhalten können und wollen? Wird also alles wieder gut?

Alles wohl nicht, denn wenigstens einer wird den Venusberg verlassen, der freilich vor einem Jahr schon den Tannhäuser-Wunsch „Königin, Göttin, lass mich zieh’n“ ausbrachte. Dieser eine ist Martin Walser. Sein Exodus immerhin steht fest, wenngleich die Frage, wem sein Herz, sein Verstand und vor allem sein neues Buch sich zuwendet, einstweilen noch das bestgehütete Geheimnis der Branche ist. Doch Walser ist Walser, bleibt Walser – und wenn er, wie Günter Grass, in einem Göttinger Kleinverlag erscheint. Daniel Kehlmann hingegen, um nur diesen Jungautor pars pro toto zu nennen, wird zu einer Größe durch Suhrkamp. So könnte es sein, dass der Lokomotive Walser gar nicht so viele Waggons folgen werden.“

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