Oberösterreichische Nachrichten: Buch-Preisbindung ist Lebenslüge

Das ist harter Tobak: „Die Buchpreisbindung wird sich als die größte Lebenslüge der Branche erweisen“, sagt Marktforscher Andreas Kreutzer (Institut Kreutzer Fischer & Partner) in den heutigen „Oberösterreichischen Nachrichten“. Und weiter: Der fixe Ladenpreis, der für jedes Buch bis 18 Monate nach Erscheinen gilt, schütze weder das Kulturgut Buch, noch die Vielfalt im Fachhandel. Vielmehr würden die großen Ketten profitieren, weil sie mit der Preisbindung gesicherte Kassenpreise haben und sich keine Rabattschlachten liefern müssen – und auch nicht dürfen.

Kreutzer legt den Finger auf die Wunde: Andererseits werden die Ketten so mächtig, dass ihnen die Verlage viel günstigere Einkaufskonditionen einräumen müssen. „Gesprochen wird von mehr als 50 Prozent Rabatt vom Ladenpreis – kleine Händler sollen nur 40 bis 47 Prozent bekommen. Die Marktführer kassieren außerdem von Verlegern verstärkt Werbekostenzuschüsse und Regalmieten“, so die „OÖ Nachrichten“.

Verlage und kleine Buchhändler, die für die Preisbindung gekämpft haben, würden sich „ihr eigenes Grab schaufeln“, so Kreutzer. Die Großen investieren ihre Gewinne jetzt in Übernahmen und neue Bucherlebniswelten, die den Strukturwandel noch beschleunigen.

80 Prozent der bundesweit noch 680 Buchhändler machen weniger als eine Million Euro Umsatz. Die drei Großen in Österreich, Libro, Thalia.at und Morawa, schneiden sich bereits 45 Prozent vom Umsatzkuchen ab. Heute sollen 1,06 Milliarden Euro (plus 1,5 Prozent) umgesetzt werden, 2007 laut Kreutzer-Studie 1,09 Milliarden (+ 2,5 %).

Zuwächse gelingen mit elektronischen Medien. „Hörbücher sind ein starker Trend“, so Thalia-Geschäftsführer Josef Pretzl zum Weihnachtsgeschäft. „Da machten seine Händler ein Fünftel des Jahresumsatzes“, so Kammersprecher Manfred Christl.

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